Archiv für ‘Streß’

30. April 2012

Histaminintoleranz – die Symptome werden oft auf die Psyche geschoben!

Es kann die Ursache für vielfältige Symptome und Beschwerden sein: Eine Überempfindlichkeit oder Überlastung mit dem Stoff Histamin. Auf den ersten Blick scheinen diese nichts miteinander zu tun zu haben. Aus dem “Muster” kann jemand, der Erfahrung hat jedoch oft schon eine Verdachtsdiagnose der Histamin-Intoleranz stellen.

Leider oft jahrelang nicht oder falsch diagnostiziert.

Erst seit Mitte der 90er Jahre ist das Krankheitsbild der Histamin-Intoleranz in der Medizin in seiner Bedeutung bekannt. Leider ist das Wissen darüber heute immer noch bei viel zu wenigen Ärzten angekommen. Das führt immer noch viel zu häufig dazu, dass die damit zusammenhängenden Beschwerden als psychosomatisch eingestuft und deswegen nicht richtig behandelt werden können. Das reicht von jahrelang unerkannt gebliebenen allergischen Reaktionen und immer tiefgreifender Histamin-Reaktion bis hin zur fälschlichen Behandlung mit Psychopharmaka. Manche Patienten können ein Lied davon singen. Auch daran, dass die HI bisher noch keinen Einzug in das medizinische Diagnostik- und Klassifikationssystem (ICD10) gefunden hat ist zu erkennen, dass die Unverträglichkeitsreaktion bisher stiefmütterlich behandelt wird. Klassifiziert wird unter “T78.1, Sonstige Nahrungsmittelunverträglichkeit, anderenorts nicht klassifiziert”.

Histamin ist ein biogenes Amin, ein Abbaustoff aus Eiweiß in der Nahrung. Es wird zum einen über die Nahrung aufgenommen, aber auch vom eigenen Körper produziert. Histamin ist an vielen Körpervorgängen regelnd beteiligt. Verschiedene Körperzellen speichern es und geben es frei, wenn sie dazu gereizt werden. Anlässe, gespeichertes Histamin freizusetzen gibt es viele. Hier nur einige:

  • Reaktion auf eine Kontaktallergie (z.B. Tierhaare oder Pollen)
  • Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel
  • Nesselsucht als Reaktion auf Anstrengung, Kälte, Hitze
  • Reaktion auf Medikamente (z. B. Schmerzmittel, Schleimlöser, Rheumamedikamente, Herz- und Asthmamittel, Kontrastmittel)

Im Darm ist normalerweise ein Enzym dafür verantwortlich, dass eine übermäßige Aufnahme von Histamin in den Körper verhindert wird. Diaminooxidase (DAO) wird in der Darmschleimhaut bereitgestellt und baut das Histamin direkt im Dünndarm ab. Die Bildung des Enzyms kann von verschiedenen Faktoren behindert werden:

  • Die Darmschleimhaut kann geschädigt sein
  • Medikamente können die Synthese verhindern
  • genetische Ursachen (vererbte Form der Histaminabbauschwäche)

Der Körper bildet Histamin auch selber und zwar genau dann, wenn der Körper sich mit Stoffen auseinandersetzen muss, die er nicht verträgt. Das Beschwerdebild bei einer Histamin-Intoleranz (HI) kann vielfältig sein:

  • Migräne
  • laufende Nase, Asthma
  • Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck, Schwindel
  • Ödeme (Schwellungen der Finger und Augenlider)
  • Nesselsucht, Hautausschläge, Hautjucken
  • Magen-Darm-Beschwerden, Durchfälle
  • schmerzhafte Periodenblutung (Dysmenorrhoe)
  • Überaktivität, Unruhe
  • Konzentrationsstörungen und Depressivität
  • und viele weitere Symptome

Die Beschwerden können von Mensch zu Mensch anders auftreten. Ebenso können die Beschwerden sich bei einem Betroffenen über die Zeit hinweg verändern.

Wie findet nun die Diagnose statt?

Hier werden unterschiedliche Vorgehensweisen empfohlen. Zum einen kann die HI durch eine Ausschluss-Diät bestimmt werden. Zu Beginn werden nur Kartoffeln und Reis gegessen. Nach einigen Tagen kann bei Beschwerdefreiheit immer wieder ein Lebensmittel nach dem anderen dazu genommen werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Konzentration des Enzyms DAO im Blut zu bestimmen. Auch eine energetische Testung (Kinesiologie, Bioressonanz) kann sehr gute Auskunft geben. Außerdem sollte ganz dringend nach Ursachen gesucht werden, die zum Nachlassen der DAO-Bildung im Darm führen. Ausführliche Informationen darüber finden Sie auf der Homepage der SIGHI (Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz.

Behandlung der Unverträglichkeits-Reaktion

Wie wird nun die HI behandelt? Zum einen sollen histaminhaltige Nahrungsmittel und solche, die gespeichertes Histamin im Körper freisetzen, gemieden werden. Zum anderen gibt es histaminblockierende Medikamente (sogenannte Antihistaminika oder Antiallergika). Beides sind Maßnahmen, um kurzfristig die Reaktion zu unterbinden. Als langfristige Therapie ist es wichtig, die zugrundeliegende Störung im Darm zu behandeln. Hierzu ist es wichtig, dass Sie einen entsprechenden Arzt oder Heilpraktiker finden, der Sie darin unterstützt.

Welche Nahrungsmittel sollen gemieden werden?

Grundsätzlich gilt: je länger ein Lebensmittel gekocht, gegart, warm gehalten oder auch aufgewärmt wird, desto höher steigt der Histamin-Gehalt! Deshalb ist auch der Histamin-Gehalt von industriell bearbeiteten Lebensmitteln, lange gereiften oder lange gelagerten Lebensmitteln sehr hoch.

  • lange gereifeter Käse (Camambert, Emmentaler, Schimmerkäse, Parmesan)
  • geräuchertes, getrocknetes, mariniertes Fleisch (Salami, Selchfleisch, Fleischkonserven)
  • Früchte: Ananas, Orange, Kiwi, Erdbeere, überreife Bananen, Papaya, Zitrusfrüchte
  • Gemüse: Karotte, Sauerkraut, Spinat, Tomaten, Sojaprodukte
  • Alkohol: Rotwein, Bier, Liköre (weil sie lange gereift sind), darüber hinaus behindert Alkohol generell den Abbau von Histamin
  • Nüsse, Schokolade, Kakao, Nougat, Kaffee, Schwarztee, Grüntee, Roibosh-Tee
  • Hefe-haltige Nahrungsmittel, Sauerteige, Backferment
  • Medikamente (ASS, Aspirin, verschiedene Herzmittel, Kontrastmittel)
  • Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln, Glutamat, Hefeextrakt

Die Histaminintoleranz stellt die Betroffenen zu Beginn oft vor gewisse Probleme in der Umstellung mit der Nahrung. Jedoch haben sie in den meisten Fällen kein lebenslanges Problem. Zumindest dann wenn erschwerende Faktoren wie Störungen des Darmes konsequent erkannt und behandelt werden.

Welche Nahrungsmittel sind dann noch geeignet?

  • Gemüse: Kartoffeln, Blattsalat, Blumenkohl, Brokkoli, Chicoree, Feldsalat, Gurken, Knoblauch, Kürbis, Mangold, Radieschen, Rhabarber, Spargel, Zucchini, Zwiebel
  • Obst: Äpfel, Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen, Melonen, unreife Bananen, Stachelbeeren, Blaubeeren
  • Beilagen: Reis, Nudeln, Kartoffeln
  • Getreideprodukte, Eigelb, Milch, Buttermilch, Joghurt, Quark, Sahne, Frischkäse, Butter, sehr junge Käsesorten

Wenn Sie vor einer medizinischen Behandlung stehen (Zahnarzt, Operation, Untersuchung mit Kontrastmitteln) sollten Sie Ihren Untersucher bzw. Behandler von Ihrer Histamin-Intoleranz unterrichten.

Und wie ernähre ich mich dann?

Viele stehen erstmal vor einem schier unlösbaren Problem. “Wenn ich nicht mehr essen darf was ich gewohnt war – was esse ich dann? Und wie soll ich bitte damit noch etwas kochen?” Zum Glück können Betroffene auf sehr viel Erfahrung von anderen Betroffenen zurückgreifen. Zum einen ist als Informationsquelle sehr nützlich die Seite der Schweizerischen Interessengesellschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI), die wirklich sehr gut aufbereitet und sehr gehaltvoll ist. Zum anderen gibt es die Homepage mitohnekochen.com Dort gibt es jede Menge Rezepte für Betroffene von Intoleranzen – und zwar die gesamte Bandbreite, von der Histamin-Intoleranz über Gluten- bis hin zu Lactose-Intoleranz ist für jeden was dabei.  Der Clou an der Seite ist, dass die Rezepte über die Zutaten gefiltert werden können, die  nicht vertragen werden. Nützlich ist das vor allem, weil jeder ein etwas anderes Spektrum hat an Nahrungsmitteln, die er genau verträgt und die zu einer gewissen Schwelle von Histamin führen können. Die vielbeschriebene Rotationsdiät wird auf der Website von kochen.ohne.de beschrieben. Ein Rezept-Portal für Lebensmittel-Intoleranzen aller Arten. kochen-ohne.de - Rezept-Portal
Hier können sogar eigene Rezepte eingegeben werden. Und schließlich möchte ich nochmal auf meine Lieblings-Suppenküche aufmerksam machen: suups in Reutlingen. Hier gibt es Suppen, die glutenfrei oder lactosefrei sind und das Beste ist: Sie können die Suppen auch bestellen und hier gibt es noch einen kleinen Rabatt… Eine tolle Platform, auf der Sie sich auch über verschiedene Intoleranzen austauschen können ist NMI. Schließlich habe ich noch ganz pragmatische Ratschläge gefunden, die mitten aus dem Leben gegriffen sind: bei der Dinkelhexe!
mitohnekochen.com - Lust am Essen trotz Nahrungsunverträglichkeit!

Und was hat das nun alles mit der Psyche zu tun?

Nicht wenige der Betroffenen wurden vom Arzt bereits untersucht – ohne Ergebnis. Der naheliegende Schluß lautet dann ganz oft: das ist psychosomatisch. Einige haben deswegen bereits eine wahre Odyssee hinter sich – ohne Erfolg. Erst die Diagnose der HI bringt Klarheit und Erleichterung. Jedoch ist meine Erfahrung auch, dass die Histamin-Ausschüttung durchaus durch psychische Faktoren beeinflusst wird. So kann beispielsweise die Reaktion auf Kälte, die bei einem bestimmten Ereignis in der Vergangenheit gelernt wurde und in der Gegenwart immer wieder Quaddeln auf der Haut hervorbringen sobald es an die Kälte geht, sehr gut behandelt werden. Es erfolgt quasi eine Gegenkonditionierung der vom Organismus gelernten Verknüpfung von Kälte und automatischer Histamin-Ausschüttung. Bei richtiger Behandlung kann aus meiner Erfahrung auch das Einbeziehen der Psyche durchaus Erleichterung bringen!

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18. März 2012

Buchrezension: codes – Die geheime Sprache der Produkte

Das menschliche Gehirn ist bestens dazu geeignet,
mehr als eine Sprache gleichzeitig zu sprechen.”
(Prof. Dr. Petra Schulz)

Schon als Kind faszinierten mich Geheimsprachen. Ich dachte mir immer noch kompliziertere Codes aus, die andere entziffern sollten. Ich lernte das Morse-Alphabet und litt ziemlich darunter, dass ich niemanden hatte, der bereit war, es mir gleich zu tun. Keiner wollte das auch lernen, damit wir uns verständigen konnten.

Sprachen lernen – ein Automatismus

In der Schule lernte ich dann andere Sprachen: Englisch und Französisch. Erst als ich meine erste Reise in die USA unternahm entdeckte ich den praktischen  Nutzen, eine Fremdsprache zu sprechen  - ich wurde verstanden und hatte meine Freude daran, mich in der Fremdsprache auszutauschen. Und während des Psychologie-Studiums lernte ich dann, dass mein Gehirn diese Fähigkeit – Sprache zu lernen – auch für ganz andere Verknüpfungen nützt. Heute ist diese Fähigkeit die Grundlage für meine therapeutische Arbeit. Das menschliche Gehirn lernt Regeln und kann diese auch wieder verlernen bzw. umlernen – ebenso wie es auch ganz automatisch sie Muttersprache gelernt hat. Alle Regeln haben wir im Kopf, wenden sie an – können sie jedoch nicht reproduzieren wenn wir danach gefragt werden. Das gute daran ist: Wir können diese Verknüpfungen nützen. Und genau davon handelt dieses Buch:

codes – Die geheime Sprache der Produkte

Es fällt ins Auge weil es in eine Signalfarbe gekleidet ist. In Signal-orange verpackte 215 Seiten Neuromarketing der Spitzenklasse. Es läßt sich leicht und spannend lesen – ein Fachbuch, bei dem das Lesen Spaß macht. Das Buch wurde bei Haufe verlegt und es kann hier direkt bestellt werden. Die zehn Kapitel bauen aufeinander auf und der Text ist immer wieder mit Grafiken, Bildern und Schaubildern aufgelockert. Wichtige Sätze sind schon gelb markiert – als ob sich jemand bereits mit Leuchtmarker für Sie durchs Buch gearbeitet hätte.

Multimediale Umsetzung: Buch, videos, App

Bei bloggdeinbuch habe ich mich für codes interessiert, weil es auch von Gehirnforschung handelt. Und so ist es voll gespickt mit Links zu kleinen Videos, in denen sich der Leser die Hintergründe aus der Hirnforschung ansehen kann. Mittels Link oder des abgedruckten QR-Codes wird der Leser auf die decode-Seite geleitet, die Videos bereitstellt. Hier finden Sie zum Beispiel das Video aus der Reihe Geist & Gehirn von Manfred Spitzer, wo er beschreibt, dass mentale Verknüpfungen bestehen zwischen Eigenschaften und mentalen Konzepten. Ganz konkret geht es um Experimente dazu, wie die Wärme eines Kaffees die Einschätzung von “psychischer Wärme” verändern kann..

Das gesamte Buch ist nun in zwei Teile gegliedert: Theorie und Praxisbeispiele. Zunächst handelt es davon wie so ein Produkt in den Kopf kommt. Dabei spielt die Verpackung eine wichtige Rolle, denn die wird ja wahrgenommen.

Was steht drin im Buch?

Das Buch ist thematisch in aufeinander aufbauenden Kapiteln gegliedert. Zunächst erfahren Sie von den Grundlagen aus der Hirnforschung. Dann etwas darüber, wie ein Produkt in unseren Kopf gelangt – nämlich über die Verpackung. Und schließlich verraten die Autoren (Christian Scheuer, Dirk Bayas-Linke, Johannes Schneider) das Geheimnis wie Sie Ihr Produkt mit den Zielen (also den Bedürfnissen) des Käufers verbinden können. Bei den Beispielen haben die Autoren darauf geachtet, nicht nur Erfolgsstories vorzustellen, sondern geben dem Leser auch die Möglichkeit, von Projekten zu lernen, die gescheitert sind und nennen die Hypothesen worauf das Scheitern beruhte. Viele Menschen sind an Geheimnissen interessiert. Und dieses Buch ist voll davon! Von 5 möglichen Sternen erhält das Buch von mir 5 (Aufmachung, Inhalt, Spannung, Sprache, Praxisbezug)

Und hier geht’s zur App zum Buch

Wer noch mehr Praxisbezug möchte, der findet bei Haufe auch noch eine App fürs iPhone. Hier können Sie ein virtuelles Auge auf Ihre Produkte richten lassen, um herauszufinden, was ein Käufer von Ihrem Produkt im ersten Moment wahrnimmt. Mein Fazit: Das Buch macht Spaß – und das ist ein ganz wichtiges Bedürfnis eines jeden Menschen.

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18. März 2012

Sind Träume ein Schlüssel zu unserem Unbewussten…?

Aus den Träumen von gestern
werden manchmal die Alpträume von morgen
(Friedrich Nowottny)

Es wird wohl kaum jemanden geben, der es noch nie erlebt hat: einen Traum. Die Themen im Traum sind vielfältig. Es gibt angenehme und unangenehme Träume gleichermaßen. Der Chemiker Kekulé soll sogar im Traum die Figur des Benzol-Ringes im Traum gesehen haben. Er träumte von einer Schlange, die sich selber in den Schwanz beißt und hat damit die Lösung zu seiner Forschungs-Thematik quasi im Schlaf “erarbeitet”.

Themen von Träumen

In allen Kulturen finden sich ähnliche Themen, die in Träumen auftauchen. Die unangenehmen Träume lassen sich zusammenfassen in Verfolgungsträume, Fallträume, beschämende Träume (nackt sein), Träume des Scheiterns (zu spät kommen, Bus verpassen). Zu den angenehmen Träumen zählen Flugträume, Prophetische Träume, sexuelle Träume, Entscheidungsträume, Träume in denen die Erfahrungen des Alltags verarbeitet werden.

Sich im Traum des Träumens bewußt zu sein

“Es war ja nur ein Traum…” mit diesem oder einem anderen Gedanken ist schon so mancher aus einem Alptraum erwacht. Und dabei geht es auch anders. Beim Luziden Träumen ist es möglich, sich des Träumens bewußt zu sein. Dabei existiert gewissermaßen neben dem Träumenden eine Instanz, die sich des Träumens bewußt ist. Hierbei soll es sogar möglich sein, das Geschehen des Traumes aktiv zu beeinflussen. “Mal sehen, was sich hinter dieser Tür verbirgt…” oder “Mal sehen, wer es ist, der mich da verfolgt…” Manchen Menschen gelingt es, spontan luzide zu träumen und andere müssen dafür trainieren. Hier ein tolles Blog zum Thema Klarträumen.

Träume in der Psychotherapie

Ganz oft passiert es, dass mir Klienten oder Patienten berichten, dass sie nach einem Termin bei mir einen Traum hatten. Manchmal kommen sie dann schon und haben vollkommene Klarheit darüber was der Traum bedeutet und manchmal brauchen sie von mir noch Hilfestellung dabei. Letztendlich kann ich selber den Traum eines anderen nicht deuten – das kann nur der Träumende. Aber ich kann Hilfestellung geben. Wer sich vor einer Entscheidung drückt träumt oft von verschiedenen Wegen, die vor ihm liegen, es werden oft auch unverarbeitete Konflikte geträumt

Träume selber deuten

Träumen auch Sie viel? Können Sie diese Träume deuten? Dann gratuliere ich Ihnen. Wenn Sie etwas Unterstützung dafür benötigen, habe ich  hier einige Tipps für Sie: Als erstes empfehle ich Ihnen, ein Traumtagebuch zu führen. Schon alleine das Vorhaben, einen Traum auszuschreiben sofort nachdem Sie aufgewacht sind, erhöht die Erinnerungswahrscheinlichkeit des Traumes nach dem Aufwachen. Legen Sie Stift und Papier hierfür neben Ihr Bett. Schreiben Sie sich die Grundgefühle mit auf, die Sie im Traum hatten: Angst, Hilflosigkeit, Wut, Freude, Neugier, Ekel, Verachtung. Achten Sie schließlich auf bestimmte Symbole, die Sie im Traum sahen und lassen sich von einem Buch inspirieren, was diese bedeuten können. Es gibt auch einen tollen Link mit Deutungen zu den Traumsymbolen. Wenn Sie von einem Frosch träumen sieht das Ergebnis beispielsweise so aus. Und dann nichts wie los in die Traumdeutung: Wo habe ich das Grundgefühl des Traumes vielleicht nicht beachtet, dass mein Traum es mir so deutlich zeigt…? Hier ist ein toller Beitrag zum Deuten von Träumen, der bei ARTE ausgestrahlt wurde:

Warum träumen Menschen?

Auch in der Psychoanalyse wurden von Siegmund Freud die Träume seiner Patienten gedeutet. “Träume sind der Königsweg zum Unbewussten.” – das war seine Hypothese aufgrund der er die Traumdeutung mit in seine Therapiemethode einbezog. Aber er war nicht er erste – die alten Griechen schickten manche Menschen in einen sogenannten Heilschlaf, in dem die Betreffenden heftige Träume erlebten und danach gesund waren. Die Forschung zeigt, dass Träume unterschiedliche Funktionen haben. Zum einen scheinen sie daran beteiligt zu sein, Lernprozesse zu festigen. Denn unterbindet man den Traumschlaf, wird das Lernen verhindert oder zumindest erschwert. Aber in Träumen wird wohl auch das verarbeitet, was laut Freud im sogenannten Unbewussten schlummert… Ganz zu schweigen von phrophetischen oder Wahrträumen – diese sind von der Wissenschaft bis heute nicht erklärbar. Hier werden wohl die Erkenntnisse der Quantenphysik Erhellung bringen…?

Ich wünsche Ihnen allseits gute Träume und schöne Traumdeutungen.

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15. Januar 2012

Laßt Kinder wieder Kinder sein! Oder: Die Rückkehr zur Intuition

Das eigentlich Wertvolle ist
im Grunde die Intuition. (Albert Einstein)

Obwohl es im Buch um Kinder geht handelt es von Erwachsenen. Von Erwachsenen im Hamsterrad. Ein Hamsterrad, angetrieben von Stress und Phantomstress. Von einem Zeitphänomen, das den Erwachsenen die Ruhe und Intuition raubt – und den Kindern die Beziehung zu ihren Eltern. Eine Beziehung, die für sie so wichtig wäre, um den Streß in ihren Gehirnen “herunterkühlen” zu können, wie Prof. Dr. Gerald Hüther es so gerne nennt. Eine Beziehung, die wichtig wäre, um eine gesunde Reifeentwicklung unserer Kinder zu begleiten.

Die Daten und Fakten rund um das Buch

Laßt Kinder wieder Kinder sein! Oder : Die Rückkehr zur Intuition ist erschienen im Gütersloher Verlagshaus, das zur Verlagsgruppe bei Randomhouse bei Bertelsmann gehört. Sie können das Buch direkt beim Verlag bestellen. Es hat 205 Seiten, die Aufmachung ist einfach und klar. Die 26 Kapitel sind aufgeteilt in einen sehr langen Problem- und einen kurzen Lösungsteil.

Der Autor: Dr. Michael Winterhoff

Seine anderen Bücher sind bereits Bestseller. Der Kinder- und Jugendpsychiater aus Bonn hat selber zwei Kinder. Er beschreibt in seinen Büchern die Folgen veränderter Eltern-Kind-Beziehungen für die psychische Entwicklung unserer Kinder. Und er zeigt Wege auf wie diese Defizite bei Kindern und Jugendlichen wieder aufgeholt werden können. Michael Winterhoff studierte Humanmedizin und ist in eigener Praxis als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie niedergelassen. Er praktiziert Tiefenpsychologie und wirft deshalb einen besonderen Blickwinkel auf die Beziehung zwischen den Eltern und ihren Kindern.

Das Hamsterrad – ein gesellschaftliches Phänomen

Dir schlechte Nachricht gleich vorweg: Einen schnellen Weg aus dem Hamsterrad gibt es nicht! Ich bin mir sicher, Sie als Leser von diesem Blog schätzen die Vorzüge der digitalen Medien. Wenn meine Patienten / Klienten nach einer besten Lösung für irgendein Problem suchen sage ich am liebsten: “Alles im Leben hat Vor- und Nachteile.” Und so ist es auch in diesem Fall. Der Musiker Tim Bendzko hat es in seinem Titel: Nur noch kurz die Welt retten” gut musikalisch zusammen gefasst.

Wer über die neuen Medien potenziell Kontakt zur gesamten Welt haben kann – der braucht auch die Fähigkeit die vielen Informationen richtig einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren. Hat jemand diese Fähigkeit nicht – dann hat das weitreichende Auswirkungen auf persönliche Beziehungen. Und damit auf unsere Kinder. Der Autor beschreibt die Faktoren, die aus seiner Sicht für das Hamsterrad verantwortlich sind, in dem sich viele Erwachsene in der heutigen Zeit befinden. Und so kommt er am Ende des Buches auch zu dem Schluß: “… da wir durch ein Weniger an äußerer Freiheit ein Mehr an innerer Freiheit gewinnen könnten.” Aus seiner Sicht kehrt die Intuition in die Elternhäuser wieder zurück wenn jeder aus einer inneren Ruhe heraus handeln kann. Und nun die gute Nachricht am Schluß: Ein Weg aus dem Hamsterrad ist möglich!

Erfahrung aus meiner eigenen Arbeit

Was Winterhoff schreibt ist auch meine Erfahrung: Oft hängen Symptome, die selbst ein Erwachsener hat noch mit Erlebnissen aus der Kindheit zusammen. Das können so alltägliche Erfahrungen sein, dass ich am Ende gefragt werde: “Und mit so etwas profanem hängt es jetzt zusammen, dass ich seit der Kindheit an den Nägeln gekaut habe?” Ist die emotionale Blockade gelöst, verschwindet das Symptom. Dabei beobachte ich, dass die Annahme aus der systemischen Therapie “Das Symptom ist meist nur die Lösung für ein ganz anderes Problem.” mich meist weiterbringt. Gelingt es mir durch Empathie einen Zugang zum Inneren des Klienten zu finden – ähnlich wie durch ein trojanisches Pferd – kann sich dieses Problem auflösen und das Symptom erübrigt sich.

Erstmal für Entspannung sorgen…

Wer Streß hat, der sorgt erstmal für Entspannung. Das ist eine Idee, die zwar gut gemeint ist – jedoch selten funktioniert. Denn die Streßreaktionen sind ja die Lösung für ein ganz anderes Problem. Und so gibt es aus der eigenen Psyche heraus Widerstände gegen die Entspannung. Deshalb ist es wichtig, genauer hinzusehen. Es gibt einen Schlüssel, der uns zur inneren Ruhe bringt und damit zur Intuition.

Wer liest dieses Buch?

Das Buch ist geeignet für alle, die Kinder haben oder mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Es ist nicht in Fachsprache geschrieben sondern ist auch für Laien gut verständlich. Empfehlen möchte ich es allen gestressten Eltern, Eltern von Problemkindern und mein persönlicher Wunsch ist, dass sich auch ein Politiker mal diese Lektüre zu Gemüte führt. Ein hehrer Wunsch – vielleicht geht er ja in Erfüllung?

Und das Fazit zu: Laßt Kinder wieder Kinder sein?

Das Buch rezensiere ich weil es mir von blogg dein buch zur Verfügung gestellt wurde. Ich hatte erwartet, dass es mehr von Kindern handelt – ich war überrascht – der Autor trifft das Thema jedoch goldrichtig. Es erhält von mir 5 von 5 möglichen Sternen. Letztendlich hat für mich das “Katastrophen-Warn-Buch” von Winterhoff ja eine positive Botschaft: Aus einer inneren Ruhe heraus bin ich fähig alle möglichen Situationen zu bewältigen. Wohl dem, der aus dieser inneren Kraft schöpfen kann. Ich finde diese Ruhe im Yoga der Stille.

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22. Dezember 2011

Wozu sind Gefühle da? Scham

Das Schämen ist ganz aus der Mode gekommen.
Heute schämt man sich höchstens, dass man sich schämt.
(Nicola Trussardi)

Wenn jemand zu mir in die Praxis kommt oder eine Online-Beratung wünscht und es um Scham geht, dann sind die Anfragen folgende: Ich habe Angst mich zu blamieren, ich befürchte ausgelacht zu werden, ich möchte nicht rot werden vor all den Menschen. Und auch hier ist wieder der Auftrag: die Scham soll weg!

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Soviel zum kurzen Ausflug (1.17 min) in die  Grammatik – aber wir waren ja bei der Psychologie!

Und was ist der Sinn von Scham?

Gefühle geben zum einen mir selber eine Rückmeldung – aber auch meinem Umfeld. Die Scham ist zwar auch für mich gedacht – aber vor allem für die Menschen in meinem Umfeld. Wenn ich eine gültige gesellschaftliche Regel übertrete schäme ich mich. Eine Regel kann ich absichtlich oder unabsichtlich übertreten. Mache ich das absichtlich, werde ich keine Scham zeigen – passiert mir das hingegen unbeabsichtigt wird mein Organismus unverzüglich mit Scham reagieren. Das ist eine wertvolle Information für die Menschen um mich herum. Sie können mich verbannen aus der Gemeinschaft oder mir die Übertretung – abhängig von noch weiteren Faktoren – verzeihen! Das hängt davon ab wie viel Erfahrung ich bereits auf einem Gebiet habe, ob ich es absichtlich oder unabsichtlich tat, wie wichtig die Grenze ist, welche Folgen es hatte und so weiter. Die Scham ist also ein Gefühl, das mir hilft, zu einer Gemeinschaft dazuzugehören. Scham ist ein Gefühl, das das Überleben in der Gruppe sicherstellen soll.

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Welche Regel hat Guido Westerwelle gebrochen? Andere schämten sich für ihn, es gab kein Verständnis. Die Regel lautet: Bei internationalen Angelegenheiten spricht man Englisch.

Wie ausgeprägt ist Ihre Scham?

Um zu testen wie ausgeprägt Ihr Schamgefühl ist können Sie im Netzwerk Sexualtherapie den Fragebogen zu Schamgefühlen ausfüllen, den mein Kollege Manfred Soeder entwickelte. Der Test bezieht sich nur auf Sexualität und kann nicht als allgemeiner Test zum Schamgefühl verwendet werden. Sie können sich sogar das Ergebnis per Email schicken lassen wenn Sie das möchten.

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Foto:  pitopia (c)

21. Dezember 2011

Was für ein Unterschied – sagen Sie Ihre Botschaft in anderen Worten!

Ein freundliches Wort
ist mehr wert als es kostet.
(Ernst Ferstl)

Missverständnisse zwischen Menschen gibt es wahrscheinlich schon seit es den Menschen gibt. Eine hohe Kunst ist, diese auszuräumen. Da scheint es offenbar einfach zu sein, seine eigene Position darzustellen wenn es noch keine Missverständnisse gibt. Aber auch das ist nicht immer einfach. Hier habe ich einiges zusammengetragen, das es ein wenig Klarheit bringen soll.

Die Kraft von Worten – dasselbe nur in anderen Worten

Immer wieder darf ich in Trainings, Coachings oder Therapiesitzungen erleben wie kraftvoll es sein kann, die eigenen Worte einfach nur anders auszudrücken. Der folgende Film verdeutlicht wie das konkret aussehen kann.

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Was hat die junge Dame auf dem Schild geändert? Was vorher auf dem Schild stand war ohne Bezug zum Leben der Menschen, die vorbeilaufen. Wenn ich jedoch jemandem sage, dass es einen Menschen gibt, der die Schönheit nicht sehen kann, die andere umgibt, dann gibt es einen persönlichen Bezug. Ich habe sofort vor mir, dass es sein könnte, auch ich könnte diese Schönheit nicht mehr sehen. Diese Vorstellung ist mir näher als einfach nur das Wissen: Da sitzt ein blinder Mann vor mir. Und schon steigt die Bereitschaft zu helfen. Das kann die Kraft der Worte sein wenn ich mich nur darin auskenne, sie richtig zu verwenden.

Wie kann ich Menschen in Worten nahe sein?

Die Frage wie ich in Worten Nähe zu anderen Menschen herstelle beschäftigt die Psychologen schon ziemlich lange. Es ist die Grundlage für die Gestaltung der Therapeutischen Beziehung. Vor allem die Gesprächspsychotherapie nach C. Rogers beschäftigt sich damit. Laut seiner Aussage sind es drei Faktoren, nach denen sich diese Nähe gestalten läßt: Empathie, Authentizität und Akzeptanz. Er ließ die Patienten genau diese drei Faktoren jeweils bewerten wenn sie ein Therapiegespräch hatten. Damit regte er an, dass eine bis dahin gültige Regel gebrochen wurde: Die Therapeuten begannen ihre eigenen Gefühle einzubringen. Bis dahin war es ziemlich verpönt das zu tun. Aber um authentisch zu sein ist es sogar unerlässlich, das zu tun. Einer, der ziemlich hohe Werte bei Empathie erreichte war Frank Farrelly. Er hat dann später eine eigene Therapie- oder Gesprächsform entwickelt: Provokative Therapie – im deutschen oft Humortherapie genannt.

Was macht empathische Gespräche so wirkungsvoll?

Frank Farelly spicht ungeschminkt alles aus, das ihm einfällt wenn er mit jemandem spricht. Viele sind dadurch empört, andere lachen viel und nach dem Gespräch sagen sie: Es hat sich etwas verändert und ich kann gar nicht benennen was es war. Sehen Sie hier eine Nachbesprechung von so einem Gespräch (7;24 min; es ist in englischer Sprache):

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Was wirkt scheint also zu sein, dass emotionale Zustände angesprochen werden und sich Blockaden dadurch lösen. So wie wenn an der Grammatik etwas geändert wird, der Betreffende wendet plötzlich eine ganz andere Regel an und kann gar nicht benennen was sich geändert hat. Das kann soweit gehen, dass die Kinder dann plötzlich fragen: “Was ist denn mit Mama los?” Die Änderung wurde bemerkt – konnte aber nicht benannt werden.

Und was kann ich selber machen um diese Nähe auszudrücken?

Es scheint sehr einfach zu sein wenn ich jetzt schreibe: Drücken Sie Ihre Bedürfnisse aus. Das ist die einzige Regel, die Sie befolgen müssen, um mit Ihren Worten dafür zu sorgen, dass andere Ihnen nahe sein können. Wenn Sie einem anderen zeigen möchten, dass Sie ihm nahe sind, dann zeigen Sie ihm in Ihren Worten, dass Sie seine Bedürfnisse verstehen. Das ist schon die höhere Kunst. Dabei geht es nicht – wie manchmal irrtümlich verbreitet – die Worte von anderen wie ein Papagei zu wiederholen. Nein, es geht darum, in meinen Worten das auszudrücken was dem anderen gerade wichtig ist.

Konkretes Beispiel aus der Praxis

Und das kann auch einfach heissen, wenn der Ehemann am Abend heim kommt und motzt: “Warum ist denn die Küche schon wieder nicht aufgeräumt?” zu antworten: “Schatz, welche Laus ist Dir denn heute über die Leber gelaufen? War Dein Tag anstrengend heute?” Sein Bedürfnis wird wahrscheinlich sein, sich erstmal auszuruhen weil er viel um die Ohren hatte. Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass die Bedürfnisse von beiden aufeinandertreffen. Die Frau hatte auch einen vollen Tag und hätte gerne die Küche aufgeräumt, wurde aber davon abgehalten und ist ärgerlich darüber. Wahrscheinlich wird sie antworten: “Dann räum doch Du die Küche selber auf.” Sie wird angegriffen und verteidigt sich. Und schon haben die beiden den schönsten Streit. Nicht gerade was sie sich beide für den Abend gewünscht hatten…

Und gibt es Regeln um emphatisch zu kommunizieren?

Ein ganz wichtiger Satz ist: “Jeder Vorwurf ist nur ein schlecht formulierter Wunsch.” Er bedeutet, dass es wichtig ist, seine Bedürfnisse auszudrücken, seine Wünsche zu formulieren. Wer dem anderen Vorwürfe macht fängt einen potenziellen Streit an. Wer das möchte – gut – aber meistens will der andere ja ein Bedürfnis ausdrücken und wundert sich dann irgendwann, dass er es nicht bekommt. Wirklich tragisch wird es dann, wenn der eine anfängt, dem anderen vorzuwerfen, dass er seine Bedürfnisse nicht erfüllt bekommt: Wegen Dir bin ich unglücklich, wegen Dir kann ich nicht… Die Wahrheit liegt ja dort nicht – sondern derjenige hat seine Bedürfnisse einfach bisher nicht erfolgreich ausgedrückt. Die gute Nachricht daran ist: Das ganze ist trainierter – und damit veränderbar. Zum Glück!

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19. Dezember 2011

Wozu ist das denn gut? Vorurteile

Ein Urteil läßt sich widerlegen,
aber niemals ein Vorurteil.
(Marie von Eber-Eschenbach) 

Vorurteile begegnen uns immer und überall. Unser Gehirn ist darauf spezialisiert, Verarbeitungs-Prozesse zu vereinfachen. Sinn dieser Vereinfachung ist, dass Zeit gespart wird. Der Nachteil davon ist, dass unser Verhalten ja aufgrund einer automatisierten Verarbeitung getroffen wird. So kann es schnell zu Handlungen kommen, die nicht unseren Werten entsprechen. Was hilft ist allein Aufmerksamkeit und das Wissen dass es so ist.

Ein Krieger, dessen Mission der Weltfrieden ist

Einen ganz eigenwilligen Weg gegen Vorurteile in der Welt anzugehen hat sich The Scary Guy gewählt. Bevor ich hier lange Geschichten schreibe überlasse ich erstmal Manuel das Wort (5:32):

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Im Jahr 2010 war The Scary Guy auf einer Tour durch Deutschland.

The Scary Guy ist bereits ein Filmstar in Deutschland

Ich kenne bisher nur den Film “Scary – furchterregend”, der im deutschen Fernsehen bereits mehrere Male ausgestrahlt wurde. Was Manuel erzählt ist nochmal eine ganz andere Seite von diesem Kämpfer für die Liebe. Vor allem fand ich es prima, dass er im Video kleine verhaltensnahe und praktikable Strategien verrät, die aus meiner Sicht sehr viel Sinn machen. Die offizielle Seite von The Scary Guy enthält noch viel mehr Informationen über ihn und seine Friedens-Mission. Sie ist in englischer Sprache. Für diejenigen, die nur deutsch verstehen gibt’s hier eine kurze Doku über ihn persönlich und seine Arbeit:

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The Scary Guy arbeitet sowohl mit Jugendlichen als auch mit Erwachsenen. Dabei ist er spezialisiert darauf, in Gegenden, in denen es nicht gerade üblich ist, wertschätzend miteinander umzugehen, eine Veränderung im Verhalten von Menschen zu bewirken. Er ist also auf soziale Brennpunkte spezialisiert. Im Film “The Scary Guy” wird deutlich, dass er es schafft, Menschen dazu zu bewegen, mit ihm zu kommunizieren – und mit anderen waren diese noch nicht einmal bereit, Blickkontakt aufzunehmen. Durch diesen Kontakt, den er herstellt – und er macht das mit Empathie – schafft er es, Verhaltensänderungen zu bewirken wo andere es nichtmal schaffen, zur Änderung der Einstellung zu begeistern.

Das manifest gewordene Vorurteil

Bild: The Scary Guy (c)

Wie macht er es? Er lebt was er verkündet, ist authentisch – und zwar mit Haut und Haar – im wahrsten Sinne des Wortes! Was ihm dabei wohl sehr hilfreich ist – mit seiner Erscheinung selber scheint er ein manifest gewordenes Vorurteil darzustellen. In seiner Vergangenheit war er wohl genauso wie die Vorurteile, die auch heute noch seinem Äußeren entgegen schleudern. Heute steht er hin vor Massen von Publikum – vor allem in Schulen – und zeigt, dass es eben nur Vorurteile sind. Denn seine Mission ist eine noble: Für den Weltfrieden will er kämpfen. Und andere damit anstecken. Seine Botschaft ist, dass jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann, damit es Weltfrieden gibt – und das jeden Tag!

Und wozu waren jetzt nochmal Vorurteile gut?

Ach ja, wir waren ja bei den Vorurteilen. Grundsätzlich ist es ja gut, dass unser Gehirn die Fähigkeit hat, den Wahrnehmungs- und Beurteilungsprozeß zu automatisieren. Wir sehen einen bunt tätowierten Kerl – der gehört dann automatisch in die Kategorie “gewalttätiger Mensch, der mich sowieso nicht interessiert”. Sinn dahinter ist, dass ich mich nicht unnütz lange damit beschäftige, sondern meine Ressourcen schone und der Gewalttätigkeit entkommen kann. Bei Scary wäre ich drauf reingefallen, da er zwar bunt tätowiert ist – jedoch nicht in diese automatisch zugewiesene Kategorie paßt. Und was denken Sei jetzt? Sie haben keine Vorurteile? Geht nicht gibt’s nicht. Denn Ihr Gehirn ist darauf spezialisiert.

Die Fähigkeit des Gehirns nützen um seine Werte zu leben

Wenn mein Gehirn das schon mal kann, dann könnte ich es ja nützen… gesagt getan! Mein Tipp: Immer achtsam sein und die Bewertungen, die Ihr  Gehirn jemandem zuweist in Frage stellen. Sich für den Menschen interessieren, seine Bedürfnisse wahrnehmen, aus den Vorwürfen die dahinter liegenden Wünsche hören und auf diese reagieren und nicht auf den Angriff. Immer überprüfen: Was mir mein Gehirn präsentiert – entspricht das meinen Werten? Immer auf die Werte reagieren, dann wird Ihr Gehirn irgendwann das automatisieren. Dann wird alles leichter und auch wärmer, wertschätzender.

Ich habe aber wirklich keine Vorurteile!

Vor allem in meinen Trainings habe ich bemerkt wie stark Vorurteile wirken. Und wieviel Aufmerksamkeit es erfordert, sich dagegen zu stellen. Denn jedes Vorurteil ist ein Angriff. Hier nicht mit Gegenangriff zu reagieren ist gar nicht so leicht. Es gehört schon zu den höheren Oktaven der menschlichen Kommunikation mit sich und der Welt so sehr zufrieden zu sein, um den Angriff zu parieren und nicht einen Gegenangriff zu starten. So kann jeder bei sich selber anfangen – ganz im Sinne von The Scary Guy. Der eigene Beitrag zum Weltfrieden – und das jeden Tag! Viel Spaß dabei…

Ach ja und: Falls jemand hört, dass der Film wieder ausgestrahlt wird, bitte mir den Termin schicken!

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picture: The Scary Guy (c)
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15. Dezember 2011

Kleine Pause gefällig? Entspannung fürs Büro

Die Kunst des Ausruhens ist
ein Teil der Kunst des Arbeitens.
(John Steinbeck)

Unser Körper reagiert immer noch gleich wie damals wenn ein Säbelzahntiger auftauchte. Wir sind jederzeit darauf vorbereitet mit Kampf oder Flucht zu reagieren wenn ein dementsprechender Stressor auftaucht. Nur mit dem Unterschied, dass sich die Säbelzahntiger von heute langsamer anschleichen. Ganz im Sinne von dem Frosch, der nicht aus dem Topf springt wenn das Wasser sich ganz langsam erwärmt nehmen wir gar nicht wahr, wenn die Stressoren sich langsam in unser Leben schleichen.

Bewusster werden durch Achtsamkeit

Oft genügt es schon, einmal täglich die Aufmerksamkeit auf das zu richten was uns wichtig ist und uns zu vergegenwärtigen, was denn unser Ziel ist. Dann lassen wir uns von äußeren Umständen nicht so leicht davon abbringen. Und für eine körperliche Entspannung hilft eine konkrete Entspannungsübung, eine innerlich und eine für den Körper.

Kleine Achtsamkeitsübung fürs Büro

Spüren Sie wie die Füße den Boden berühren. Wo nehmen Sie wahr, dass Sie mit der Haut den Schuh berühren? Wo ist es warm? Wo spüren Sie Druck? Sind die Zehen locker oder eingerollt? Über die Knöchel und die Unterschenkel kann die Aufmerksamkeit jetzt zu den Knien wandern. Spüren Sie den Winkel, den Ihr Bein dort macht? Sie gehen weiter zum Ober- und Unterschenkel. Wo spüren Sie dass die Kleidung anliegt? Und nun weiter zur Gesäß-Region – wie stark ist der Druck den Sie spüren weil Sie sitzen? Wenn Ihnen Verkrampfungen auffallen können Sie die Muskeln dort locker lassen.

Ihre Aufmerksamkeit wandert weiter zum Unterbauch, dann den Rücken hoch zum Brustkorb. Hier werden Sie auf die Atembewegungen aufmerksam. Atmen Sie flach oder tief? Sind die Schultern verspannt? Nach hinten gezogen? Wie fühlt es sich am angenehmsten an?

Dann wandern Sie den Nacken hoch zum Kopf. Ist die Kopfhaut entspannt? Der Kiefer hängt locker oder ist angespannt? Können Sie die Zunge noch lockerer machen? Sie wandern zur Stirn – ist sie gerunzelt? Und die Schläfen – sind sie kalt oder warm? Wie fühlt sich Ihr Körper jetzt an? Falls Sie noch irgendwo Schmerz oder Verspannung spüren bleiben Sie dort mit Ihrer Aufmerksamkeit und sagen DANKE!

Im Veränderungspodcast können Sie sich auch von meiner Stimme durch die Übung führen lassen. Gute Entspannung!

Und jetzt noch Bewegung für den Körper

Und was machen Sie abends?

Nach einem langen Arbeitstag wenn am Abend schon dunkel ist entspannt es sich am besten mit einem warmen Bad. Vor allem Lavendelblütenöl hat eine entspannende Wirkung. Genießen Sie es!

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Bild: Pitopia (c)

10. Dezember 2011

Schlagfertigkeit trainieren: Kontern im Alltag – die App

Eine Antwort, die so gut ist, dass der andere sich wünscht,
er hätte sie gegeben, das ist Schlagfertigkeit.
(Elbert Hubbard)

Wer kennt das nicht? Auf dem Heimweg fällt mir ein was ich hätte sagen können. Nur dann ist es zu spät. Die Antwort wäre so gut gewesen. Mist! Und dabei habe ich so blöd dagestanden. Wäre mir das nur früher eingefallen. Warum passiert mir das nur immer? Antwort: Weil Sie es nicht anders gewohnt sind. Schlagfertigkeit ist trainierbar.

Schlagfertigkeit ist reine Trainingssache

Das sagt zumindest Matthias Pöhm, Schlagfertigkeitstrainer. Sie müssen noch nichtmal wirklich gut darin sein am Anfang. Nein – es genügt, wenn Sie ein paar Standardsätze parat haben.

“Ach was?”
“Stimmt, das wollte ich auch gerade sagen!”
“Es ist jetzt fünf vor halb zehn.”
“Kannst Du das auch rückwärts sagen?”
“Messerscharf beobachtet!”

Dann lernen Sie die Regeln hinter der Schlagfertigkeit – übertreiben, anderen Recht geben, ins Gegenteil verkehren, antworten wie ein Gentleman… Und wenn Sie täglich weiter fleißig üben – dann können Sie in zwei Wochen bereits schlagfertig sein. Das zumindest behauptet Matthias Pöhm.

Damit Sie überall üben können gibt es jetzt die App

Und damit es jetzt noch einfacher geht mit dem Üben gibt es exklusiv von Matthias Pöhm die App. Schlagfertig! Die App für Schlagfertigkeit im Alltag. Sie können sie innerhalb einer Woche (also bis einschließlich bis 17. Dezember 2011) für den sensationellen Preis von 0,79 € bzw. 1 CHF im iTunes-Store herunterladen.

Für die Kategorien Beruf, fiesse Sprüche, Partnerschaft, für Frauen, für Männer gibt es jeweils mindestens 3 Vorschläge wie Sie kontern können. Es gibt auch viele Informationen und die Theorie zur Schlagfertigkeit. Ich finde, die App ist gut gelungen. Wenn Sie ein wenig Zeit haben, darin stöbern und schon sind die paar Minuten sinnvoll genützt.

Und was hören wir in Zukunft vom Meister der Schlagfertigkeit?

Ich schätze Matthias Pöhm sehr, weil ich finde, dass er kreativ ist, seine Ideen mit sehr viel Mut umsetzt und das was er kann nützt um seine Ziele zu verwirklichen. Wenn er auch nicht immer seine eindeutigen Ziele transparent macht. Aber das macht ja neugierig… oder? Was er wohl mit seiner Anti-Power-Point-Partei vor hat? Meine Vermutung: Er nützt alles um Menschen glücklich zu machen. Ach was! Er beschert nur sich selber Glück. Wie auch immer – es bleibt spannend!

Noch mehr vom Könner der Schlagfertigkeit

Auf youtube finden Sie ein paar kleine Clips zum Thema. Was ich sehr gerne sehe ist ein 40 minütiges Interview bei Alpha Forum Studio Talk.

Hier gibt’s die restlichen Folgen. Und dann wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Trainieren. Und noch eine kleine Geschichte…

Schlagfertiges Völkchen…

Waren Sie schonmal im Schwabenland? Die Menschen dort sind schon ein eignes Völkchen. Ein Freund hat mir die Geschichte erzählt von dem Bauern, der gerade den Weidezaun reparierte als ein Bauer aus Hessen mit seinem Jeep vorbei kam. Er kurbelte das Fenster runter und fragte: “Sag mal Karle, der ganze Hof und die Felder, gehört das alles Dir?”  ”Klar doch, Fritz, von dem Pfosten da vorne bis hinten zum kleinen Wäldchen. “Da hast Du ja ein ganz schönes Anwesen und dass Du es weißt: ich habe auch eins.” So wie die Hessen nun mal sind fängt der Hesse an, ordentlich anzugeben. “Aber meins ist ein bißchen größer.” Natürlich fragt der Schwabe so wie es sich gehört: “Ach ja wirklich? Wie groß ist es denn?” Der Hesse antwortet: “Also wenn ich vor Sonnenaufgang in meinen Jeep steige und bis Sonnenuntergang fahre, dann habe ich die Hälfte geschafft.” Der schwäbische Bauer kratzt sich am Kinn, sieht sich kritisch den Jeep an und meint dann: “Ja, ja, so ein Auto hatte ich auch schon erwischt!”

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5. Dezember 2011

Wozu sind Gefühle da? Angst (1)

Wenn einer keine Angst hat
hat er keine Phantasie
(Erich Kästner) 

Wenn jemand zu mir kommt, der unter Angst leidet ist eines klar: Die soll weg! Ohne meine Unterstützung ist das bisher nicht gelungen. Es ist auch leicht erklärbar warum: Im Zustand der Angst lernt unser Gehirn nicht. Das ist der erste Grund. Der zweite Grund ist, dass die Angst ja eine Botschaft hat. Ein unangenehmes Gefühl ist immer ein Signal, dass etwas nicht stimmt. Nur was stimmt nicht, wenn jemand Angst hat? Als Einleitung erstmal Prof. Dr. Gerald Hüther.

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Der alte Fluchtreflex wird aktiviert

Wenn wir bei den Neandertalern leben würden wäre es klar, was eine Angst bedeutet wenn ich einen Bären sehe. Sie hat eine Schutz-Funktion. Angst heisst: Lauf weg, lauf um Dein Leben. Heute sind aber die Bären selten geworden – was hilft mir jetzt dieses Wissen?

Ausflug in die Kommunikation

Wenn Sie sich mit Kommunikation beschäftigen erhalten Sie sicherlich irgendwann den Tipp, dass Sie positiv kommunizieren sollen. Positives Denken? Ich kann doch nicht ständig denken, dass es mir gut geht? Brauchen Sie auch nicht! Aber Sie können alles entweder positiv oder negativ formulieren. Gut, kenn ich schon, das ist das mit dem Glas, das entweder halb leer oder halb voll ist. Wenn Sie das auch schon kennen, wenden Sie das ruhig an – es hilft auch. Aber ich meine etwas anderes. Wenn mir jemand sagt: “Ich will keine Angst mehr haben.” und ich sage, er soll mir seine Bitte positiv formulieren, dann wissen viele nicht wie ich das meine. Wenn mir aber jemand sagt: “Ich will nicht nach Paris fahren.” und ich ihn bitte mir sein Ziel zu verraten, dann kann jeder etwas damit anfangen. Das Ziel zu formulieren ist in diesem Fall die positive Formulierung von dem Satz. “Ich fahre nach Venedig.” Dann wissen Sie auch wo es hingeht – nur zu wissen, dass es nicht nach Paris geht – damit hat noch keiner Klarheit.

Die Botschaft der Angst entschlüsseln: Sicherheit fehlt!

Gibt Sicherheit: Das Glas über den Krabbelbeinen

Gibt Sicherheit: Das Glas über den Krabbelbeinen

Bei der Angst sind wir jetzt aber noch nicht weiter. Wenn mir jemand sagt, dass die Angst weg soll, dann weiß ich selber auch nur eines: Der Mensch braucht Sicherheit! Wie diese konkret jeweils aussieht – das ist ganz individuell. Dem einen fehlt eine Information, dem anderen Zuspruch von anderen, wieder ein anderer jemanden Vertrauten oder Zeit zum Üben. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen. Verwirrend ist auch oft, dass diese Gefühle durchaus aus der Vergangenheit kommen können. Es scheint so, dass unbewältigte Gefühle uns solange darauf aufmerksam machen, dass es da noch ein unerledigtes Geschäft ist – bis diese bewältigt sind.  Für eine erwachsene Frau, die sich so inkompetent fühlt wie ein Kind kann das schon ganz schön belastend sein. Und gleichzeitig kann alleine diese Information eine Erleichterung bringen – zu wissen, es ist ganz normal wie ich mich fühle – und es kann sich auch noch ändern.

Wer Angst hat kann sein Gehirn nicht optimal nutzen

Unter Angst sind wir nur auf eines fokussiert: Sicherheit zu finden. Oft rennen wir jedoch vor der Angst weg als auf die Sicherheit zu zu rennen. Und unser Gehirn kann keine Lösungen mehr finden für Probleme, die Kreativität geht verloren. Handlungsleitende Muster werden nicht mehr gefunden, die Empathie geht verloren, sie soziale Kompetenz ist nicht mehr möglich und Lernen findet nicht mehr statt. Wir haben Konzentrationsschwierigkeiten. Alte Muster werden aktiv – wir verhalten uns wie früher in der Kindheit oder schalten auf Angriff, Flucht oder Erstarrung. Nur über Vertrauen ist das wieder rückgängig zu machen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und Vertrauen in eine soziale Gemeinschaft.

Was ist normale Angst und was ist eine Angsterkrankung?

Grundsätzlich ist eine gewisse Variabilität unter den Menschen durchaus normal – es gibt ängstlichere und weniger ängstlichere – oder mehr oder weniger Selbstsichere, um es positiv zu formulieren. Ein gewisses Maß an Ängstlichkeit kann also normal sein. Und wann geht es dann in Richtung Erkrankung? Erstmal eine Übersicht über die Angsterkrankungen. Für Sie reicht es zu wissen, dass das Hauptsymptom jeder Angsterkrankung die Vermeidung ist. Und wenn das Vermeidungsverhalten so ein Ausmaß annimmt, dass Sie Ihren Alltag nicht mehr bewältigen können, dann wird es Zeit, dass Sie sich nach einem Therapieplatz umsehen. Auf den Seiten meines Kollegen Richard L. Fellner  können Sie in einem kostenlosen Selbsttest Angst- und Panikstörung testen ob Ihre Symptome so ausgeprägt sind, dass es besser ist, wenn Sie sich an einen Therapeuten wenden.

Und wie sieht diese Vermeidung konkret aus?

Ihre Angst vor Spritzen ist so groß, dass Sie Ausreden erfinden, warum Sie nicht zum Arzt gehen können. Sie gehen drei Mal zur Toilette bevor Sie das Haus verlassen aus Angst es sonst nicht rechtzeitig dorthin zu schaffen wenn Sie unterwegs sind. Sie gehen gar nicht mehr aus dem Haus, weil Sie Angst haben umzufallen. Sie vermeiden Konflikte weil Sie Angst haben, jemanden zu verletzen. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Denn: Angst ist behandelbar. Oder positiv ausgedrückt: Sicherheit ist trainierbar!

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