Manchen meiner Klienten oder Patienten stelle ich die Frage: „Wie war das denn damals zur Zeit, als Sie geboren wurden?“ Viele können mir auch darauf antworten. Doch es gibt immer wieder diejenigen, die mir sagen: „Darüber weiß ich nichts. Meine Mutter sprach noch nie mit mir darüber und sie wird es auch nicht tun.“

Mit dem Blick nur im Rückspiegel bin ich kein guter Fahrer

Ich bin keine Freundin davon, in der Vergangenheit meiner Klienten oder Patienten herumzukramen. Ich halte nichts davon, nach Fahrplan die vergangenen Lebensereignisse auf den Tisch zu holen und diese zu beleuchten. Meine Erfahrung lehrt mich, Kraft und Energie lieber für das Leben in der Gegenwart zu nützen. Je mehr jemand in der Vergangenheit kramt, desto mehr Verletzungen werden sich dort zeigen – oft auch solche, die schon längst ausgeheilt waren. Das kommt mir oft so vor wie jemand, der an einer längst verheilten Wunde lange genug herumpult – irgendwann gibt die empfindliche Haut nach und entzündet sich doch.

Pflanzen und Tiere sind immer in der Gegenwart
Pflanzen  sind immer in der Gegenwart

Wann ist es dann sinnvoll, in den Rückspiegel zu schauen?

Ich unterstütze meine Klienten und Patienten dabei, mehr Kraft für das Leben in der Gegenwart zur Verfügung zu haben. Dabei schaue ich mir an was den betreffenden jetzt belastet. Dies kann ein unerfüllter Kinderwunsch sein, ein Ehekrach, eine Flugangst, Lernblockaden, psychosomatische Zusammenhänge oder alle möglichen anderen Beschwerden. Es kann durchaus sein, dass die Problematik sich in der Gegenwart lösen läßt – es kann jedoch auch vorkommen, dass mich die Methoden mit denen ich arbeite wie mit einem Ariadne-Faden in die Vergangenheit führen. Dort findet sich dann eine Blockade, die genau zu diesem Zeitpunkt entstanden ist. Wird diese gelöst, steht dem Betreffenden in der Gegenwart wieder mehr Kraft, Energie, Leichtigkeit und auch Lebensfreude zur Verfügung.

In Zeiten des Übergangs sind Menschen besonders verletzlich

Meistens handelt es sich dabei um ein Ereignis, das unangenehm war – oder um ganze Lebensumstände, die nicht gerade unterstützend für den Betreffenden waren. Ich stelle immer wieder fest, dass es gerade die Übergänge in andere Lebenssituationen sind, die Menschen besonders verletzlich machen. Ich finde das auch verständlich. So ist eine Frau besonders vulnerabel dafür wie der künftige Vater ihres Kindes darauf reagiert wenn sie ihm sagt, das sie schwanger ist – unabhängig davon ob das Kind geplant war oder nicht. Auch der Übergang von der Schule in die Berufswelt ist so eine sensible Phase, genauso wie die erste Partnerschaft oder die Geburt des ersten Kindes. Immer dann wenn wir noch keine Erfahrung mit etwas haben, also zum ersten Mal unsere Kompetenz gefragt ist besteht ein höheres Maß an Verletzlichkeit als sonst.

Hier wird oft angesprochen was Ursprung in der Vergangenheit hat.
Hier wird oft angesprochen was Ursprung in der Vergangenheit hat.

Der Körper weiß genau wo es klemmt und was hilft

Meistens können sich die Patienten und Klienten an diese Verletzungen aus der Vergangenheit gut erinnern. Sie kommen jedoch nie im Traum darauf, dass diese etwas mit ihren Beschwerden zu tun haben könnten – sie bringen sie einfach nicht damit in Zusammenhang. Das Unterbewusstsein jedoch kennt diesen und bringt ihn zutage. Das Unterbewusstsein, die innere Weisheit weiß auch genau was hilft, damit sich eine Blockade lösen läßt. Und hierzu sind manchmal Details zu vergangenen Situationen wichtig. Es passiert gar nicht so selten, dass in einer spontanen Erinnerung oder durch einen Traum die fehlende Information auftaucht und dann in der folgenden Sitzung zur Verfügung steht. Einige erhalten die Informationen auch im Gespräch mit Verwandten – aber manchmal beleibt etwas eben unter einem Deckmantel verborgen. Kein Wunder wenn es sich um ein unangenehmes, mit Scham besetztes Thema handelt.

Wie soll ich nur an die Information kommen?

Manche stehen ratlos vor der Aufgabe, sich die Informationen zu besorgen. Von der Mutter gut gehütete Geheimnisse, die seit Jahrzehnten unter einem Deckmantel schlummern lassen sich nicht einfach nur durch „erzähl mal von der Zeit um meine Geburt“ hervorlocken. Das einzige, was helfen kann, die modrigen Schleier der Vergangenheit zu durchbrechen ist eine verbindende Geste. Vielen ist es schon gelungen durch die Einladung: „Komm, laß uns die Bilder in den alten Fotoalben ansehen.“ Hier sind dann keine als inquisitorisch empfundene Fragen notwendig. Tante, Onkel, Opa, Oma, Schwiegermutter, Schwiegervater und all  die angenehmen und unangenehmen Zeitgenossen sind meist auf den Bildern abgelichtet und sorgen ganz automatisch für Gesprächsstoff. Wer sich jetzt noch darauf versteht, das Bilder-Ansehen zu einem positiven Erlebnis zu machen und nicht die Erwartung hat, dass sich die erhoffte Information bereits beim ersten Mal zeigt, der hat meist schon gewonnen.

Wie ist es Ihnen gelungen, an verschüttete Informationen oder gut gehütete Geheimnisse zu gelangen?

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Bilder: Shivani Allgaier (cc)

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