Die Intelligenzleistung von Kinder verändert sich über die Entwicklung hinweg. Darüber gibt es Forschung seit Anbeginn der Psychologie. Der Schweizer Jean Piaget hat dies in seinen Stufen der Entwicklung festgehalten. Zunächst ist die Intelligenzleistung stark an die Motorik und Sensorik gebunden – er nennt dies die Stufe der Sensomotorischen Intelligenz. Ein wichtiger Meilenstein in dieser Stufe ist die Objektpermanenz: Das Kind sucht nach einem Gegenstand wenn dieser aus dem Gesichtsfeld verschwindet. Im Alter zwischen dem zweiten bis sechsten Lebensjahr befindet sich das Kind in der Präoperationalen Phase. Diese ist gekennzeichnet von Egozentrismus. Das heißt, das Kind kann sich nicht in die Lage eines anderen versetzen, es selber ist Mittelpunkt seiner Welt.  Aus der Sicht der Erwachsenen machen die Kinder sehr viele logische Fehler. Aus Sicht der Kinder ist es einfach nur wichtig, eindeutig zu sein, weil Kinder in dieser Phase nicht verschiedene sich widersprechende Faktoren miteinander in Einklang bringen können. Vom siebten bis 11. Lebensjahr folgt die Phase der Konkretoperationalen Intelligenz. Hier können Kinder logische Denkleistungen vollbringen, wenn sie ein konkretes Objekt haben, an dem sie es sich sichtbar verdeutlichen können, z.B. Rechnen mit den Fingern oder mit Hilfe von Klötzchen.  Ab dem Formaloperationalen Stadium (12. LJ) schließlich beginnen Kinder damit,  abstrakt zu denken.

Was bedeutet diese sich verändernde Fähigkeit jetzt für die menschliche Kommunikation? In den 50er Jahren entdeckte Gregory Beatson das Phänomen der Paradoxen Kommunikation. Das beschreibt die Tatsache, dass ein Mensch auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen sich widersprechende Botschaften sendet. Zum Beispiel sagt der Vater: „Du bist mir wichtig.“ Da er jedoch nie anwesend ist zeigt er durch sein Verhalten: „Du bist mir egal.“ Ein Kind von 12 Jahren kann verstehen, dass es dem Vater wichtig ist, obwohl er nicht viel körperlich anwesend ist. Für ein jüngeres Kind jedoch bedeutet dies ein Paradoxon, das in seiner Wirklichkeit nicht lösbar ist.  Die Lösung wäre, wenn der Vater sagte: „Du bist mir nicht wichtig.“ Das wäre eindeutige Kommunikation. Dann könnte das Kind traurig sein und würde nicht wie hypnotisiert mit dem Blick von einer zur anderen Botschaft wechseln ohne zu wissen was denn jetzt richtig ist. Das führt dazu, dass die Kinder dann keinen Zugang zu ihren Gefühlen bekommen, weil sie so weit eben gar nicht vordringen, sondern in der Dechiffrierung der Botschaft festhängen bleiben – ähnlich einem Trance-Zustand. Deshalb könnte ich jetzt behaupten, dass Kinder bis zum Alter von 7 Jahrne durch uneindeutige Kommunikation in einen Trance-Zustand versetzt werden. Die Folge ist eine tiefe Unzufriedenheit und das Gefühl, einsam zu sein – und das obwohl offensichtlich Menschen um einen sind. Das stärkt nicht gerade das Selbstvertrauen. Wenn ein Kind diesem Kommunikationsmuster öfters ausgesetzt ist kann dies sogar in Krankheiten resultieren. Am schlimmsten ist es, wenn dadurch elementare Grundbedürfnisse frustriert werden.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann empfehle ich Ihnen, sich jemanden zu suchen, der Sie aus dieser Trance wieder herausholt. Jemand, der Ihnen hilft, die automatische Reaktion von Angst und Verunsicherung zu unterbrechen, wenn Sie uneindeutige Botschaften erhalten. Jemand, der Ihnen hilft, dass durch eindeutige Kommunikation der Zugang zu Ihren Gefühlen gelingt. Jemand der Ihnen zeigt, wie Sie das Gefühl der Einsamkeit überwinden können. Und zuguterletzt Ihnen zeigt, dass nicht Sie der zerstörende Faktor in Ihrem Leben sind, sondern Kommunikationsmuster, mit denen Sie nie gelernt haben adäquat umzugehen.

Christiane und Alexander Sautter schrieben ein Buch über ihre Erfahrungen mit Menschen, die seit ihrer Kindheit dem Doublebind Kommunikationsmuster konfrontiert waren. Der Titel: Wege aus der Zwickmühle. Gleich zwei Radiosender haben diesem Phänomen eine Sendung gewidmet: Hier geht es zur Seite des HR und hier zur Seite des SWR2. Beide Sender haben die Autoren interviewt und sind im Podcast nachzuhören.

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