Archiv für ‘wissensch. Artikel’

1. Dezember 2011

Schwache Potenz durch zu viele Medikamente?

Bild: privat

Sehr oft haben Erektiosnsstörungen ihren Ursprung in der Psyche – dann sind Sie bei mir in der Praxis richtig. Aber das kann durchaus auch an Medikamenten liegen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, vielleicht ist darüber Ihre Manneskraft wieder zu stärken!

Potenz und Medikamente

Die Erektionsfähigkeit hängt ganz eng mit guten Gefäßen zusammen. Deshalb sind sowohl Alter als auch kardiovaskuläre Erkrankungen der Feind der männlichen Potenz. Da liegt es nahe, dass  Männer mit Hypertonie, Diabetes, zu viel Cholesterin im Blut oder bereits einer manifesten Atherosklerose oft deutliche Probleme im Bett haben. Wenn Mann dann viele Medikamente gegen die Gefäßerkrankung nimmt  überrascht es kaum, dass Mann mit vielen Medikamenten auch über eine wenig erfreuliche Potenz klagt. Eine Studie von Urologen aus Los Angeles legt nahe, dass dies nicht der einzige Grund sein könnte: Offenbar beeinträchtigt die Polypharmazie (Einnahme von mehreren Medikamenten) auch direkt die Erektionsfunktion. Die Ärzte um Dr. Diana Londono analysierten In der Untersuchung die Daten einer Befragung von knapp 38.000 Männern im Alter von 45 bis 69 Jahren. Sie wurden über Anzahl und Art ihrer Medikamente genauso befragt wie über ihre erektile Funktion und ihre sonstigen ihnen bekannten Krankheiten.

Die Ergebnisse der Studie

Die Hälfte aller Männer konnten die Frage bejahen, ob sie immer in der Lage seien, eine so starke Erektion zu bekommen, dass ein Geschlechtsverkehr möglich ist, die keine bis maximal zwei Medikamente nahmen. Noch 43 % konnten hierzu ja sagen wenn sie drei bis fünf Medikamente nahmen und auf 35 % sank das Ergebnis wenn die Männer zwischen sechs bis neun Medikamente nahmen. Bei zehn oder mehr Medikamenten sank es auf 24 % ab. Männer, die zehn oder mehr Medikamente nehmen haben also eine vierfach erhöhte Rate einer erektilen Dysfunktion (ED). Oft sind diese Männer auch übergewichtig. Vielleicht ließen sich die Männer zum Abnehmen motivieren wenn sie wüsten, dass sie dann auch wieder mehr Spaß im Bett haben können?

Nicht nur den Bauch abspecken…sondern auch weniger Medikamente nehmen!

Die Ergebnisse wurden in einem zweiten Schritt noch verfeinert ausgewertet. Die Forscher bezogen alle bekannten Faktoren mit ein (vor allem die üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren), die eine ED begünstigen. Doch auch wenn diese in der Berechnung berücksichtigt wurden, ergab sich  ein immer noch fast zweieinhalbfach erhöhtes ED-Risiko bei einer Polypharmazie mit zehn und mehr Medikamenten. Das Team um Londono folgert daraus, dass ED-Patienten nicht nur den Bauchspeck, sondern auch mal die Anzahl der Medikamente abspecken sollten. Das Absetzen bestimmter Mittel oder eine Umstellung der Medikamente könnte vielleicht schon einiges zur Potenzsteigerung beitragen.

Quelle: Londono D C et al. Population-based study of erectile dysfunction and polypharmacy. BJU 2011; published online 15.11.11. doi:10.1111/j.1464410X.2011.10761.x
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25. Oktober 2011

Ohne Pille mehr Spaß am Sex?

Eine Studie zum Thema Sex und Pille überrascht: Ein Drittel der Probandinnen hat ein Risiko für sexuelle Dysfunktion, Raucherinnen haben weniger Spaß am Sex und die Pille senkt die Lust.

Geht die Verhütung mit der Pille zu Lasten der Lust?

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die im Journal of Sexual Medicine erschienen ist, zeigen, dass Frauen, die nicht-hormonell verhütet hatten, in sexueller Hinsicht am glücklichsten waren. An der Studie – ein Familienprojekt von Lisa-Maria, Christian und Markus Wallwiener – nahmen 1.086 Medizinstudentinnen teil. Das entspricht ungefähr 2,5% aller Medizinstudentinnen in Deutschland. Die Frauen beantworteten Fragen zum Thema Sex, Kinderwunsch und Raucherstatus. 87% hatten in den letzten sechs Monaten Verhütungsmittel benutzt, und 97,3% waren in den letzten vier Wochen sexuell aktiv gewesen. In die Endauswertung gingen die Daten von 1.046 Frauen ein. 32,4% hatten ein Risiko, unter weiblicher sexueller Dysfunktion zu leiden: 8,7% hatten ein hohes Risiko für eine Orgasmusstörung, 5,8% für eine hypoaktive sexuelle Luststörung.

Zufriedener mit festem Partner

Die Teilnehmerinnen wurden entsprechend ihrer Verhütungsmethode in vier Gruppen eingeteilt: orale hormonelle, nicht orale hormonelle, nicht hormonelle und keine Verhütung. Den höchsten Wert auf der sexuellen Funktionsskala (das heißt das geringste Risiko für eine sexuelle Störung) hatten Frauen, die nicht hormonell verhüteten (31,0%), gefolgt von keine Verhütung (29,5%), orale hormonelle Verhütung (28,3%) und nicht orale hormonelle Verhütung. Neben der Verhütungsmethode war auch der Raucherstatus ein signifikanter Faktor für den Wert auf der sexuellen Funktionsskala. Raucherinnen hatten eine höhere Punktzahl als Nichtraucherinnen. Andere Faktoren wie Alter, frühere Schwangerschaften, Kinderwunsch und Partnerstatus spielten dagegen keine Rolle. Frauen, die nicht in stabilen Beziehungen lebten, hatten häufiger Orgasmusprobleme als Frauen mit festen Partnern.

Und was könnte das konkret für mich bedeuten?

Die Studienautoren betonen, dass die Studienergebnisse keinen Hinweis auf die Kausalität der gefundenen Assoziationen zulassen. Die Studie sollte also kein Grund sein, das Rauchen anzufangen, die Pille abzusetzen und sich einen festen Partner zuzulegen. Trotzdem bleibt besonders ein Zusammenhang bedenkenswert: Die Einnahme von Hormonen könnte das Sexualleben von Frauen negativ beeinflussen.

Quelle: Wallwiener C et al. Prevalence of sexual dysfunction and impact of contraception in female german medical students. J Sex Med 2010; May 4

Ergebnisse und Alternativen

Detaillierte Darstellung der Studienergebnisse gibt es hier  und vor kurzem habe ich schon einmal darüber geschrieben, weil ich das Thema bereits bei Utopia gefunden hatte. Und noch ein Nachtrag – bei gesund.co.at ist heute (29. November 2011) ein umfassender Artikel zum Thema Verhütung erschienen. Vielen Dank!

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15. April 2010

Reizdarmsymptome einfach wegsingen…?

Das Reizdarm-Syndrom wird von psychischen Faktoren und Stress beeinflusst. Das Singen im Chor entspannt und kann so Reizdarmbeschwerden lindern. Auch physiologisch verändert das Singen messbar etwas.

Wer unter Reizdarmbeschwerden leidet, sollt es mal mit dem Singen in einem Chor versuchen. Schwedische Forscher konnten zeigen, dass diese Freizeitaktivität entspannt, Freude bereitet und auch die Ausschüttung des Kuschelhormons Oxytocin erhöht. Und der mit dem Reizdarmsyndrom verbundene Schmerz ließ sich in einer Pilotstudie durch das musikalische Gruppenerlebnis über ein Jahr signifikant bessern (1). Die Patienten waren über Zeitungsannoncen akquiriert und randomisiert einem neuen Chor oder einer Intervention mit regelmäßigen Gruppendiskussionen zugeführt worden. Der Chor traf sich ein Jahr lang einmal wöchentlich für 1,5 Stunden unter Leitung eines Musikpädagogen, die Kontrollgruppe traf sich ebenfalls im ersten Halbjahr wöchentlich, danach nur noch 3 mal pro Monat unter Leitung eines Selbsthilfegruppenvertreters. Alle Patienten erhielten zusätzlich schriftliches Informationsmaterial zum Reizdarmsyndrom. Die weiteren Untersuchungen zeigten, dass nicht nur Reizdarmsymptome durch das Singen in der Gruppe verbessert werden können. Das Singen im Chor kann im Vergleich zu einer Gruppenschulung mit Diskussion auch anabole und regenerative Prozesse fördern (2). Denn wiederholter Stress kann die Regernation hemmen, was sich in einer Verringerung der Testosteronspiegel nicht nur im Blut, sondern auch im Speichel ablesen lässt. In der Gesangsgruppe stieg nach der aktuellen Auswertung der Pilotstudie der tagsüber ermittelte Testosteronspiegel im Speichel bei den Chormitgliedern im ersten halben Jahr signifikant an, in der Kontrollgruppe aber nicht. Dabei gab es zwar naturgemäß Unterschiede in der absoluten Konzentration bei Männern und Frauen, der Trend war aber in beiden Geschlechtern ähnlich. Wünschenswert wären nun größere Studien zum Benefit des Gruppensingens beim Reizdarmsyndrom oder auch anderen mit Stress assoziierten Beschwerden.

10.4.2010 10:30 Autor: Friederike Klein (München) Quelle: Springer Medizin Originalstudie: (1) Grape C et al. Choir singing and fibrinogen, VEGF, cholecystokinin and motilin in IBS patients. Med Hypotheses. 2009; 72: 223-5. (2) Grape C et al. Comparison between choir singing and group discussion in irritable bowel syndrome patients over one year: Saliva testosterone increases in new choir singers. Psychother Psychosom. 2010; 79: 196-198. 

20. Dezember 2009

Welchen Einfluß hat die Genetik denn nun wirklich?

Dr. Ulrich Bauhofer, ayurvedischer Arzt,  Auszug aus seinem Vortrag »Gesundheit, Selbsterkenntnis und Lebenskunst – eine untrennbare Beziehung « (Paderborner Podium)

„Wir empfinden unseren Körper als ein statisches Gebilde. Doch das ist eine Sinnestäuschung. Der Körper besteht aus 100.000 Milliarden Zellen, 15.000 mal mehr als Menschen auf der Erde leben. Aus einer einzigen dieser Zellen hat sich der Organismus innerhalb von neun Monaten herausdifferenziert. Schritt für Schritt, mit perfekter Präzision ist Glied für Glied, Organ für Organ gewachsen. Zum Beispiel verfügt unser Nervensystem am Ende seiner Entwicklung über tausend Milliarden hochspezialisierter Zellen, sogenannter Neuronen. In den Streitkräften unseres Immunsystems kämpfen über 100 Milliarden Lymphozyten sowie 100 Trillionen Antikörper. Ein wahres Kunstwerk. Geschaffen vom Leben.
Die zelluläre Dynamik in unserem Organismus entzieht sich unserer Vorstellungskraft. Ohne Rast verändert sich diese unüberschaubare biologische Gesellschaft. Etwa sieben Millionen Zellen produziert der Körper jede einzelne Sekunde neu, am Tag etwa 600 Milliarden.
Doch noch viel flüchtiger sind die 10 hoch 28 Atome, aus denen unsere Zellen gemacht sind. Sie kommen und gehen und schaffen unser Fleisch und Blut immer wieder neu: fast alle 24 Stunden eine neue Bauchspeicheldrüse, alle drei Tage eine neue Magen-Darm-Schleimhaut, alle sechs Wochen eine neue Leber, jeden Monat eine neue Haut, alle paar Monate ein brandneues Skelettsystem. In jeder Sekunde führt der Körper etwa 10 hoch 25 chemische Operationen durch – eine 1 mit 25 Nullen. 98 Prozent der Atome, die unseren Körper bilden, werden jedes Jahr ersetzt. Alle vier Jahre haben wir aus atomarer Sicht einen völlig neuen Körper.
Lautlos und ohne Anstrengung wird dieser fesselnde Biotanz auf der Bühne des menschlichen Organismus aufgeführt, und wenn wir ihn voll andächtiger Bewunderung betrachten, wollen wir wissen, wer ihn dirigiert, wer der Choreograph oder wer der Regisseur ist. Welche Instanz steuert all diese Prozesse? Wo ist die Schaltzentrale?
Wer regiert den Körper?
Ein Biologe würde uns eine schnelle Antwort liefern. Es ist die DNA, die alles regelt, würde er sagen, die Desoxyribonukleinsäure, das Erbgut mit seinen sechs Milliarden Bausteinen und etwa 100.000 Genen. Unser genetisches Selbst ist die Kommandozentrale unserer Zellen und verbirgt sich tief in deren innersten Kern. Nun ist die DNA aber auch ein Stück Materie, ein hochkomplexes Molekül, aufgerollt in einer sogenannten Superhelix, einer gewundenen Leiter, und zusammengesetzt aus einer Unzahl von Atomen. Aus Forschungsstudien weiss man, dass auch die Atome der DNA ununterbrochen ausgetauscht werden. Unsere Erbsubstanz erneuert sich also im Hinblick auf ihre atomare Zusammensetzung alle paar Wochen.
Welcher Schluss ergibt sich daraus? Wenn sich die Materie der DNA dauernd ändert, kann sie nicht der Dirigent aller Wandlung in unserem Körper sein, denn was als oberste Instanz Veränderung kontrolliert, sollte selbst gleich bleiben.“

20. Dezember 2009

Prädiktoren für Internetsucht

Um Prävention betreiben zu können ist es wichtig, bereits im Vorfeld zu wissen, wodurch Krankheiten entstehen, damit die Auslöser geändert oder gemieden werden können. In der Zeit des Internet beschäftigt sich auch dir Forschung mit diesem Thema. Eine Studie beleuchtet die Faktoren, anhand derer am wahrscheinlichsten vorausgesagt werden kann, dass sich eine Internetsucht entwickelt (Prädiktoren).

Wenn die Internetnutzung von Heranwachsenden Suchtcharakter annimmt, sind häufig psychische Probleme im Spiel.

Eine aktuelle Studie identifiziert als mögliche Prädiktoren für eine im Laufe von 2 Jahren de novo entstehende Internetsucht bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine vorbestehende Depression, ein Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), eine Soziophobie und feindseligem Verhalten. Bei den weiblichen Teilnehmern trat eine Internetsucht vor allem auf dem Hintergrund von Feindseligkeit und ADHS auf.

Die Autoren hatten initial 2.293 Heranwachsende, davon 1.179 Jungen und 1.114 Mädchen, aus 10 Schulen in Südtaiwan untersucht. Psychische Probleme zu Beginn der Studie erfassten sie dabei mithilfe verschiedener Fragebögen, eine mögliche Internetsucht mit der “Chen Internet Addiction Scale”. Dabei schieden schon eingangs etwa 10% der Schülerinnen und Schüler wegen des Verdachts einer bereits bestehenden Internetsucht aus. 6, 12 und 24 Monate nach Studienbeginn befragten die Autoren die Teilnehmer erneut mit dem suchtspezifischen Fragebogen zum Verhalten bei Internetnutzung. Jungen waren demnach doppelt so stark gefährdet wie Mädchen, eine Internetsucht zu entwickeln. Andere Prädiktoren waren eine Computernutzung von mehr als 20 Stunden pro Woche und die überwiegende Beschäftigung mit Onlinespielen. Eine ADHS erhöhte bei Mädchen das Internetsucht-Risiko auf das 2,56-fache, bei Jungen auf das 1,62-Fache. Feindseliges Verhalten führte zu einer Zunahme des Suchtrisikos um 83%, Depressionen um 56% und Soziophobie um 35%.

Die Ergebnisse zeigen, dass es wichtig ist, die zugrunde liegenden psychischen Probleme Heranwachsender, insbesondere ADHS und Feindseligkeit, aber auch Depression und Soziophobie, frühzeitig zu entdecken und zu behandeln, nicht nur um die individuelle Entwicklung zu fördern, sondern auch um die Entwicklung einer Internetsucht zu verhindern.

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Quelle: Ko CH et al. Predictive values of psychiatric symptoms for internet addiction in adolescents: a 2-year prospective study. Arch Pediatr Adolesc Med 2009; 163: 937-43.

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20. Dezember 2009

Ästhetik wirkt wie Schmerzmittel

Ästhetik in der NaturEin schönes Bild wirkt auf den Betrachter schmerzlindernd. Schmerzen werden dabei um ein Drittel weniger intensiv empfunden, als wenn ein neutrales oder hässliches Bild betrachtet wird. Gleichzeitig ist auch die Reaktion des Gehirns auf den Schmerzreiz schwächer, haben Forscher um Marina de Tommaso von der Universität Bari herausgefunden.

Das italienische Forscherteam ging erstmals der Frage nach, welche Rolle Schönheit bei der Schmerzempfindung spielt. Dazu verwendeten die Neurowissenschaftler italienische Gemälde, zum Beispiel von Botticelli oder Leonardo da Vinci. Die zwölf Teilnehmer der Untersuchung wählten unter 300 Gemälden zwanzig aus, die ihnen am besten gefielen, und zwanzig, die sie am hässlichsten fanden. Anschließend betrachteten sie entweder die schönen oder die hässlichen Bilder oder eine neutrale schwarze Fläche, während ein Laserpuls einen Schmerzreiz auf ihrer Hand auslöste.

Ließen die Probanden die angenehmen Bilder auf sich wirken, war ihre Schmerzempfindung um ein Drittel geringer als bei den neutralen oder hässlichen Bildern. Zugleich zeigten am Kopf befestigte Elektroden an, dass auch das Gehirn bei schönen Bildern weniger stark auf den Schmerz reagierte: Die P200, ein positiver Gipfel der elektrischen Hirnaktivität, der Aufmerksamkeit und die Verarbeitung von Reizen widerspiegelt, fiel beim Betrachten der schönen Gemälde geringer aus.

Es sei zwar bekannt, dass Ablenkung im Krankenhaus dazu beitragen kann, die Schmerzen der Patienten zu lindern, sagt de Tommaso. Aber Krankenhäuser seien oft nüchtern und funktional gestaltet. “Wir denken jedoch, dass ästhetische Aspekte bei der Einrichtung mehr berücksichtigt werden sollten”, sagt die italienische Hirnforscherin.

Quelle: Consciousness and Cognition,  Aesthetic value of paintings affects pain thresholds
Volume 17, Issue 4, Pages 1152-1162 (December 2008)

Heute gibt es sogar sichere Ergebnisse, dass Schmerztabletten die Umwelt vergiften. Womöglich ist die Wahl von ästhetischer Umgebung eine Möglichkeit, Schmerzen zu senken?

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20. Dezember 2009

Zerumen und Körpergeruch als Brustkrebsindikator

„Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten!
Nahezu nichts ist fremd.
Eines schließt sich ja dem anderen an und schmückt,
mit ihm vereinigt, dieselbe Welt.“ 

(Marc Aurel)

Ein Wattestäbchen und die eigene Nase könnten in Zukunft beim Brustkrebs-Sreening helfen. Japanische Forscher entdeckten nämlich einen Zusammenhang zwischen klebrigem Ohrenschmalz, unangenehmen Körpergeruch und einem erhöhten Brustkrebsrisiko. Der Zusammenhang kling so unglaublich, dass man zunächst an einen Aprilscherz denken möchte. Doch der April ist lange vorbei und das Studienergebnis stammt aus der renommierten Fachzeitschrift der Federation of American Societies for Experimental Biology (FASEB), die immerhin mit einem Impact-Faktor von fast sieben aufwarten kann.

Absonderungen riechen unangenehm

Japanische Forscher entdeckten, dass eine bestimmte Variation im Gen ABCC11 nicht nur das Brustkrebsrisiko erhöht, sondern auch zu besonders unangenehm riechendem Achselgeruch und klebrigem Ohrenschmalz führt [Toyoda Y et al. Earwax, osmidrosis, and breast cancer: why does one SNP (538G>A) in the human ABC transporter ABCC11 gene determine earwax type? FASEB J 2009; 23: 2001- 13]. Toshihisa Ishikawa, Professor für Biotechnologie am Tokioter Technologie-Institut, verfolgte die Aktivität eines Proteins, das von dem Brustkrebsgen ABCC11 exprimiert wird. In einer Kulturschale mit embryonalen menschlichen Zellen konnten die Forscher nachverfolgen, wie das ABCC11-Gen zu klebrig-feuchtem Ohrenschmalz und starkem Achselgeruch führt.

Wird es neue Tests geben, die Betroffene selbst durchführen?

Diese Entdeckung könnte zu neuen Screeningmethoden führen, die – insbesondere in Entwicklungsländern – schnell und günstig Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko ausfindig machen. “Feuchter und klebriger Ohrenschmalz ist leicht zu übersehen, aber die meisten Menschen nehmen unangenehmen Körperduft sofort wahr. Das könnte ein lebensrettender Hinweis für die Früherkennung von Brustkrebs sein”, erklärt Gerald Weissmann, Chefredakteur des FASEB-Journals.

Anmerkung: Zerumen = Ohrenschmalz

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20. Dezember 2009

Sehen durch die rosarote Brille

Wer glücklich ist, nimmt seine Umwelt anders wahr als ein unglücklicher Mensch. Wie sich Emotionen auf das Sehen genau auswirken, wurde jetzt mit der funktionellen Magnetresonanztomografie untersucht.

Nach Erkenntnissen der Verhaltensforschung sollten positive Emotionen das Gesichtsfeld erweitern, negative hingegen einengen. Freiwilligen wurden zunächst schöne, neutrale und hässliche Fotos gezeigt, um in ihnen verschiedene Emotionen auszulösen. Die neutralen Fotos waren die Kontrolle. Anschließend wurden den Probanden 300 ms lang Fotos vorgeführt, in deren Mitte ein Gesicht und als Hintergrund ein Gebäude zu sehen waren. Aufgabe der Teilnehmer war es, sich auf das Gesicht zu konzentrieren, um das Geschlecht der abgebildeten Person angeben zu können.

Während des Tests wurde mit der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) die Gehirnaktivität der Probanden gemessen. Dabei konzentrierte man sich auf zwei Areale: die sogenannte Fusiform Face Area (FFA), eine Hirnregion, die für das Erkennen von Gesichtern zuständig ist, und die Parahippocampal Place Area (PPA), die wenig auf Gesichter, aber stark auf Hintergründe und räumliche Anordnungen reagiert.

Die fMRT-Messungen bestätigten die Hypothese der Verhaltensforscher: Die Probanden, die schöne Bilder von niedlichen Welpen oder Kleinkindern gesehen hatten, also in guter Stimmung waren, hatten höhere Scanaktivitäten in der PPA als die mit einer schlechteren Laune. Sie registrierten den Hintergrund der Fotos intensiver. Der Unterschied war umso größer, je stärker die Bilder bei ihnen positive Emotionen ausgelöst hatten. Die FFA wurde nicht beeinflusst. Sie war in beiden Versuchsgruppen gleich groß.

Kommentar

Nach den fMRT-Messergebnissen verändern Emotionen tatsächlich die Wahrnehmung. Positive Emotionen erweitern das Gesichtsfeld und machen für nebensächliche Hintergrunddetails empfänglicher. Negative Emotionen engen den Sehfokus ein und blenden zusätzliche Informationen aus.

Literatur: T. W. Schmitz et al. (Department of Psychology, University of Toronto, 100 St. George Street, Toronto, ON M5S 3G3, Canada; e-mail: taylor@aclab.ca) Opposing influences of affective state valence on visual cortical encoding. J Neurosci 2009;29:7199-7207; doi:10.1523/JNEUROSCI.5387-08.2009

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17. Dezember 2009

Feindseligkeit größtes Risiko für Herzinfarkt

Eine feindselige Haltung gegen Mitmenschen führt einer US-Studie zufolge zu einem höheren Herzinfarktrisiko als Fettleibigkeit, Rauchen oder hohe Blutfettwerte. Jener Stress, den sich die Betroffenen durch permanente Antipathie selbst zufügen, könnte etwa zu schädlichen hormonellen Reaktionen oder zu Herzrhythmusstörungen führen, vermuten die Forscher um Raymond Niaura.

Die US-Psychologen hatten 774 ältere Männer drei Jahre lang beobachtet. Knapp sechs Prozent der Probanden, die sich auf Grund eines Fragebogens als sehr feindselig erwiesen hatten, bekamen in dieser Zeit eine Erkrankung der Herzkranzgefäße. Feindseligkeit sei damit der bedeutendste aller erfassten Risikofaktoren gewesen, berichtet das Magazin «Psychologie heute» (Weinheim) in seiner Ausgabe April 2003. Die Forscher hatten unter anderem Daten zu Gewicht, Blutfettwerten, Blutdruck, Alkoholkonsum und Rauchen der Probanden ausgewertet. Feindseligkeit habe sogar unabhängig von diesen bekannten Gefahren das Risiko für Herzerkrankungen erhöht. Zuvor sei nur bekannt gewesen, dass die schädliche Wirkung von beispielsweise hohem Blutdruck damit verstärkt werden könne.

Die Original-Studie der Forscher von der Brown University in Providence (US-Staat Rhode Island) ist im Fachjournal «Health Psychology» (Bd. 21, Nr. 6) veröffentlicht.

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