Wenn zu mir jemand in die Praxis kommt mit dem Wunsch der Schmerzreduktion ist für mich eines wichtig: Es muss von einem Arzt abgeklärt sein, dass es keine aktuelle körperliche Ursache für den Schmerz gibt. Erst dann beginne ich damit, den Menschen darin zu unterstützen, seine Schmerzen zu reduzieren oder gar ganz auflösen. Dabei arbeite ich mit Hypnosetherapie.

Schmerz und Hirnforschung

Mein Ansatz dahinter ist einfach. Schon der Begründer der Psychoanalyse Siegmund Freud beobachtete, dass unbewältigte Erfahrungen sich in körperlichen Beschwerden niederschlagen können. Er hatte seine eigene Theorie wie dies von statten geht und nannte diesen Abwehrmechanismus Konversion. Von den Verhaltenspsychologen wurde er oft belächelt, da seine Annahmen reine Theorie waren und nicht mit harten Daten untermauert war. Die moderne Hirnforschung liefert heute Beweise, dass er so schlecht gar nicht lag. Freilich liefern die Forschungsergebnisse nicht den Beweis, dass seine Theorie richtig ist. Vielmehr kann die moderne Hirnforschung zeigen, dass emotionaler Schmerz (wie zum Beispiel auch Eifersucht) im selben Zentrum im Gehirn verarbeitet wird wie körperlicher Schmerz.

Die Signales des Körpers verstehen lernen.

Die meisten Menschen, die zu mir kommen weil sie unter Schmerzen leiden verstehen nicht, was ihr Körper ihnen durch den Schmerz sagen möchte. In einer anderen Situation wäre dies einfacher. Wenn dieselbe Person ihre Hand auf die Herdplatte legte wäre offensichtlich, dass der Schmerzreiz eine Schutzfunktion auslösen soll – nämlich, dass die Hand in Sekundenbruchteilen zurückgezogen wird, um Verbrennungen zu vermeiden.

Hier sehen Sie wie die Schmerzleitung funktioniert. Ich behaupte jetzt einfach, dass der Mechanismus bei seelischen Schmerzen genau gleich ist wie bei körperlichem Schmerz. Nur hier haben wir die Möglichkeit, uns den seelischen Schmerz auszureden, ihn herunterzuspielen oder auf alle erdenklichen Weisen umzuinterpretieren. Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass dieser Schmerz vorhanden ist. Vergeht dann noch ein wenig Zeit, sind wir nicht mehr in der Lage das auslösende Ereignis mit dem Schmerz in Beziehung zu setzen. Das Gehirn verarbeitet ihn und mit der Zeit zeigt er sich körperlich. Wir haben körperliche Schmerzen. Dieser Zusammenhang wird nicht gleich klar, weil oft die Ursache in der Vergangenheit liegt.

Den Schmerz auflösen.

Die gute Nachricht dabei ist, dass sich dieses Prinzip auch umkehren läßt: Löst sich der seelische Schmerz, reduzieren sich oder verschwinden auch die körperlichen Beschwerden. Aber zunächst noch mehr dazu: Schmerz ist subjektiv und es ist nicht möglich, ihn von außen zu messen. Er wird auch von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich empfunden. Was aber allen gemeinsam ist: Schmerz ist ein Notsignal, das den Organismus schützen soll. Laß das, es tut weh! Wenn jemand auf dieses Signal bei seelischem Schmerz nicht reagieren kann steckt meistens ein Konflikt dahinter. Denn der Schmerz wird in den überwiegenden Fällen von nahestehenden Menschen zugefügt. Manchmal absichtlich – dann fällt es leichter sich zu wehren. Meistens jedoch unabsichtlich – und die Betroffenen stehen vor der unlösbaren Aufgabe, den Schmerz loswerden zu wollen, aber den nahestehenden Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen. Oft stammt der Konflikt auch aus der Kindheit, aus einer Zeit als der Betroffene sich selber noch nicht schützen konnte und den Schutz von den Eltern nicht bekommen hat. Oft resultieret Schmerz auch aus traumatischen Erfahrungen und hilfreich ist Traumatherapie. Genauso wie eine Beziehung Schmerz zufügen kann ist es auch möglich, dass eine gute Beziehung hilft Schmerz zu reduzieren oder ganz zu bewältigen.

Der Schmerz läßt nach.

Es scheint, als ob das Gehirn solange in einer Schleife den ungelösten Konflikt immer wieder durchspielt bis er gelöst ist. Als Beispiel möchte ich von einer Frau schreiben, die Schmerzen empfindet beim Geschlechtsverkehr. Hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es unangenehme Erlebnisse gab aus der Vergangenheit, die ungelöst sind. Das kann ein körperlicher Missbrauch sein – muß aber nicht. Es reicht, wenn sie als Kind einen Vertrauensmissbrauch erlebte – es gibt irgendein Erlebnis in der Vergangenheit, bei dem ihr als kleines Mädchen seelischer Schmerz zugefügt wurde. Dieses Ereignis – das kann auch eine Enttäuschung durch den Vater sein – erzeugt eine emotionale Blockade und bevor die nicht gelöst ist bleibt der Schmerz.

Ein anderes Beispiel wäre eine Projektleiterin, die seit Jahren unter Schmerzen in der Schulter leidet. Gleichzeitig mit Schmerzbeginn hat sie ein Projekt übernommen, das ihr eigentlich zu viel ist, weil sie sich thematisch damit gar nicht ganz auskennt und noch immer dabei ist, sich einzuarbeiten. Sie fühlt sich überfordert und hat Sorge, ob sie der Verantwortung gerecht wird. Nach einem Gespräch mit ihrer Vorgesetzten, in dem ihr zugesichert wird, dass sie durch einen anderen Kollegen kollegiale Supervision erhält verschwinden ihre Schulterschmerzen – sie fühlt sich spürbar entlastet und hat jetzt die Einschätzung, der Aufgabe gewachsen zu sein.

Genauso ist meine Erfahrung in meiner täglichen Arbeit: löst sich der emotionale Schmerz aus der Vergangenheit, löst sich auch der körperliche Schmerz auf. Was für eine Erleichterung – der Schmerz  läßt nach!

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