Anästhesien in den ersten Lebensjahren bergen ein deutliches Risiko für spätere Lernstörungen. Der Effekt ist aber erst bei mehreren Narkosen nachweisbar.

In jungen Tieren verursachen Narkosemittel neurohistopathologische und Verhaltensänderungen im weiteren Entwicklungsverlauf. Um die Auswirkungen von Narkosen in den ersten Lebensjahren bei Kindern zu untersuchen, analysierten Anästhesiologen der Mayo Clinic in den USA retrospektiv Daten aus einer populationsbasierten Geburtskohortenstudie.

Von den erfassten 5357 Kindern benötigten vor Abschluss des vierten Lebensjahres 593 eine Vollnarkose, davon 100 Kinder zwei und 44 sogar drei oder mehr Allgemeinanästhesien. Als Narkotika kamen vor allem das heute nicht mehr so gebräuchliche Halothan (88%) und Lachgas (91%) zum Einsatz, 9% der Vollnarkosen umfassten auch Ketamin. Beeinträchtigungen beim Lesen, Schreiben und Rechnen traten bei Kindern mit einer Vollnarkose in den ersten Lebensjahren genauso häufig auf wie bei Kindern ohne eine solche Anästhesie. Bei Kindern mit zwei Vollnarkosen vor dem vierten Geburtstag machten die Autoren aber eine signifikante Risikoerhöhung für Lernschwächen um 59% aus, bei drei und mehr Narkosen lag das Risiko sogar um das 2,6-Fache höher als bei Kindern, bei denen in den ersten Lebensjahren keine Vollnarkose nötig gewesen war. Dabei ließ sich auch ein dosisabhängiger Effekt feststellen: Das Risiko für Lese-, Schreib oder Rechenschwäche stieg mit der kumulativen Dauer der Vollnarkosen an. Über die Ursache der beobachteten Lernschwächen – ob anästhesiebedingt oder aufgrund der die Eingriffe nötig machenden Grunderkrankungen – lässt die Studie aber keine Aussagen zu.

 

Quelle: Wilder RT et al. Early Exposure to Anesthesia and Learning Disabilities in a Population-based Birth Cohort. Anesthesiology 2009; 110:796–804

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