Echte Kreativität entsteht dann,
wenn die Ressourcen des Unbewussten
ins Spiel kommen.

(Harry R. Moody)

Das erste Buch, das mich in meiner Kindheit faszinierte war ein Märchenbuch von den Gebrüdern Grimm. Ich liebte es, darin zu lesen und versank förmlich in den Heldengeschichten. Danach fand ich in der Bibliothek das Buch mit den Geschichten aus 1001 Nacht. Mich faszinierte, wie die Heldin Scheherazade ihr Leben rettete indem sie immer noch eine Geschichte zu erzählen begann und darauf bestand, dass ihr das Ende der Geschichte erst am folgenden Tag einfallen würde.

Was bringt die einen dazu, dass sie was ändern und was hält die anderen davon ab?

Wenn man einen Frosch in ein Gefäß mit heißem Wasser wirft, dann springt die grüne Kreatur ganz schnell wieder heraus. Ein paar wenige kleine Verbrühungen hat er sich sicher zugezogen, aber die sind bald verheilt und vergessen… und er lebt fröhlich weiter! Wenn man jedoch einen Frosch in ein Gefäß mit kaltem Wasser steckt und dann anschließend das Wasser ganz langsam erhitzt, bleibt der Frosch darin sitzen. Er bleibt sitzen und sitzen und sitzen bis er in dem heißen, kochenden Wasser kläglich ums Leben kommt! Und so wie diesem grünen Gesellen, so geht es vielen Menschen: Sie leben ihr Leben so, dass es ihnen langsam, aber sicher immer schlechter geht. Sie schaffen es nicht, dieses Leben zu verändern, also aus dem unangenehmen Gefäß zu springen. Ja, durch die Verschlechterung, die langsam geht merken viele Menschen oft gar nicht, dass sich ihre Lebensqualität immer mehr zum Negativen wendet.

Viele schreiben es ihrer eigenen Fähigkeit oder im schlimmeren Falls ihrer Unfähigkeit zu wenn Sie es nicht schaffen, eine Veränderung einzuleiten. Die Geschichte zeigt, dass es zwar wichtig ist, zu reagieren – dass die Ursache aber durchaus in der Situation begründet sein kann.

Identifikation mit dem Protagonisten

Wer es versteht, sich vom Autor in eine Geschichte hineinziehen zu lassen, der erlebt sie hautnah mit. Und seit der modernen Gehirnforschung können wir auch erklären was das bewirken kann. Sofern wir von der Geschichte fasziniert sind – und nur dann – kann es die Strukturen in unserem Gehirn verändern – wir lernen! Der Lerneffekt ist zwar bei eigenem Erleben etwas höher als wenn ich „nur“ eine Geschichte höre. Aber der Effekt ist vorhanden. Und der Lern-Effekt ist größer als wenn ich die Geschichte „nur“ lesen würde.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Bild: Sulamith.Sallman

So wie jede Sprache eine Grammatik hat so besitzen auch Geschichten eine Grammatik – nämlich die Moral von der Geschichte. Und so wie ich eine Grammatikregel auf alle möglichen Wörter anwenden kann, ist es möglich diese Moral auf mehrere Lebensbereiche anzuwenden. Und auch umzulernen. Eine Geschichte hat sogar die Kraft, dass ich alte, schädliche Regeln verlerne und  neue, konstruktive erlerne. Viele deuten das als die „Macht des Unbewussten“. Dabei handelt es sich einfach um einen Lernprozess, der zwar stattfindet aber so explizit nicht benannt werden braucht. Wie mit der Grammatik der Muttersprache eben. Die Regeln wenden wir täglich an – können sie aber (außer wir haben sie später gelernt) nicht benennen.

Comedy und Satire machen auch Geschichte

Zu Hofe war es der Narr, der dem König die Wahrheit sagen durfte ohne seinen Kopf zu verlieren. Auch heute gibt es noch Flecken auf dieser Erde. wo jemand für die Wahrheit durchaus seinen Kopf riskiert. In unseren Gefilden gilt das zum Glück nicht mehr heutzutage. Aber dennoch wird die Wahrheit oft verpackt mit einer Prise Humor, dann nimmt sich etwas Unangenehmes leichter. So wie eine bittere Medizin auf dem Stück Würfelzucker. Was mir sehr gut gefällt sind die Fusel Anleihen, von denen der Komiker Chin Meyer bei Markus Lenz erzählte.

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Eine Metapher wie unser Finanz-System funktioniert. Eine bittere Wahrheit hört sich besser mit einer Prise Humor.

Metaphern in der Hypnosetherapie

Zuerst war ich erstaunt: Was sollen denn Metaphern und Geschichten in der Hypnosetherapie? Irgendwann im Laufe der Ausbildung habe ich die Geschichten lieben gelernt. Vor allem Dirk Revenstorf war ein Meister darin, eine Geschichte in eine andere hineinzuverpacken und noch eine wie einen Mantel drumherum zu legen. Die Spannung, die dadurch entsteht ist fast magisch. Ich empfinde es nach wie vor als hohe Kunst, die richtigen Metaphern auszuwählen, die jemandem helfen, eine eingefahrene unbewusst gelernte Regel zu verändern. Und es funktioniert – zum Glück!

Welche Geschichten, Metaphern und Märchen lieben sie? Schreiben Sie einen Kommentar!

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Bilder: pitopia, Sulamith Sallman

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