Dr. Ulrich Bauhofer, ayurvedischer Arzt,  Auszug aus seinem Vortrag »Gesundheit, Selbsterkenntnis und Lebenskunst – eine untrennbare Beziehung « (Paderborner Podium)

„Wir empfinden unseren Körper als ein statisches Gebilde. Doch das ist eine Sinnestäuschung. Der Körper besteht aus 100.000 Milliarden Zellen, 15.000 mal mehr als Menschen auf der Erde leben. Aus einer einzigen dieser Zellen hat sich der Organismus innerhalb von neun Monaten herausdifferenziert. Schritt für Schritt, mit perfekter Präzision ist Glied für Glied, Organ für Organ gewachsen. Zum Beispiel verfügt unser Nervensystem am Ende seiner Entwicklung über tausend Milliarden hochspezialisierter Zellen, sogenannter Neuronen. In den Streitkräften unseres Immunsystems kämpfen über 100 Milliarden Lymphozyten sowie 100 Trillionen Antikörper. Ein wahres Kunstwerk. Geschaffen vom Leben.
Die zelluläre Dynamik in unserem Organismus entzieht sich unserer Vorstellungskraft. Ohne Rast verändert sich diese unüberschaubare biologische Gesellschaft. Etwa sieben Millionen Zellen produziert der Körper jede einzelne Sekunde neu, am Tag etwa 600 Milliarden.
Doch noch viel flüchtiger sind die 10 hoch 28 Atome, aus denen unsere Zellen gemacht sind. Sie kommen und gehen und schaffen unser Fleisch und Blut immer wieder neu: fast alle 24 Stunden eine neue Bauchspeicheldrüse, alle drei Tage eine neue Magen-Darm-Schleimhaut, alle sechs Wochen eine neue Leber, jeden Monat eine neue Haut, alle paar Monate ein brandneues Skelettsystem. In jeder Sekunde führt der Körper etwa 10 hoch 25 chemische Operationen durch – eine 1 mit 25 Nullen. 98 Prozent der Atome, die unseren Körper bilden, werden jedes Jahr ersetzt. Alle vier Jahre haben wir aus atomarer Sicht einen völlig neuen Körper.
Lautlos und ohne Anstrengung wird dieser fesselnde Biotanz auf der Bühne des menschlichen Organismus aufgeführt, und wenn wir ihn voll andächtiger Bewunderung betrachten, wollen wir wissen, wer ihn dirigiert, wer der Choreograph oder wer der Regisseur ist. Welche Instanz steuert all diese Prozesse? Wo ist die Schaltzentrale?
Wer regiert den Körper?
Ein Biologe würde uns eine schnelle Antwort liefern. Es ist die DNA, die alles regelt, würde er sagen, die Desoxyribonukleinsäure, das Erbgut mit seinen sechs Milliarden Bausteinen und etwa 100.000 Genen. Unser genetisches Selbst ist die Kommandozentrale unserer Zellen und verbirgt sich tief in deren innersten Kern. Nun ist die DNA aber auch ein Stück Materie, ein hochkomplexes Molekül, aufgerollt in einer sogenannten Superhelix, einer gewundenen Leiter, und zusammengesetzt aus einer Unzahl von Atomen. Aus Forschungsstudien weiss man, dass auch die Atome der DNA ununterbrochen ausgetauscht werden. Unsere Erbsubstanz erneuert sich also im Hinblick auf ihre atomare Zusammensetzung alle paar Wochen.
Welcher Schluss ergibt sich daraus? Wenn sich die Materie der DNA dauernd ändert, kann sie nicht der Dirigent aller Wandlung in unserem Körper sein, denn was als oberste Instanz Veränderung kontrolliert, sollte selbst gleich bleiben.“

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