Das Reizdarm-Syndrom wird von psychischen Faktoren und Stress beeinflusst. Das Singen im Chor entspannt und kann so Reizdarmbeschwerden lindern. Auch physiologisch verändert das Singen messbar etwas.

Wer unter Reizdarmbeschwerden leidet, sollt es mal mit dem Singen in einem Chor versuchen. Schwedische Forscher konnten zeigen, dass diese Freizeitaktivität entspannt, Freude bereitet und auch die Ausschüttung des Kuschelhormons Oxytocin erhöht. Und der mit dem Reizdarmsyndrom verbundene Schmerz ließ sich in einer Pilotstudie durch das musikalische Gruppenerlebnis über ein Jahr signifikant bessern (1). Die Patienten waren über Zeitungsannoncen akquiriert und randomisiert einem neuen Chor oder einer Intervention mit regelmäßigen Gruppendiskussionen zugeführt worden. Der Chor traf sich ein Jahr lang einmal wöchentlich für 1,5 Stunden unter Leitung eines Musikpädagogen, die Kontrollgruppe traf sich ebenfalls im ersten Halbjahr wöchentlich, danach nur noch 3 mal pro Monat unter Leitung eines Selbsthilfegruppenvertreters. Alle Patienten erhielten zusätzlich schriftliches Informationsmaterial zum Reizdarmsyndrom. Die weiteren Untersuchungen zeigten, dass nicht nur Reizdarmsymptome durch das Singen in der Gruppe verbessert werden können. Das Singen im Chor kann im Vergleich zu einer Gruppenschulung mit Diskussion auch anabole und regenerative Prozesse fördern (2). Denn wiederholter Stress kann die Regernation hemmen, was sich in einer Verringerung der Testosteronspiegel nicht nur im Blut, sondern auch im Speichel ablesen lässt. In der Gesangsgruppe stieg nach der aktuellen Auswertung der Pilotstudie der tagsüber ermittelte Testosteronspiegel im Speichel bei den Chormitgliedern im ersten halben Jahr signifikant an, in der Kontrollgruppe aber nicht. Dabei gab es zwar naturgemäß Unterschiede in der absoluten Konzentration bei Männern und Frauen, der Trend war aber in beiden Geschlechtern ähnlich. Wünschenswert wären nun größere Studien zum Benefit des Gruppensingens beim Reizdarmsyndrom oder auch anderen mit Stress assoziierten Beschwerden.

10.4.2010 10:30 Autor: Friederike Klein (München) Quelle: Springer Medizin Originalstudie: (1) Grape C et al. Choir singing and fibrinogen, VEGF, cholecystokinin and motilin in IBS patients. Med Hypotheses. 2009; 72: 223-5. (2) Grape C et al. Comparison between choir singing and group discussion in irritable bowel syndrome patients over one year: Saliva testosterone increases in new choir singers. Psychother Psychosom. 2010; 79: 196-198. 

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