Zum ersten Mal mache ich bei einer Blogparade mit, der Social Learning Blog Parade. Die genauen Hintergründe erfahren Sie bei Julian Grandke aus Konstanz und Cornelie Picht aus Nürnberg. Entstanden aus einer Interaktion bei Twitter und dann per Email interessieren sich die beiden dafür, wie Soziales Lernen in der Anwendung heute aussieht. Ich beantworte dazu einfach die Fragen, die die beiden stellen:

Was ist aus meiner Sicht Social Learning?

Ich bin ja nun Diplompsychologin und habe einiges über das Lernen gelernt. Aus der Kommunikations-Forschung weiß ich: Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren (P. Watzlawick, 1. Axiom) Und die moderne Hirnforschung lehrt uns: Der Mensch kann nicht nicht Lernen (Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer). Unser Gehirn ist darauf spezialisiert zu lernen und das Gelernte ständig zu wiederholen. Aus meiner Sicht ist es wichtig zu wissen, was die optimalen Bedingungen für erfolgreiches Lernen sind, um das Soziale Lernen zu verstehen. Das sind meines Erachtens genau drei Kennzeichen:

1. Körperliche Grundlage: Wie unser Gehirn lernt

Die Forschung zeigt: Je weniger Streß wir haben, desto besser lernen wir. Stressoren kann niemand ganz ausschließen, das heißt es geht darum, seine persönlichen Stressoren zu kennen, um adäquat darauf reagieren zu können. Am besten ist es, dies auch den anderen mitzuteilen, damit diese sich darauf einstellen können.

2. Mentale bzw. ethische Grundlage: Bereitschaft zum Teilen von Wissen

Im Computerzeitalter ist Wissen längst frei verfügbar im Netz. Als im Jahr 2004 mein Studium beendete stand die Forschung erst am Anfang was das Thema „Teilen von Wissen“ betrifft. Damals hielt ich es nicht für möglich, dass Menschen einfach so bereit sind, ihr Wissen zu teilen. Heute ist es schon gelebte Realität. Noch nicht 100 %, aber wir sind ja noch beim Lernen. Da hilft es nichts, wenn einzelne noch zurückhaltend sind und denken, sie könnten es verkaufen. An anderer Stelle gibt es das längst umsonst. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der potenzielle Käufer die kostenlose Quelle entdeckt und schwups ist die Kundschaft weg. Was verkauft werden kann ist die Dienstleistung – also das Können. Und ich habe mich sehr gewundert, dass gerade die IT-Branche mit ihren open source Anwendungen uns vormachte wie es geht. Dieser Branche wurde bis dato ja eine mangelnde Soziale Kompetenz nachgesagt. Und genau diese Branche zeigt uns wie es geht und beweist der Welt das Gegenteil. Das hat mich beeindruckt.

3. Interaktive Grundlage: Die Beziehung zum anderen

Auch das wissen wir aus der Kommunikations-Forschung: Der Inhalt, den wir transportieren kommt an auf der Grundlage wie gut die Beziehung zum anderen ist. Doch was ist das, diese ominöse Beziehung? Woraus besteht sie? Und vor allem woraus besteht sie, wenn ich im Netz kommuniziere? Es ist das Vertrauen, das ich zum anderen habe (die Nähe, die ich aufgrund dessen zulasse) und die Hierarchie, die zwischen uns besteht (bestenfalls Augenhöhe). Je sympathischer unser Gegenüber ist, von dem wir lernen, desto besser lernen wir. Spätestens seit der Entdeckung der Spiegelneurone dürfte klar sein, dass Lernen kein isoliertes Geschehen darstellt, sondern vielmehr interaktiv stattfindet. Wertschätzung, Empathie, Autentizität und Transparenz sind hier die Zauberworte. Meine Prognose lautet also: Die Erfolgreichen im Netz werden die sein, die eine hohe Soziale Kompetenz besitzen und für die Gesamtheit nützlich sind!

Welche Tools und Methoden haben mich begeistert?

Es sind weniger Tools, die mich hier begeistern, sondern vielmehr Menschen, die eine gewisse Grundhaltung mir gegenüber zeigen. Diese ermöglicht mir, einen schnellen und nachhaltigen Lernerfolg zu erreichen. Diese Haltung ist geprägt von Offenheit, Wertschätzung, Empathie und Authentizität. Aus meiner Sicht sind die Tools selber eher ein Ergebnis des Social Learning. Diese werden ja ständig weiter entwickelt.

Wie sieht meine ideale persönliche Lernumgebung aus?

Meine Umgebung muss ästhetisch sein und ruhig. Störquellen tun mir beim Lernen gar nicht gut. Ich bin eher introvertiert und brauche Pausen und Rückzug zum Aufladen meiner Batterien. Dann brauche ich Menschen, mit denen ich mich austauschen kann und die mir ehrlich ihre Meinung sagen. Von den Tools nütze ich Webseite, Blog und Twitter. In den sozialen Netzwerken (Google+ oder facebook) bin ich geschäftlich noch nicht so viel unterwegs.

Wie weit ist ein Mentalitätswandel hin zu kooperativem Lernen im Netz schon verwirklicht?

Im Netz beobachte ich immer mehr, dass Menschen mit ihrem echten Namen auftreten, das gehört für mich zur Grundlage, Transparenz ist wichtig. Eine tragfähige Beziehung – auch im Netz – kann ich nur durch Transparenz aufbauen. Menschen sind in einem ganz hohen Maß bereit, ihr Wissen kostenlos mit anderen zu teilen. Gleichzeitig werden die Tools des Web 2.0 von immer mehr Menschen angewendet und auch verstanden. Für mich selber war zum Beispiel ein Blog bisher einfach nur ein Tagebuch, in dem ich Artikel veröffentlichte. Mir war nicht klar, was für ein mächtiges Kommunikations-Instrument es darstellt, mich damit auch mit anderen zu vernetzen.

Wie könnte/sollte sich Social Learning in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich beobachte eine ganz große Offenheit und so gehe ich davon aus, dass die gegenseitige Unterstützung noch mehr zunehmen wird. Jemand hat eine Frage, ein Problem – stellt sie ins Netz – und dort schlagen andere eine Lösung vor. Aus meiner Sicht wird es eine bedürfnisorientierte bzw. interessenorientierte Bildung von sozialen Gemeinschaften geben. Denn auch das soziale Lernen muss sich ja am Menschen orientieren. Das Internet verbindet. Und was uns Menschen verbindet, was allen gemeinsam ist, sind Bedürfnisse. Wie das konkret in der Zukunft aussehen wird, davon habe ich noch keine Vorstellung.

Die Blogparade läuft bis zum 27.10.2011

Was sind Ihre Erfahrungen zum Social Learning?

Ich freue mich Über Ihren Kommentar oder wenn Sie diesen Artikel weiterempfehlen. Hier der Short-Link: http://tiny.cc/8vtu4

Ich möchte noch zwei Bücher empfehlen, die aus meiner Sicht mit dem Social Learning zu tun haben:

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