Bisher führt sie meinst ein Leben im Untergrund. Scham treibt sie an, sich zu verstecken, sich zu tarnen, dass sie ungesehen bleibt. Wo sie sich aufhält, ist sie begleitet von Schmerz und Abwertung –  ein Teufelskreis. Entsprechend ist die Motivation, sie loszuwerden – die aber fehl schlägt. Sie ist klebrig wie eine Klette, das steigert die Verzweiflung. Das Hamsterrad von gegen sie zu kämpfen, sie aber nicht los zu werden ist perfekt.

Darf ich vorstellen?

Von wem ist hier die Rede? Eine sehr unangenehme Person mag man meinen – was ich hier beschreibe ist eine psychische Erkrankung. Darf ich vorstellen: Skin Picking. Als Dermatillomanie ist sie jetzt auch in das Diagnose-Manual (DSM V) der Psychotherapie eingegangen.

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Isolation und Kälte begleiten die Erkrankung

Was sind die Symptome?

Die Betroffenen zerstören ihre Haut. Dazu werden sie angetrieben, unterschiedlichste Rituale durchzuführen. Aus diesem Grund wird sie auch zu den Zwangserkrankungen gezählt – sie tritt oft auch begleitend zu einer Zwangserkrankung auf.  Die Rituale und die Folgen sind von Mensch zu Mensch vollkommen unterschiedlich. Gesicht, Halt, Nacken, Decolté, Rücken oder Oberarme müssen dran glauben wenn sich das Verhalten andrängt, die Haut zu kratzen, herumzupulen, zu knibbeln oder unebene Stellen aufzukratzen. Für wenn das Beschriebene nur seltene Gewohnheiten sind, der kann sich gar nicht vorstellen, dass sich das zur Erkrankung ausweiten kann, die den Alltag so einschränkt, dass ein erheblicher Leidensdruck entsteht.

Wie verbreitet ist die Erkrankung?

Zahlen existieren bisher nur aus den USA. Dort fanden Forscher eine Lebenszeitprävalenz von 10 % für das Verhalten des Skin Picking – nicht für die Erkrankung. Das heisst, dass jeder Zehnte bei sich bereits das zugehörige Verhalten entdeckt hat. Die Prävalenz für die Erkrankung liegt bei ca. 1,5 %. Im Internet zählen die Foren der Selbsthilfegruppen zum Teil über 10.000 Mitglieder – was sehr viel über die Verbreitung aussagt, oder nicht? So ein Forum gibt es zum Beispiel bei der Kölner Selbsthilfegruppe, die sich skin-picking nennt. Es gibt auch eine Austausch-Gruppe bei Facebook, diese heisst „in meiner Haut„.

Wie sieht eine Behandlung aus?

Das Vorgehen in der Therapie ist abhängig von der Ausbildung des Therapeuten. Ein Verhaltenstherapeut wird ganz nahe am Verhalten bleiben und zum Beispiel den Betroffenen ein Tagebuch führen lassen, in dem er sich selbst beobachtet, um das Verhalten dann zu verändern. Bei einem Tiefenpsychologisch oder Analytisch arbeitenden Psychotherapeuten wird die innere Reise in die Kindheit gehen – wo angenommen wird, dass dort die eigentlichen Auslöser liegen. Ein Hypnosetherapeut wird zweigleisig vorgehen – zum einen wird die Symptomreduktion ein Ziel sein – zum anderen wird mittels einer Rückschau mittels sogenannter Affektbrücken die Ursache des Drucks, sich zu picken identifiziert, um diesen auf der emotionalen Ebene zu verändern.

Welche Literatur gibt es zum Thema?

Die bisher erschienen Bücher sind überwiegend in englischer Sprache. Auf dem deutschsprachigen Markt erschienen sind bisher drei: Zunächst ist da das Buch von Yale Adler. Es erklärt vorwiegend biologisch-medizinisch was Haut ist und wie man praktisch Einfluss auf das Hautbild nehmen kann. Der Schwerpunkt liegt in diesem Buch nicht auf dem Skin Picking. Ich finde dieses Buch aber sehr empfehlenswert. Das Buch von Ingrid Bäume „in meiner Haut“ enthält zum einen wunderbare Beschreibung darüber, was Skin Picking ist und im weiteren unter die Haut gehende Berichte von Betroffenen. Dieses ist absolut empfehlenswert für diejenigen, die sich mit Skin Picking näher beschäftigen wollen.

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Bild: Shivani Vogt, geb. Allgaier (cc)

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