Eine Lebensfrage ist eingetrudelt…

Liebe Shivani, durch mangelndes Selbstvertrauen und fehlende Orientierung in der Jugend habe ich meinen eigenen Lebensweg sabotiert. Ich habe mir von meiner Mutter „abgeschaut“, dass man sich nichts herausnehmen darf, und bin in vielen Dingen zu bescheiden gewesen. Zum Beispiel habe ich nicht studiert, weil ich dachte, ich sei nicht gut genug dafür. Ich habe keinen Erfolg im Leben, weil ich dachte, diesen nicht zu verdienen.
Dieses Muster des „Bescheidenseins“ habe ich unbewusst verfolgt, bis es mir vor einiger Zeit bewusst wurde. Nun weiß ich nicht, was ich tun soll:
 Früher habe ich mir nichts vom „Kuchen des Lebens“ genommen, weil ich dachte, das stünde mir nicht zu.
Heute bin ich hungrig – aber in meinem Alter ist es unüblich, sich noch etwas zu nehmen. Eigentlich sollte man „geben“, und vieles ist auch nicht mehr möglich.
Was kann ich tun, um nicht zu verbittern über das, was ich durch meine Bescheidenheit angerichtet habe? 
Ich habe ein Pseudonym als Namen eingetragen, aber ich grüße Sie deswegen nicht weniger herzlich ins schöne Schwaben, Franka

Liebe Franka,

vieles im Leben haben Sie geopfert: Sie studierten nicht, standen sich keinen Erfolg im Leben zu und nahmen sich auch sonst nur wenig heraus. Erst jetzt wurde Ihnen bewusst, dass Sie sich dieses Muster von der Mutter abschauten und Sie nur unterbewusst bescheiden waren – tatsächlich hungerte die ganze Zeit etwas in Ihnen nach Leben. Diesen Hunger spüren Sie jetzt – und fragen mich, wie Sie es anstellen können, darüber nicht zu verbittern, wie Ihr Leben heute durch diese falsche Bescheidenheit – wie Sie jetzt finden – aussieht.

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Manche Rosen blühen spät.

Was Sie schreiben klingt für mich zunächst sehr, sehr traurig. Sie schreiben mir nicht, wie alt Sie sind. Aber Sie schreiben, dass einiges nicht mehr möglich sei, deswegen nehme ich an, Sie sind „nicht mehr die Jüngste“.  Das Leben ist wohl mit vielen Facetten an Ihnen vorbei gegangen. Zunächst finde ich: das ist es wert, betrauert zu werden. Haben Sie bereits um diese verpasste Lebendigkeit geweint? Haben Sie sie bereits betrauert? Das finde ich wichtig.

Diese Trauer könnte auch der Ariadne-Faden sein, der Sie weiterführt. Gefühle sind immer ein Link zu unseren Bedürfnissen. Welche Bedürfnisse wären erfüllt wenn Sie studiert hätten? Welche, wenn Sie sich das ein- oder andere zugestanden hätten? Neugier? Lernfreude? Anerkennung? Einfluss nehmen? Ich biete hier nur einige der Bedürfnisse an. Und genau hier liegt jetzt auch Ihre Chance – denn Sie könnten feststellen, dass Sie diese Bedürfnisse immer noch erfüllen können. Freilich ist es ab einem bestimmten Alter nicht mehr möglich, ein eigenes Kind zu bekommen. Wofür könnte jedoch der Wunsch, ein Kind zu bekommen stehen? Lebendigkeit? Wenn ja, wie könnten Sie jetzt Lebendigkeit in Ihr Leben holen? Lebensfreude? Eine Kissenschlacht vielleicht? Ein Kinofilm? Ein Nachmittag mit Freunden? Die Straße entlang hüpfen? Besuche im Alten- oder im Kinderheim? Vorlesen im Kindergarten? Lachyoga? Laub im Park in die Luft werfen und unten durchgehen? Menschen in der Fußgängerzone Komplimente machen?

Vielleicht stellen Sie sich auch die Frage: „Wie konnte es nur geschehen, dass ich die Vorstellungen meiner Mutter als wichtiger erachtete als meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse?“ Dazu möchte ich Sie entlasten – das saugen wir als Kinder genauso auf wie die Grammatik unserer Muttersprache. Das gute daran: wir können diese unterbewusste Grammatik auch wieder verändern. Sie möchten nicht verbittern – dann machen Sie den ersten Schritt heraus aus Ihrer Starre – hinein in ein neues Leben. Gehen Sie das an  – vielleicht fällt es Ihnen auch leichter, sich fachliche Unterstützung dazu zu gönnen. Suchen Sie sich in diesem Fall einen Therapeuten oder Coach, der Sie darin begleitet. Was ich auch sehr empfehlen kann ist die Online-Coaching-Comunity Human Trust. Diese ist genauso bedürfnisorientiert, wie ich in meiner Arbeit vorgehe und Sie können von zu Hause aus teilnehmen und treffen dort viele Gleichgesinnte – auch solche „Spätzünderinnen“ wie Sie eine sind.

Und wenn etwas ins Fliessen geraten ist, rate ich Ihnen, sich auf die Suche nach möglichst allen Bedürfnissen zu machen, die unerfüllt blieben. Sie haben vieles verpasst – aber es ist noch nicht zu spät.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei dieser Neuentdeckung und grüße Sie ebenso herzlich.
Ihre Shivani Allgaier

 

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Bild: Shivani Allgaier (cc)

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