Archiv für ‘Geschichten’

18. März 2012

Buchrezension: codes – Die geheime Sprache der Produkte

Das menschliche Gehirn ist bestens dazu geeignet,
mehr als eine Sprache gleichzeitig zu sprechen.”
(Prof. Dr. Petra Schulz)

Schon als Kind faszinierten mich Geheimsprachen. Ich dachte mir immer noch kompliziertere Codes aus, die andere entziffern sollten. Ich lernte das Morse-Alphabet und litt ziemlich darunter, dass ich niemanden hatte, der bereit war, es mir gleich zu tun. Keiner wollte das auch lernen, damit wir uns verständigen konnten.

Sprachen lernen – ein Automatismus

In der Schule lernte ich dann andere Sprachen: Englisch und Französisch. Erst als ich meine erste Reise in die USA unternahm entdeckte ich den praktischen  Nutzen, eine Fremdsprache zu sprechen  - ich wurde verstanden und hatte meine Freude daran, mich in der Fremdsprache auszutauschen. Und während des Psychologie-Studiums lernte ich dann, dass mein Gehirn diese Fähigkeit – Sprache zu lernen – auch für ganz andere Verknüpfungen nützt. Heute ist diese Fähigkeit die Grundlage für meine therapeutische Arbeit. Das menschliche Gehirn lernt Regeln und kann diese auch wieder verlernen bzw. umlernen – ebenso wie es auch ganz automatisch sie Muttersprache gelernt hat. Alle Regeln haben wir im Kopf, wenden sie an – können sie jedoch nicht reproduzieren wenn wir danach gefragt werden. Das gute daran ist: Wir können diese Verknüpfungen nützen. Und genau davon handelt dieses Buch:

codes – Die geheime Sprache der Produkte

Es fällt ins Auge weil es in eine Signalfarbe gekleidet ist. In Signal-orange verpackte 215 Seiten Neuromarketing der Spitzenklasse. Es läßt sich leicht und spannend lesen – ein Fachbuch, bei dem das Lesen Spaß macht. Das Buch wurde bei Haufe verlegt und es kann hier direkt bestellt werden. Die zehn Kapitel bauen aufeinander auf und der Text ist immer wieder mit Grafiken, Bildern und Schaubildern aufgelockert. Wichtige Sätze sind schon gelb markiert – als ob sich jemand bereits mit Leuchtmarker für Sie durchs Buch gearbeitet hätte.

Multimediale Umsetzung: Buch, videos, App

Bei bloggdeinbuch habe ich mich für codes interessiert, weil es auch von Gehirnforschung handelt. Und so ist es voll gespickt mit Links zu kleinen Videos, in denen sich der Leser die Hintergründe aus der Hirnforschung ansehen kann. Mittels Link oder des abgedruckten QR-Codes wird der Leser auf die decode-Seite geleitet, die Videos bereitstellt. Hier finden Sie zum Beispiel das Video aus der Reihe Geist & Gehirn von Manfred Spitzer, wo er beschreibt, dass mentale Verknüpfungen bestehen zwischen Eigenschaften und mentalen Konzepten. Ganz konkret geht es um Experimente dazu, wie die Wärme eines Kaffees die Einschätzung von “psychischer Wärme” verändern kann..

Das gesamte Buch ist nun in zwei Teile gegliedert: Theorie und Praxisbeispiele. Zunächst handelt es davon wie so ein Produkt in den Kopf kommt. Dabei spielt die Verpackung eine wichtige Rolle, denn die wird ja wahrgenommen.

Was steht drin im Buch?

Das Buch ist thematisch in aufeinander aufbauenden Kapiteln gegliedert. Zunächst erfahren Sie von den Grundlagen aus der Hirnforschung. Dann etwas darüber, wie ein Produkt in unseren Kopf gelangt – nämlich über die Verpackung. Und schließlich verraten die Autoren (Christian Scheuer, Dirk Bayas-Linke, Johannes Schneider) das Geheimnis wie Sie Ihr Produkt mit den Zielen (also den Bedürfnissen) des Käufers verbinden können. Bei den Beispielen haben die Autoren darauf geachtet, nicht nur Erfolgsstories vorzustellen, sondern geben dem Leser auch die Möglichkeit, von Projekten zu lernen, die gescheitert sind und nennen die Hypothesen worauf das Scheitern beruhte. Viele Menschen sind an Geheimnissen interessiert. Und dieses Buch ist voll davon! Von 5 möglichen Sternen erhält das Buch von mir 5 (Aufmachung, Inhalt, Spannung, Sprache, Praxisbezug)

Und hier geht’s zur App zum Buch

Wer noch mehr Praxisbezug möchte, der findet bei Haufe auch noch eine App fürs iPhone. Hier können Sie ein virtuelles Auge auf Ihre Produkte richten lassen, um herauszufinden, was ein Käufer von Ihrem Produkt im ersten Moment wahrnimmt. Mein Fazit: Das Buch macht Spaß – und das ist ein ganz wichtiges Bedürfnis eines jeden Menschen.

Hier finden Sie das Buch bei Amazon: 

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23. Januar 2012

Die Technik des Geschichten Erzählens…

Und wenn Sie nicht gestorben sind… Wer kennt ihn nicht, diesen Satz, mit dem zumindest die Grimm’schen Märchen enden? Und wer würde es nicht gerne können, eine eigene Geschichte so zu erzählen, dass sie spannend bleibt bis zu diesem Satz?

Kinder machen das ganz automatisch

Es ist schon faszinierend wie Kinder das können. Im Spiel versinken, die Welt um sich vergessen, “hui buh, hui buh, ich bin ein Gespenst, habe keine Zeit, ich muss spuken, hui buh, hui buh…” huscht die 5 jährige Sophia durch den Raum. Um ihren Hals hat sie einen Gespenster-Schal, der gestern noch der Ritter-Umhang ihres Bruders war. Und dann verschwindet sie wieder in ihre Gespenster-Wirklichkeit, um erst nach einer Stunde wieder zurück zu kommen weil sie durstig ist. Für sie ist es die Wirklichkeit und es ist ein Leichtes einen Erwachsenen durch ihre mitreißende Art und ihre Erzählungen mit in diese Wirklichkeit zu entführen. Wir Erwachsenen haben das oft vergessen und müssen es neu lernen. Wie geht es, dieses Geschichten erzählen? Das muss doch lernbar sein…?

Wir lernen das Geschichten erzählen heute im Internet

In Zeiten des Web 2.0 findet Unterrichten ganz anders statt als wir es bisher gewohnt waren. Bei TED werden laufend neue Vorlesungen eingestellt, die kostenlos verfügbar sind. So gibt es derzeit einen Titel von Joe Sabia “Die Technik des Geschichten Erzählens”.

Naja – er bringt Ihnen in seiner kurzen Präsentation das Erzählen nicht bei. Aber er zeigt, dass er es beherrscht. Es könnte Ihnen gelingen, seine Technik abzukupfern und es nachzumachen. Oder er steckt sie an mit seiner Art, Spannung aufzubauen, Erwartungen zu umschiffen oder genau zu treffen. Geschichten sind deshalb so effektiv, um Menschen zu erreichen weil wir uns mit den Protagonisten identifizieren und die Erlebnisse uns emotional erreichen. Wodurch wir am besten lernen sind eigene Erfahrungen. Und je tiefer die Gefühle sind, die etwas bei uns auslöst, desto besser ist der Lerneffekt. Deshalb werden ja Lernziele auch gerne in Geschichten verpackt, deshalb wurde die Fabel erfunden. Oder Verkäufer packen ihre Botschaft in Geschichten, um ihre Kunden zu erreichen. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Geschichten, die ich gerade am liebsten lese stehen auch im Internet, bei belauscht.de – ganz im Sinne von: Geschichten, die das Leben schrieb.

Auf die Perspektive kommt es an…

Und was ist wenn mir die Geschichte nicht gefällt? “Dann lese ich eben eine andere.” mögen Sie denken. Eine Möglichkeit – heute gibt es fast für alles eine Lösung. Hören Sie was Raghava KK dazu zu sagen hat:

Mag sein, Kinder können auf diese Weise besser lernen unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Ab einem bestimmten Alter ist das gewiss angebracht. Aber vorher könnte es etwas verwirrend sein. Denn bevor der Egozentrismus nicht überwunden ist, was nützt es mit verschiedenen Perspektiven konfrontiert zu werden wenn diese Fähigkeit, mich in die Lage des anderen zu versetzen noch gar nicht vollständig ausgeprägt ist? Aber für Erwachsene ist dieses virtuelle Buch ganz sicher eine Möglichkeit, Vorurteile zu überwinden. Denn es gibt immer eine andere Perspektive, die man einnehmen kann, so man denn will…

Die Märchenerzählerin…

Und was ist wenn Sie gerne eine eigene Geschichte oder ein eigenes Märchen verfassen möchten – Sie bekommen es jedoch partout nicht hin? Dafür gibt es auch eine Lösung. In diesem Fall empfehle ich Ihnen meine Freundin und Kollegin Nadine Reiband. Sie ist auch Diplompsychologin und in ihrer wenigen Freizeit schreibt sie Geschichten und Märchen – auch im Auftrag. Ein Beispiel können Sie hier auf meiner Homepage hören (der große Glücksfall). Oder Sie besuchen bei ihr einen Kurs, in dem Sie das Schreiben von Geschichten lernen, sie bietet das auch für Kinder an. Wer Interesse daran hat zu lernen therapeutische Geschichten zu schreiben lernt das am besten bei Stefan Hammel. Viel Spaß damit und gute Geschichten wünsche ich Ihnen!

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Foto: pitopia (c)

8. Dezember 2011

Wozu soll das gut sein? Geschichten, Metaphern, Märchen

Echte Kreativität entsteht dann,
wenn die Ressourcen des Unbewussten
ins Spiel kommen.

(Harry R. Moody)

Das erste Buch, das mich in meiner Kindheit faszinierte war ein Märchenbuch von den Gebrüdern Grimm. Ich liebte es, darin zu lesen und versank förmlich in den Heldengeschichten. Danach fand ich in der Bibliothek das Buch mit den Geschichten aus 1001 Nacht. Mich faszinierte, wie die Heldin Scheherazade ihr Leben rettete indem sie immer noch eine Geschichte zu erzählen begann und darauf bestand, dass ihr das Ende der Geschichte erst am folgenden Tag einfallen würde.

Was bringt die einen dazu, dass sie was ändern und was hält die anderen davon ab?

Wenn man einen Frosch in ein Gefäß mit heißem Wasser wirft, dann springt die grüne Kreatur ganz schnell wieder heraus. Ein paar wenige kleine Verbrühungen hat er sich sicher zugezogen, aber die sind bald verheilt und vergessen… und er lebt fröhlich weiter! Wenn man jedoch einen Frosch in ein Gefäß mit kaltem Wasser steckt und dann anschließend das Wasser ganz langsam erhitzt, bleibt der Frosch darin sitzen. Er bleibt sitzen und sitzen und sitzen bis er in dem heißen, kochenden Wasser kläglich ums Leben kommt! Und so wie diesem grünen Gesellen, so geht es vielen Menschen: Sie leben ihr Leben so, dass es ihnen langsam, aber sicher immer schlechter geht. Sie schaffen es nicht, dieses Leben zu verändern, also aus dem unangenehmen Gefäß zu springen. Ja, durch die Verschlechterung, die langsam geht merken viele Menschen oft gar nicht, dass sich ihre Lebensqualität immer mehr zum Negativen wendet.

Viele schreiben es ihrer eigenen Fähigkeit oder im schlimmeren Falls ihrer Unfähigkeit zu wenn Sie es nicht schaffen, eine Veränderung einzuleiten. Die Geschichte zeigt, dass es zwar wichtig ist, zu reagieren – dass die Ursache aber durchaus in der Situation begründet sein kann.

Identifikation mit dem Protagonisten

Wer es versteht, sich vom Autor in eine Geschichte hineinziehen zu lassen, der erlebt sie hautnah mit. Und seit der modernen Gehirnforschung können wir auch erklären was das bewirken kann. Sofern wir von der Geschichte fasziniert sind – und nur dann – kann es die Strukturen in unserem Gehirn verändern – wir lernen! Der Lerneffekt ist zwar bei eigenem Erleben etwas höher als wenn ich “nur” eine Geschichte höre. Aber der Effekt ist vorhanden. Und der Lern-Effekt ist größer als wenn ich die Geschichte “nur” lesen würde.

Und die Moral von der Geschicht’?

Bild: Sulamith.Sallman

So wie jede Sprache eine Grammatik hat so besitzen auch Geschichten eine Grammatik – nämlich die Moral von der Geschichte. Und so wie ich eine Grammatikregel auf alle möglichen Wörter anwenden kann, ist es möglich diese Moral auf mehrere Lebensbereiche anzuwenden. Und auch umzulernen. Eine Geschichte hat sogar die Kraft, dass ich alte, schädliche Regeln verlerne und  neue, konstruktive erlerne. Viele deuten das als die “Macht des Unbewussten”. Dabei handelt es sich einfach um einen Lernprozess, der zwar stattfindet aber so explizit nicht benannt werden braucht. Wie mit der Grammatik der Muttersprache eben. Die Regeln wenden wir täglich an – können sie aber (außer wir haben sie später gelernt) nicht benennen.

Comedy und Satire machen auch Geschichte

Zu Hofe war es der Narr, der dem König die Wahrheit sagen durfte ohne seinen Kopf zu verlieren. Auch heute gibt es noch Flecken auf dieser Erde. wo jemand für die Wahrheit durchaus seinen Kopf riskiert. In unseren Gefilden gilt das zum Glück nicht mehr heutzutage. Aber dennoch wird die Wahrheit oft verpackt mit einer Prise Humor, dann nimmt sich etwas Unangenehmes leichter. So wie eine bittere Medizin auf dem Stück Würfelzucker. Was mir sehr gut gefällt sind die Fusel Anleihen, von denen der Komiker Chin Meyer bei Markus Lenz erzählte.

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Eine Metapher wie unser Finanz-System funktioniert. Eine bittere Wahrheit hört sich besser mit einer Prise Humor.

Metaphern in der Hypnosetherapie

Zuerst war ich erstaunt: Was sollen denn Metaphern und Geschichten in der Hypnosetherapie? Irgendwann im Laufe der Ausbildung habe ich die Geschichten lieben gelernt. Vor allem Dirk Revenstorf war ein Meister darin, eine Geschichte in eine andere hineinzuverpacken und noch eine wie einen Mantel drumherum zu legen. Die Spannung, die dadurch entsteht ist fast magisch. Ich empfinde es nach wie vor als hohe Kunst, die richtigen Metaphern auszuwählen, die jemandem helfen, eine eingefahrene unbewusst gelernte Regel zu verändern. Und es funktioniert – zum Glück!

Welche Geschichten, Metaphern und Märchen lieben sie? Schreiben Sie einen Kommentar!

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Bilder: pitopia, Sulamith Sallman

11. September 2011

Wer hat Angst vor kleinen Spinnen?

Die Gartenparty war in vollem Gange, als sie bemerkte, dass zwischen Dachrinne und dem Busch neben der kleinen Laube eine Spinne ihr handtellergroßes Netz gespannt hatte. Mittendrin saß sie, die großartige Architektin. Das Bier in ihrer rechten Hand war kühl, ebenso kühl war ihre Emotion. Überrascht – so kann sich das anfühlen. Fasziniert von der filigranen Bauweise des Netzes. So genau konnte sie sich das bisher nicht ansehen. Nein, es wäre immer noch nicht angenehm, sich vorzustellen, dass das Getier über ihren Körper krabbelt. Aber es ist vollkommen in Ordnung hier stehen zu bleiben und sich in die Schönheit des Spinnennetzes zu vertiefen, während das kühle Bier ihre Lippen benetzt. Wie sich das ändern konnte blieb ihr ein Rätsel.  Bis tief in die Nacht genoß sie es, mit ihren Freunden am Lagerfeuer im Gras zu sitzen. Noch zwei Wochen davor hätte sie sich nach Anbruch der Dunkelheit nicht auf den Balkon getraut und nun saß sie im Gras wo sie nicht wußte welches Insekt ihr als nächstes zu Lebe rücken konnte.

Zum Glück hatte die Therapeutin sie nach dem Traum gefragt.

Ob es etwas mit diesem Traum zu tun hatte? Der Traum, in dem diese schlimmste Nacht ihrer Kindheit ganz anders verlaufen war. Als sie die Bettdecke zurückschlug, um drunter zu schlüpfen sah sie  es sitzen: das schwarze Tier mit den acht Beinen. In ihrer Erinnerung war sie viel größer gewesen. Fast so als ob sie die Hälfte von ihrem Lebensraum eingenommen hätte. Und nun saß sie da, in einer Ritze des Balkens der Zimmerdecke. Sie sahen sich an. “Mama”, schrie sie. “Da sitzt eine Spinne über mir an der Decke.”  Die Mutter wußte wie sehr sie sich vor den Tierchen fürchtete und rückte an – bewaffnet mit einem Glas und einer Postkarte, um sie dingfest zu machen. Ein bißchen mußten die beiden jagen, aber bald hatten sie die Spinne im Glas. Der einzige Fluchtweg abgeschlossen durch die Postkarte wirkte das Tier noch kleiner als es tatsächlich war. Wenn sie sich nicht bewegen konnte wirkte sie gar nicht mehr gefährlich. Eigenartig wie viel Sicherheit es ihr gab, wenn ihre Mutter zu Hause war. Sie blickte auf das Glas und ihr war, als ob sie darin die Ereignisse ablaufen sah. Die Ereignisse dieser schlimmsten Nacht ihrer Kindheit. Ihre Mutter war arbeiten wie jeden Abend. Alleine für ein Kind zu sorgen war ja auch nicht gerade leicht. Da war sie froh, dass sie die Stelle als Serviererin gefunden hatte. Abends konnte sie ihre Kleine gut alleine lassen. Nur ein einziges Mal wurde sie von ihrer Tochter bei der Arbeit angerufen. Weil eine Spinne sie bedrohte. So ein Schmarrn. Als ob es in unseren Breiten Taranteln gäbe. Ich konnte sie überzeugen, in meinem Bett zu schlafen. Und danach hat sie mich nie wieder bei der Arbeit angerufen. Das war wie ihre Mutter es sah. Als sie sie entdeckte saß die Spinne auf dem Holzbalken. Sie blickte ihr direkt in die Augen. Starr vor Schreck konnte sie sich erst gar nicht rühren. “Mama!” Doch schreien machte keinen Sinn – sie war ja allein. Außer der Spinne und ihr gab es sonst nichts in dem Raum. Sie wußte dass es anders war. Aber ihre Wahrnehmung schien ihr einen Streich zu spielen. Sie konnte daran nichts ändern, so sehr sie sich auch bemühte. Und das machte sie nur noch hilfloser. Bei jeder Bewegung schien sie dem Tier ausgeliefert, schien sie angreifbarer zu sein als vorher. Irgendwie schaffte sie es nach einer gefühlt unendlichen Zeit, die Tür zu erreichen und diese von außen zu schließen. Dort sackte sie erstmal in sich zusammen und weinte. “Die Spinne ist jetzt da drin.” Das machte die Bedrohung kleiner. Aber verschwunden war sie nicht. Sie griff zum Telefonhörer und rief ihre Mutter an. “Deine Tochter hat Besuch vom Ungeheuer von Lochness.” Der Chef ging zu dieser Zeit ans Telefon und das waren die Worte mit denen er  ihr den Hörer in die Hand drückte. Die Stimme ihrer Mutter machte die Spinne noch etwas kleiner. So konnte sie sich etwas beruhigen. Als die Mutter ihr dann erlaubte, für diese Nacht in ihrem Bett zu schlafen fühlte sie sich auch noch etwas wärmer und es wurde heller um sie.

Je älter sie wurde, desto ausgeprägter wurde ihre Spinnenphobie.

Mit den Jahren wurde sie größer. Und mit ihr die Angst vor den kleinen Spinnen. Und obwohl sie wußte, dass diese ihr nichts tun konnten, war es unmöglich ein Fenster offen zu haben, ohne dass ein Fliegengitter dran war. Sie mußte die Tür zum Balkon nach den Tierchen absuchen wenn sie sie öffnete. Es war undenkbar, nach Anbruch der Dunkelheit auf dem Balkon zu sitzen – geschweige denn die Füße unter einen nicht vorher untersuchten Tisch zu strecken. Und das alles nicht wegen einer Spinne – sondern wegen einer nicht daheim gewesenen Mutter – wegen einer nicht empfundenen Sicherheit. Das wußte sie jetzt, wo die Farbe der Postkarte so viel Wärme in das Licht zaubern konnte. Das faszinierte sie.  Das Licht war genauso warm wie das Bauchgefühl das der Traum ihr schenkte.

Es war gar nicht die Spinne, vor der sie sich immer gefürchtet hatte.

Wie wohl sie sich fühlte und das obwohl sie gerade die Spinne beobachtete. Sie genoß es, dass ihr Gefühl ihr sagte was auch ihre Gedanken wußten: Die Spinne ist klein und nebensächlich. Es war gar nicht die Spinne vor der sie sich immer gefürchtet hatte. Es war die fehlende Sicherheit wenn ihre Mutter nicht da war. Und die Wärme des Lagerfeuers ließ sie die Sicherheit noch mehr spüren. Jeden einzelnen Schluck von ihrem Bier konnte sie genießen.

Die Geschichte ist natürlich frei erfunden. Aber sie hätte sich so zutragen können.

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11. September 2011

Kann die Psyche wirklich Einfluß auf eine Blasenentzündung haben?

Sie können diese Geschichte auch anhören (Info dazu weiter unten)

Dieses Mal konnte sie ihren Urlaub genießen. Ihr Blick streifte auf der rechten Seite das Kaisergebirge. Schon auf der Höhe von Innsbruck war sie und nur noch wenige Kilometer bis sie zu Hause war. Die Fahrt hinunter zum Gardasee war ihr länger vorgekommen als die Rückfahrt. An was das wohl lag? So einen Urlaub hatte sie noch nie erlebt. Wenn sie anderen das erzählte, kam denen das ganz normal vor: Ein Urlaub ohne Blasenentzündung. Keine stechenden Schmerzen, nicht Stunden auf dem stillen Örtchen verbracht, keine verpassten oder verschobenen Ausflüge. Nein – dieses Mal hatte sie jede einzelne Stunde genossen: die Sonne, den See, die Menschen, das Eis, die Ausflüge. Sie fühlte sich wohl in ihrem Körper während sie die schönen Erlebnisse Revue passieren ließ.

Jetzt geht es so nicht mehr weiter – ich ändere was!

Das war nicht immer so. Und dieses Mal sollte es anders werden. Sie hatte Vertrauen gefast zu ihrer Therapeutin. Im Wartezimmer lag dort eine Informationsbroschüre, in der stand, dass auch chronische Blasenentzündungen behandelbar seien. Sie hatte schon vieles versucht. Von der Ärztin bekam sie Medikamente und zusätzlich trank sie Cranberrysaft. Der schaffte ihr Erleichterung, die Medikamente halfen.  Aber eben immer erst als die Entzündung schon da war. Die Schmerzen waren erstmal unerträglich. Sie hatte zwar keine Ahnung, was die Psychologin dazu beitragen könnte. Aber die Aussicht auf weniger Schmerz oder gar Schmerzfreiheit genügte für eine Entscheidung.

CranberriesEin Ausflug in meine Vergangenheit bringt mich ins Jetzt.

Das Prozedere kannte sie schon. Die Psychologin versetzte sie in Trance. Die vertraute, warme Stimme und die langsamen Worte ließen sie tief entspannen.  Ehe sie sich versah war sie in ihrer Kindheit gelandet. In einer Zeit, an die sie nicht gerne zurückdachte. Ihre Mutter war damals schwer krank, Brustkrebs. Sie war viel im Krankenhaus, dann wieder zu Hause. Das war eine schwierige Zeit. Gerade mal 8 Jahre alt, in der Schule ging es grade so gut. Traurig war sie, wenn sie zur Tür reinkam.  Die Mutter lag auf dem Sofa, die Oma hatte gekocht. Früher öffnete sie mir die Tür und empfing mich mit offenen Armen, wirbelte mich einmal durch die Luft, drückte mir einen Kuß auf die Wange und sagte, ich soll meinen Schulranzen dieses Mal nicht mitten in den Weg, sondern ordentlich neben meinen Schreibtisch stellen. Die Träne, die meine Wange herunterkollerte beweinte die tiefe Sicherheit, die mir eine gesunde Mutter gegeben hatte. Die Sicherheit war weg. Das konnte ich jetzt spüren. Damals wußte ich nicht was mir fehlte.  Und ich war gemein zu ihr gewesen. Ich war wütend und gemein und schämte mich dafür. Mama war ja krank und brauchte ihre Ruhe. Und nicht so eine miesepetrige Jammer-Tochter, der niemand etwas recht machen konnte. Ja, ich hatte mich damals nicht getraut zu sagen, dass ich mir wieder eine Mama wünsche, die mich in der Luft herumwirbelt. Eine Mama, die mich schimpft, weil ich zu lebendig bin. Weil ich vor lauter Unternehmungslust alles um mich herum vergaß. Eine Mama, die mir einfach zuhört. Eine Mama, die mir bei den Hausaufgaben auf die Sprünge hilft.

mit jeder Träne klarer und klarer...Heraus aus dem Gefühlskorsett in emotionale Freiheit.

Die Angst, dass sie Schuldgefühle hat ließ mich stumm bleiben. Ich sagte es nicht, ich sagte überhaupt immer weniger. War unsicher was ich noch sagen darf, was sie nicht belastet. Ich wollte nicht gemein zu ihr sein, wollte sie nicht belasten. Ich weinte. Die ganze Wut von damals verwandelte sich in einen Bach aus Tränen und wurde aus mir heraus geschwemmt. Der aufgewühlte Bach wurde klarer und klarer. Ehe ich mich versah hatte ich meine Augen geöffnet. Mir war wohl ums Herz. Und ich freute mich auf meinen Urlaub. Mit durchaus etwas mulmigem Gefühl fuhr ich am Abend gen Süden. Das Kaisergebirge funkelte im Abendlicht und ich konnte es kaum erwarten, am nächsten Morgen zum Frühstück echten italienischen Capucchino zu schlürfen.

Die Geschichte ist natürlich frei erfunden. Aber sie hätte sich so zutragen können.

Sie können die Geschichte auch im Veränderungspodcast anhören und herunterladen. Unverändert dürfen Sie die Datei auch gerne weiterverbreiten.

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20. Dezember 2009

1000 Märchen

Ein Baustein der Hypnosetherapie sind Geschichten und Metaphern. Deshalb besteht eine gewisse Nähe zu Märchen und Geschichten. Es geht darum, sich mit den Figuren der Märchen zu identifizieren und es dem Unterbewußtsein zu überlassen, daraus Lösungen für ungelöste Fragen zu finden.

Über Jahrhunderte wurden Märchen mündlich überliefert und nicht anders weiter gegeben. Heute gibt es Märchenbücher. Im Internetzeitalter sind diese Märchenbücher sogar virtuell. Hier gibt es 1000 Märchen. Sie können sogar eigene hinzufügen. Unter der Seite Hekaya, was auf Swuahili “Geschichte” oder “Legende” heißt, finden Sie internationale Fabeln, Märchen und Sagen. Und auf der Seite Sagen.at gibt es Sagen und Überlieferungen aus ganz Europa – zeitgenössische genauso wie traditionelle. Auf der Seite vorleser.net wird das ganze sogar noch getoppt: Es gibt dort ca. 550 Hörbücher zum legalen, kostenlosen Download. Lassen Sie sich die Geschichten vorlesen. Wahre Fundgruben.

20. Dezember 2009

Akne – Milton Erickson

Eine Ärztin von der Ostküste rief mich an und sagte: “Mein Sohn studiert in Harvard und er leidet an einer besonders schweren Form von Akne. Können Sie dabei mit Hypnose helfen?” Ich sagte: “Ja. Warum wollen Sie sich aber die Mühe machen, ihn hierherzubringen. Was werden Sie in den Weihnachtsferien tun?” Sie sagte: “Normalerweise mache ich Urlaub von der Praxis und fahre nach Sun Valley zum Skifahren.” Ich sagte: “Warum nehmen Sie in diesen Weihnachtsferien Ihren Sohn nicht mit? Suchen Sie sich eine Hütte aus und entfernen Sie alle Spiegel. Sie können Ihre Mahlzeiten in dieser Hütte einnehmen, und sorgen Sie dafür, dass Sie Ihren Taschenspiegel sicher wegstecken.” Sie verbrachten die Zeit mit Skifahren, und Ihr Sohn konnte keinen einzigen Spiegel sehen. Seine Akne verschwand innerhalb von zwei Wochen. Akne kann also geheilt werden, indem man alle Spiegel entfernt. Ausschläge und Ekzeme im Gesicht verschwinden oft auf dieselbe Art.”

Sidney Rosen, Die Lehrgeschichten des Milton H. Erickson, S. 104.

Was haben Sie damit für Erfahrungen? Ich freue mich über Ihren Kommentar

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Und hier gibt’s Lesestoff von Amazon:

20. Dezember 2009

Lars und die Frauen

… ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2007. Hier gibts den Trailer.

Mir wurde gesagt, der Film sei sehr empfehlenswert, da es beinahe so aussieht, als hätte der Regisseur eine Fallgeschichte von Milton Erickson verfilmt:

Ein junger traumatisierter Mann (die Mutter war bei der Geburt gestorben, der daraufhin chronisch-depressive Vater hatte ihn aufgezogen) lebt fast autistisch zurückgezogend in einem Garagenanbau neben dem Haus seines Bruders und seiner Schwägerin. Der Film zeigt, wie er eine per Post zugestellte Sex-Puppe als real lebenden Menschen behandelt. Irritiert ziehen der Bruder und die Schwägerin eine Ärztin zu Rate, die empfiehlt, Lars’ Realität zu respektieren und mit der Puppe ebenfalls so umzugehen, als ob es ein real lebender Mensch sei. Nach und nach gelingt es, Lars’ ArbeitskollegInnen und die ganze Gemeinde miteinzubeziehen. Aus den Begegnungen der unterschiedlichen Realitäten ergeben sich urkomische Situationen, die von den grandiosen Schauspielern mit großer Sympathie geschildert werden. Ob und wie es den Therapieerfolg / das Happy-End gibt, verbiete ich mir zu verraten. Absolut empfehlenswerte beste Unterhaltung!

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20. Dezember 2009

Angst vor dem Hinfallen – Erickson und der Einbeinige

Erickson soll einen Einbeinigen im Winter auf der Straße getroffen haben, der ihn bat, ihm über eine Glatteisstelle hinweg zu helfen. Erickson willigte ein aber schlug ihm vor, ihm dabei die Augen mit dem Schal zu verbinden und zuvor ihn ein wenig zu drehen. Dann drehte er ihn ein wenig, führte ihn in diese und jene Richtung und nahm ihm den Schal wieder ab. Der Einbeinige stellte erstaunt fest, daß mühelos übers Glatteis gekommen war. Erickson erklärte ihm, wenn er nur ans Hinfallen denke, richte sich sein Körper darauf ein. Er habe ihn nur abgelenkt.

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