Archiv für ‘Kinder’

15. Januar 2012

Laßt Kinder wieder Kinder sein! Oder: Die Rückkehr zur Intuition

Das eigentlich Wertvolle ist
im Grunde die Intuition. (Albert Einstein)

Obwohl es im Buch um Kinder geht handelt es von Erwachsenen. Von Erwachsenen im Hamsterrad. Ein Hamsterrad, angetrieben von Stress und Phantomstress. Von einem Zeitphänomen, das den Erwachsenen die Ruhe und Intuition raubt – und den Kindern die Beziehung zu ihren Eltern. Eine Beziehung, die für sie so wichtig wäre, um den Streß in ihren Gehirnen “herunterkühlen” zu können, wie Prof. Dr. Gerald Hüther es so gerne nennt. Eine Beziehung, die wichtig wäre, um eine gesunde Reifeentwicklung unserer Kinder zu begleiten.

Die Daten und Fakten rund um das Buch

Laßt Kinder wieder Kinder sein! Oder : Die Rückkehr zur Intuition ist erschienen im Gütersloher Verlagshaus, das zur Verlagsgruppe bei Randomhouse bei Bertelsmann gehört. Sie können das Buch direkt beim Verlag bestellen. Es hat 205 Seiten, die Aufmachung ist einfach und klar. Die 26 Kapitel sind aufgeteilt in einen sehr langen Problem- und einen kurzen Lösungsteil.

Der Autor: Dr. Michael Winterhoff

Seine anderen Bücher sind bereits Bestseller. Der Kinder- und Jugendpsychiater aus Bonn hat selber zwei Kinder. Er beschreibt in seinen Büchern die Folgen veränderter Eltern-Kind-Beziehungen für die psychische Entwicklung unserer Kinder. Und er zeigt Wege auf wie diese Defizite bei Kindern und Jugendlichen wieder aufgeholt werden können. Michael Winterhoff studierte Humanmedizin und ist in eigener Praxis als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie niedergelassen. Er praktiziert Tiefenpsychologie und wirft deshalb einen besonderen Blickwinkel auf die Beziehung zwischen den Eltern und ihren Kindern.

Das Hamsterrad – ein gesellschaftliches Phänomen

Dir schlechte Nachricht gleich vorweg: Einen schnellen Weg aus dem Hamsterrad gibt es nicht! Ich bin mir sicher, Sie als Leser von diesem Blog schätzen die Vorzüge der digitalen Medien. Wenn meine Patienten / Klienten nach einer besten Lösung für irgendein Problem suchen sage ich am liebsten: “Alles im Leben hat Vor- und Nachteile.” Und so ist es auch in diesem Fall. Der Musiker Tim Bendzko hat es in seinem Titel: Nur noch kurz die Welt retten” gut musikalisch zusammen gefasst.

Wer über die neuen Medien potenziell Kontakt zur gesamten Welt haben kann – der braucht auch die Fähigkeit die vielen Informationen richtig einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren. Hat jemand diese Fähigkeit nicht – dann hat das weitreichende Auswirkungen auf persönliche Beziehungen. Und damit auf unsere Kinder. Der Autor beschreibt die Faktoren, die aus seiner Sicht für das Hamsterrad verantwortlich sind, in dem sich viele Erwachsene in der heutigen Zeit befinden. Und so kommt er am Ende des Buches auch zu dem Schluß: “… da wir durch ein Weniger an äußerer Freiheit ein Mehr an innerer Freiheit gewinnen könnten.” Aus seiner Sicht kehrt die Intuition in die Elternhäuser wieder zurück wenn jeder aus einer inneren Ruhe heraus handeln kann. Und nun die gute Nachricht am Schluß: Ein Weg aus dem Hamsterrad ist möglich!

Erfahrung aus meiner eigenen Arbeit

Was Winterhoff schreibt ist auch meine Erfahrung: Oft hängen Symptome, die selbst ein Erwachsener hat noch mit Erlebnissen aus der Kindheit zusammen. Das können so alltägliche Erfahrungen sein, dass ich am Ende gefragt werde: “Und mit so etwas profanem hängt es jetzt zusammen, dass ich seit der Kindheit an den Nägeln gekaut habe?” Ist die emotionale Blockade gelöst, verschwindet das Symptom. Dabei beobachte ich, dass die Annahme aus der systemischen Therapie “Das Symptom ist meist nur die Lösung für ein ganz anderes Problem.” mich meist weiterbringt. Gelingt es mir durch Empathie einen Zugang zum Inneren des Klienten zu finden – ähnlich wie durch ein trojanisches Pferd – kann sich dieses Problem auflösen und das Symptom erübrigt sich.

Erstmal für Entspannung sorgen…

Wer Streß hat, der sorgt erstmal für Entspannung. Das ist eine Idee, die zwar gut gemeint ist – jedoch selten funktioniert. Denn die Streßreaktionen sind ja die Lösung für ein ganz anderes Problem. Und so gibt es aus der eigenen Psyche heraus Widerstände gegen die Entspannung. Deshalb ist es wichtig, genauer hinzusehen. Es gibt einen Schlüssel, der uns zur inneren Ruhe bringt und damit zur Intuition.

Wer liest dieses Buch?

Das Buch ist geeignet für alle, die Kinder haben oder mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Es ist nicht in Fachsprache geschrieben sondern ist auch für Laien gut verständlich. Empfehlen möchte ich es allen gestressten Eltern, Eltern von Problemkindern und mein persönlicher Wunsch ist, dass sich auch ein Politiker mal diese Lektüre zu Gemüte führt. Ein hehrer Wunsch – vielleicht geht er ja in Erfüllung?

Und das Fazit zu: Laßt Kinder wieder Kinder sein?

Das Buch rezensiere ich weil es mir von blogg dein buch zur Verfügung gestellt wurde. Ich hatte erwartet, dass es mehr von Kindern handelt – ich war überrascht – der Autor trifft das Thema jedoch goldrichtig. Es erhält von mir 5 von 5 möglichen Sternen. Letztendlich hat für mich das “Katastrophen-Warn-Buch” von Winterhoff ja eine positive Botschaft: Aus einer inneren Ruhe heraus bin ich fähig alle möglichen Situationen zu bewältigen. Wohl dem, der aus dieser inneren Kraft schöpfen kann. Ich finde diese Ruhe im Yoga der Stille.

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Bild: pitopia (c)

28. Dezember 2011

Märchen sind doch Kinderkram!

Nicht die Kinder bloß
speißt man mit Märchen ab.
(Gottfried Ephrahim Lessing)

Durch meinen Beitrag über Märchen habe ich einige Anfragen erhalten und möchte das gerne als Anlass nehmen noch mehr darüber zu schreiben.

Ein Märchenbuch, das ich empfehlen kann

Märchen sind doch Kinderkram! Sehen Sie hier eine grimmige Geschichte, die den Namen auch verdient hat:

Definitiv nichts für Angsthasen. Eine Märchen-Sammlung, bei der die Helden nur aus Hänsel und Gretel bestehen.

Wie macht es unser Gehirn, aus Märchen zu lernen?

Schon immer hatte ich mich gefragt wie unser Gehirn es wohl macht, die Grammatik der Muttersprache zu lernen. Prof. Dr. Manfred Spitzer beantwortet es mir indem er mit erklärte wie das Gehirn Regeln lernt.

Und Regeln gibt es nicht nur in der Grammatik, sondern alle möglichen sozialen Beziehungen laufen durch mehr oder weniger bewusste oder unbewußte Regeln ab. In diesem Video geht er zuerst darauf ein, was Spuren im Schnee mit unserem Gedächtnis zu tun haben. Er erklärt dann die Müller-Lyer-Täuschung und wie man daran einen Automatismus erklären kann. Und schließlich erzählt er wie Kinder die Grammatik lernen – mit Beispiel, ich finde es sehr faszinierend!

Die Wiege der Märchen Erzähler?

Bild: Im Theater spielt man auch Märchen...

Viele Märchenerzähler kommen aus Persien. Als ich zum ersten Mal die Lesung eines echten Märchenerzählers erlebte war ich aufgeregt. Rafik Schami las  aus seinem neuen Buch – ich glaube es war das Geheimnis des Kalligrafen. Die Bücher und Hörbücher von ihm kann ich nur wärmstens empfehlen. Auch Nossrat Peseschkian ist persischer Herkunft und hat sich als Psychiater & Psychotherapeut dem Märchen Erzählen verschrieben. Damit begründete er eine therapeutische Richtung, die er Positive Psychotherapie nannte. In meiner Kindheit vergrub ich mich mit Vorliebe in die Märchenbücher von Elsa S. Kamphoevener. Sie erzählte orientalische Märchen so schön, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte mit Lesen. Und auch sie hat ihre Wurzeln im persischen Reich – Jahre ihrer Kindheit hat sie dort verbracht und ihr Vater führte sogar den Titel eines Paschas.

Welche Märchen sind empfehlenswert?

Ich möchte weniger die Märchen selber empfehlen. Sondern was ich wichtig finde ist, einen Märchenerzähler zu finden, der sein Fach wirklich liebt. Nur wer mit Begeisterung bei der Sache ist kann auch andere begeistern. Deshalb kann ich vorbehaltlos alle Bücher und Märchen von den vorgenannten Autoren empfehlen. Und noch ein weiteres Buch. Er läßt sich nicht in die persische Tradition einreihen, ist aber ein hervorragender Märchen-Erzähler: mein Kollege Stefan Hammel. Sein Buch Der Grashalm in der Wüste ist eine hervorragende Sammlung von Geschichten zum Vorlesen in allen Lebenslagen. Und in seinem Blog stellt er tolle Geschichten auch zum Download zur Verfügung.

Und das Fazit zu den Märchen?

Und? Sind Märchen Kinderkram? Wenn Sie davon überzeugt sind, dann lesen Sie nicht die folgenden Bücher. Denn wenn Sie es ohne Begeisterung tun, dann können Sie es sich sparen! Dann lesen Sie aber auch niemandem ein Märchen vor… die Zeit können Sie sinnvoller nützen – und die Kinder, die Ihnen zugehört hätten auch!

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Bild: National Library of Ireland (cc)

8. September 2011

Verändern sexuelle Reize das Verhalten von Kindern?

Damit beschäftigen sich die Autoren des Beitrages “Was ständig sexuelle Reize mit Kindern machen” auf welt.de

Von Kleidung über sexuelle Aufklärung bis hin zu Medienkompetenz und adäquaten Ansprechpartnern für die Kinder wird alles beleuchtet. Leider wird nicht auf entwicklungspsychologischen Aspekte im jeweiligen Alter eingegangen.

3. Februar 2010

Die Geschichte eines etwas anderen Mädchens

Leser sagen, sie spüren Hochachtung. Für eine Mutter, die eine ungewöhnliche Tochter hat. Eine Mutter, die trotz schwierigster Bedingungen ihrem Kind Liebe entgegenbringt, mit Geduld und Zuversicht mit ihr umgeht und dabei auch noch Humor bewahrt. In jeder kleinen Geschichte des Buches sei die unendliche Zuneigung in dieser oft doch recht komplizierten Mutter-Kind-Beziehung zu spüren – so eine Leserin.

Wer soll es lesen? Betroffene – aber auch diejenigen, die sich nur allzu häufig über Dinge des Lebens beklagen, die genauer betrachtet gar nicht beklagenswert sind. Ein Danke gilt der Autorin und Mutter Jacqueline Otto, die durch ihren leichten Schreibstil anderen hilft, die vielleicht einen ähnlich schweren Weg zu beschreiten haben.

Die heutige 7 – jährige Jasmin leidet an einer schwerwiegenden, tiefgreifenden Epilepsie mit autistischen Zügen und verschiedenen Allergien, ausgelöst vermutlich durch eine Impfung im frühen Babyalter.

Zu bestellen bei Amazon oder in jeder anderen Buchhandlung: Turboclean, Scholl und Ruah: Die Geschichte eines etwas anderen Mädchens (Jaqueline Otto) hier geht’s zum Buch bei Amazon:

20. Dezember 2009

Kinder, Kinder

Frage an Fritzchen, 4 Jahre alt, zu bequem selber zu gehen:
“Sag mal weißt Du eigentlich, wozu der liebe Gott die Beine gamacht hat?”

Er:
“Ja, zum Gas geben.”

Ein Jugendlicher zu der Dame in der Straßenbahn:
“Was willst du, Alte?!”

 

Daraufhin antwortet die Dame:
“Deine Haare, deine Zähne, deine Haut!”

20. Dezember 2009

Wieviele Gehirn braucht ein Mensch?

Eine derzeit 10-jährige Deutsche lebt mit nur einer Gehirnhälfte und versetzt Medizin und Wissenschaft in Staunen. Was unser Wunderwerk Körper alles schafft lesen Sie bei der Süddeutschen Wissen.

20. Dezember 2009

Prädiktoren für Internetsucht

Um Prävention betreiben zu können ist es wichtig, bereits im Vorfeld zu wissen, wodurch Krankheiten entstehen, damit die Auslöser geändert oder gemieden werden können. In der Zeit des Internet beschäftigt sich auch dir Forschung mit diesem Thema. Eine Studie beleuchtet die Faktoren, anhand derer am wahrscheinlichsten vorausgesagt werden kann, dass sich eine Internetsucht entwickelt (Prädiktoren).

Wenn die Internetnutzung von Heranwachsenden Suchtcharakter annimmt, sind häufig psychische Probleme im Spiel.

Eine aktuelle Studie identifiziert als mögliche Prädiktoren für eine im Laufe von 2 Jahren de novo entstehende Internetsucht bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine vorbestehende Depression, ein Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), eine Soziophobie und feindseligem Verhalten. Bei den weiblichen Teilnehmern trat eine Internetsucht vor allem auf dem Hintergrund von Feindseligkeit und ADHS auf.

Die Autoren hatten initial 2.293 Heranwachsende, davon 1.179 Jungen und 1.114 Mädchen, aus 10 Schulen in Südtaiwan untersucht. Psychische Probleme zu Beginn der Studie erfassten sie dabei mithilfe verschiedener Fragebögen, eine mögliche Internetsucht mit der “Chen Internet Addiction Scale”. Dabei schieden schon eingangs etwa 10% der Schülerinnen und Schüler wegen des Verdachts einer bereits bestehenden Internetsucht aus. 6, 12 und 24 Monate nach Studienbeginn befragten die Autoren die Teilnehmer erneut mit dem suchtspezifischen Fragebogen zum Verhalten bei Internetnutzung. Jungen waren demnach doppelt so stark gefährdet wie Mädchen, eine Internetsucht zu entwickeln. Andere Prädiktoren waren eine Computernutzung von mehr als 20 Stunden pro Woche und die überwiegende Beschäftigung mit Onlinespielen. Eine ADHS erhöhte bei Mädchen das Internetsucht-Risiko auf das 2,56-fache, bei Jungen auf das 1,62-Fache. Feindseliges Verhalten führte zu einer Zunahme des Suchtrisikos um 83%, Depressionen um 56% und Soziophobie um 35%.

Die Ergebnisse zeigen, dass es wichtig ist, die zugrunde liegenden psychischen Probleme Heranwachsender, insbesondere ADHS und Feindseligkeit, aber auch Depression und Soziophobie, frühzeitig zu entdecken und zu behandeln, nicht nur um die individuelle Entwicklung zu fördern, sondern auch um die Entwicklung einer Internetsucht zu verhindern.

.

Quelle: Ko CH et al. Predictive values of psychiatric symptoms for internet addiction in adolescents: a 2-year prospective study. Arch Pediatr Adolesc Med 2009; 163: 937-43.

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17. Dezember 2009

Lernprobleme nach Narkose im Kleinkindalter

Anästhesien in den ersten Lebensjahren bergen ein deutliches Risiko für spätere Lernstörungen. Der Effekt ist aber erst bei mehreren Narkosen nachweisbar.

In jungen Tieren verursachen Narkosemittel neurohistopathologische und Verhaltensänderungen im weiteren Entwicklungsverlauf. Um die Auswirkungen von Narkosen in den ersten Lebensjahren bei Kindern zu untersuchen, analysierten Anästhesiologen der Mayo Clinic in den USA retrospektiv Daten aus einer populationsbasierten Geburtskohortenstudie.

Von den erfassten 5357 Kindern benötigten vor Abschluss des vierten Lebensjahres 593 eine Vollnarkose, davon 100 Kinder zwei und 44 sogar drei oder mehr Allgemeinanästhesien. Als Narkotika kamen vor allem das heute nicht mehr so gebräuchliche Halothan (88%) und Lachgas (91%) zum Einsatz, 9% der Vollnarkosen umfassten auch Ketamin. Beeinträchtigungen beim Lesen, Schreiben und Rechnen traten bei Kindern mit einer Vollnarkose in den ersten Lebensjahren genauso häufig auf wie bei Kindern ohne eine solche Anästhesie. Bei Kindern mit zwei Vollnarkosen vor dem vierten Geburtstag machten die Autoren aber eine signifikante Risikoerhöhung für Lernschwächen um 59% aus, bei drei und mehr Narkosen lag das Risiko sogar um das 2,6-Fache höher als bei Kindern, bei denen in den ersten Lebensjahren keine Vollnarkose nötig gewesen war. Dabei ließ sich auch ein dosisabhängiger Effekt feststellen: Das Risiko für Lese-, Schreib oder Rechenschwäche stieg mit der kumulativen Dauer der Vollnarkosen an. Über die Ursache der beobachteten Lernschwächen – ob anästhesiebedingt oder aufgrund der die Eingriffe nötig machenden Grunderkrankungen – lässt die Studie aber keine Aussagen zu.

 

Quelle: Wilder RT et al. Early Exposure to Anesthesia and Learning Disabilities in a Population-based Birth Cohort. Anesthesiology 2009; 110:796–804

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