Sehr geehrte Frau Allgaier, ich finde die Rubrik sehr interessant. Ich habe auch vom Lesen der anderen Fragen und Antworten profitiert. Meine Frage ist sehr alltagsbezogen: Neulich habe ich im weiteren Bekanntenkreis beim Ausgehen einen Saft bestellt – alle anderen etwas mit Alkohol. Bei mir steckt kein Prinzip dahinter, ich habe einfach selten Lust auf Alkohol. Ich bekam dann entsprechend Kommentare: Wie bitte, ein Saft?!?! Ich kann diese Menschen schlecht meiden, kann mir also nicht einfach eine andere Gruppe suchen. Es stört mich aber sehr, dass Gruppendruck ausgeübt wird. Andererseits: Anscheinend stoßen sich die anderen an mir. Jetzt bin ich mir unsicher, ob ich mir nicht auch das Trinken von mehr Alkohol angewöhnen soll, um nicht unhöflich zu sein. Ich bin 27 Jahre und schreibe aus Heidelberg. Viele Grüße Lilly

Liebe Lilly,

erstmal vielen Dank für die Blumen, es freut mich wenn Sie profitieren können hier im Blog. Sie fragen sich, ob Sie sich an mehr Alkohol gewöhnen sollen, um nicht unhöflich zu sein wenn Sie mit Freunden weggehen, weil Sie entsprechende Kommentare hörten als Sie für etwas ohne Alkohol entschieden.

Wenn ich Ihre Zeilen lese, habe ich ganz viele Fragezeichen im Gesicht. Sie möchten sich wirklich an mehr Alkohol gewöhnen, um nicht unhöflich zu sein? Sie schreiben, Sie haben selten Lust auf Alkohol. Sie möchten also Ihr Bedürfnis opfern, weil Sie den Eindruck haben, das wäre unhöflich Ihren Freunden gegenüber?

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Was macht Ihre Freundschaft spritzig?

Welches Bedürfnis ist Ihnen wichtig?

Ehrlich gesagt haben Sie alle diese Möglichkeiten – und noch viel mehr. Entscheidend dafür wofür Sie sich entscheiden ist, welches Bedürfnis Sie haben. Sie können auf gedanklicher Ebene sehr viele Entscheidungsmöglichkeiten finden – Ihr Bedürfnis wird Ihnen sagen, welche die richtige ist. Aus meiner Sicht fehlt Ihnen Sicherheit. Sie schreiben, Sie sind sich unsicher, ob Sie sich das Trinken von Alkohol angewöhnen sollen. Möchten Sie die Unsicherheit überwinden und eine Entscheidung treffen? Oder möchten Sie die Unsicherheit überwinden, dass es Ihnen auf gut deutsch am Arsch vorbeigeht, wenn die anderen Probleme damit haben, dass Sie eben keinen Alkohol trinken? Welche Sicherheit fehlt Ihnen? Finden Sie das heraus, dann spüren Sie von innen heraus, welche Reaktion für Sie die richtige ist.

Und der Gruppendruck?

Aus meiner Sicht ist es eine gute Ablenkungsstrategie von Ihnen, sich mit dem Gruppendruck zu beschäftigen. Wenn Sie mit der Aufmerksamkeit bei den anderen sind, dann brauchen Sie bei sich nichts zu ändern und auch nicht bei sich hinschauen auf mögliche „Baustellen“ oder Unsicherheiten. Denn für die anderen sind Sie nicht zuständig, bei denen können Sie nichts verändern, nur bei sich selbst. Vielleicht ist es Zeit, dass Sie sich überlegen, was der gemeinsame Nenner mit Ihren Freunden ist? Was ist der Kitt, der Sie zusammenhält? Wenn das der Alkohol ist, dann ist es wirklich Zeit, dass Sie sich das Trinken von Alkohol angewöhnen. Aber was sind das dann für Freunde? Wenn es sich dabei um etwas anderes handelt, zum Beispiel den Spaß, den Sie gemeinsam haben oder das Interesse an gemeinsamen Themen, dann ist es doch ganz egal, was Sie trinken, oder nicht? Und wann haben Sie das letzte Mal „Nein“ gesagt? Nein zu dem, was nicht zu Ihnen gehört? Nein zum Alkohol? Nein zur Unsicherheit? Nein zu Freunden, die nicht zu Ihnen gehören? Oder sogar Nein zu einem Ratschlag, der unangemessen ist – ich kenne Sie ja nicht. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Spaß mit Ihren Freunden wenn Sie sich nächstes Mal treffen – und wäre neugierig, was Sie trinken und was Sie erleben…

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Bild: Shivani Allgaier (cc)

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