Wenn einer keine Angst hat
hat er keine Phantasie
(Erich Kästner) 

Wenn jemand zu mir kommt, der unter Angst leidet ist eines klar: Die soll weg! Ohne meine Unterstützung ist das bisher nicht gelungen. Es ist auch leicht erklärbar warum: Im Zustand der Angst lernt unser Gehirn nicht. Das ist der erste Grund. Der zweite Grund ist, dass die Angst ja eine Botschaft hat. Ein unangenehmes Gefühl ist immer ein Signal, dass etwas nicht stimmt. Nur was stimmt nicht, wenn jemand Angst hat? Als Einleitung erstmal Prof. Dr. Gerald Hüther.

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Der alte Fluchtreflex wird aktiviert

Wenn wir bei den Neandertalern leben würden wäre es klar, was eine Angst bedeutet wenn ich einen Bären sehe. Sie hat eine Schutz-Funktion. Angst heisst: Lauf weg, lauf um Dein Leben. Heute sind aber die Bären selten geworden – was hilft mir jetzt dieses Wissen?

Ausflug in die Kommunikation

Wenn Sie sich mit Kommunikation beschäftigen erhalten Sie sicherlich irgendwann den Tipp, dass Sie positiv kommunizieren sollen. Positives Denken? Ich kann doch nicht ständig denken, dass es mir gut geht? Brauchen Sie auch nicht! Aber Sie können alles entweder positiv oder negativ formulieren. Gut, kenn ich schon, das ist das mit dem Glas, das entweder halb leer oder halb voll ist. Wenn Sie das auch schon kennen, wenden Sie das ruhig an – es hilft auch. Aber ich meine etwas anderes. Wenn mir jemand sagt: „Ich will keine Angst mehr haben.“ und ich sage, er soll mir seine Bitte positiv formulieren, dann wissen viele nicht wie ich das meine. Wenn mir aber jemand sagt: „Ich will nicht nach Paris fahren.“ und ich ihn bitte mir sein Ziel zu verraten, dann kann jeder etwas damit anfangen. Das Ziel zu formulieren ist in diesem Fall die positive Formulierung von dem Satz. „Ich fahre nach Venedig.“ Dann wissen Sie auch wo es hingeht – nur zu wissen, dass es nicht nach Paris geht – damit hat noch keiner Klarheit.

Die Botschaft der Angst entschlüsseln: Sicherheit fehlt!

Gibt Sicherheit: Das Glas über den Krabbelbeinen
Gibt Sicherheit: Das Glas über den Krabbelbeinen

Bei der Angst sind wir jetzt aber noch nicht weiter. Wenn mir jemand sagt, dass die Angst weg soll, dann weiß ich selber auch nur eines: Der Mensch braucht Sicherheit! Wie diese konkret jeweils aussieht – das ist ganz individuell. Dem einen fehlt eine Information, dem anderen Zuspruch von anderen, wieder ein anderer jemanden Vertrauten oder Zeit zum Üben. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen. Verwirrend ist auch oft, dass diese Gefühle durchaus aus der Vergangenheit kommen können. Es scheint so, dass unbewältigte Gefühle uns solange darauf aufmerksam machen, dass es da noch ein unerledigtes Geschäft ist – bis diese bewältigt sind.  Für eine erwachsene Frau, die sich so inkompetent fühlt wie ein Kind kann das schon ganz schön belastend sein. Und gleichzeitig kann alleine diese Information eine Erleichterung bringen – zu wissen, es ist ganz normal wie ich mich fühle – und es kann sich auch noch ändern.

Wer Angst hat kann sein Gehirn nicht optimal nutzen

Unter Angst sind wir nur auf eines fokussiert: Sicherheit zu finden. Oft rennen wir jedoch vor der Angst weg als auf die Sicherheit zu zu rennen. Und unser Gehirn kann keine Lösungen mehr finden für Probleme, die Kreativität geht verloren. Handlungsleitende Muster werden nicht mehr gefunden, die Empathie geht verloren, sie soziale Kompetenz ist nicht mehr möglich und Lernen findet nicht mehr statt. Wir haben Konzentrationsschwierigkeiten. Alte Muster werden aktiv – wir verhalten uns wie früher in der Kindheit oder schalten auf Angriff, Flucht oder Erstarrung. Nur über Vertrauen ist das wieder rückgängig zu machen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und Vertrauen in eine soziale Gemeinschaft.

Was ist normale Angst und was ist eine Angsterkrankung?

Grundsätzlich ist eine gewisse Variabilität unter den Menschen durchaus normal – es gibt ängstlichere und weniger ängstlichere – oder mehr oder weniger Selbstsichere, um es positiv zu formulieren. Ein gewisses Maß an Ängstlichkeit kann also normal sein. Und wann geht es dann in Richtung Erkrankung? Erstmal eine Übersicht über die Angsterkrankungen. Für Sie reicht es zu wissen, dass das Hauptsymptom jeder Angsterkrankung die Vermeidung ist. Und wenn das Vermeidungsverhalten so ein Ausmaß annimmt, dass Sie Ihren Alltag nicht mehr bewältigen können, dann wird es Zeit, dass Sie sich nach einem Therapieplatz umsehen. Auf den Seiten meines Kollegen Richard L. Fellner  können Sie in einem kostenlosen Selbsttest Angst- und Panikstörung testen ob Ihre Symptome so ausgeprägt sind, dass es besser ist, wenn Sie sich an einen Therapeuten wenden.

Und wie sieht diese Vermeidung konkret aus?

Ihre Angst vor Spritzen ist so groß, dass Sie Ausreden erfinden, warum Sie nicht zum Arzt gehen können. Sie gehen drei Mal zur Toilette bevor Sie das Haus verlassen aus Angst es sonst nicht rechtzeitig dorthin zu schaffen wenn Sie unterwegs sind. Sie gehen gar nicht mehr aus dem Haus, weil Sie Angst haben umzufallen. Sie vermeiden Konflikte weil Sie Angst haben, jemanden zu verletzen. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Denn: Angst ist behandelbar. Oder positiv ausgedrückt: Sicherheit ist trainierbar!

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