Archiv für ‘Krankheitsbilder’

19. Februar 2012

Schlaganfall einer Hirnforscherin – Faszinierende Erfahrung!

Wieso heißt es, wenn wir zu Gott sprechen,
dass wir beten – und wenn Gott zu uns spricht,
dass wir schizophren sind? (Lily Tomlin)

Ihr Wunsch, Forscherin zu werden entstand durch die Erkrankung ihres Bruders. Die Familie war hilflos seiner Schizophrenie ausgeliefert und Jill Bolte Taylor fragte sich, warum ihr Bruder nicht konnte was sie kann: Seite Träume wahr werden lassen? Seine Träume mit anderen Menschen zu teilen? Also befaßte sie sich beruflich viel mit Psychiatrischer Forschung.

Das Gehirn von innen entdecken

Sie kannte sich mit der Zeit sehr gut aus mit dem Gehirn. Dabei befaßte sie sich mit Lernmechanismen, die im Gehirn beobachtbar waren: Plastizität. Das ist die Tatsache, dass Gehirnzellen nicht ihr Leben lang für eine bestimmte Aufgabe verantwortlich sind. Fällt diese weg, stehen die Zellen für neue Aufgaben zur Verfügung. Oder anders ausgedrückt. Die Aktivität unserer Gehirnzellen ist ganz stark davon abhängig wie wir das Gehirn gebrauchen! Und am Abend engagierte sie sich bei einer Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Bevölkerung über psychische Krankheiten aufzuklären: die NAMI (National Alliance on Mental Illness) Im Inneren des Gehirns kannte sie sich also schon gut aus.  Jedoch sollte sie sich bald noch besser darin auskennen…

Ein einschlagendes Ereignis

Im Dezember 1996 hatte sie die Möglichkeit, eine schlagartige Einsicht zu erlangen: sie erlitt selber einen Schlaganfall. Sie sagt selber über sich, dass sie plötzlich zu einem Kind wurde, das in einem erwachsenen Körper steckte. In ihrer linken Gehirnhälfte platzte ein Blutgefäss. Sie sagt, an diesem Morgen habe sie etwas verloren. “Komisch sieht mein Körper aus.” waren ihre Gedanken als sie danach in ihrem Rudergerät trainierte. Aber sehen Sie selbst den Vortrag, in dem sie ihr Erlebnis erzählt.

Wieviele Hirnforscher haben die Möglichkeit, einen Schlaganfall am eigenen Leib zu erfahren?

Gewünscht hatte sie es sich sicherlich nicht – dass es ihr selber passieren würde. Aber seit es geschehen ist fasziniert sie mit ihren Erlebnissen das Publikum.

Sie war oft hin- und hergerissen zwischen dem was sie wußte und was sie durch ihren Schlaganfall erlebte: die Grenzen zwischen sich und der Umwelt lösten sich auf. Und wie wenn jemand eine Fernbedienung betätigt hatte war es plötzlich still in ihrem Kopf. Stille. Eins mit allem. Schönheit. Was war es nun, das sie verloren hatte? Oder hatte sie etwas gefunden? Sie nennt es Nirvana. Alles um sie herum war still. Absolute Stille. Im Kopf war es still. Was hatte sie gefunden? Sie erlebte sich eins mit allem um sich herum. Sie war hin- und hergerissen zwischen “Wow ist das cool! Was für ein Frieden!” und “He, wir haben ein Problem, das geht doch so  nicht! Ich habe jetzt keine Zeit für einen Schlaganfall” Der ganze Streß war weg, Jahre von emotionalem Ballast! Stille. Friedfertigkeit. “Toll, wieviele Forscher haben die Möglichkeit, einen Schlaganfall von innen her zu erforschen? Geht nicht, ich bin eine viel beschäftigte Frau.” Und selbst eine Telefonnummer zu wählen wird plötzlich zu einem Abenteuer, bei dem Sie schließlich mit einem Golden Retriever verbunden war.

Und das Fazit von Dr. Jill Bolte Taylor?

Ich merkte, dass ich nicht mehr der Regisseur meines Lebens war. Vom Leben hatte ich mich bereits verabschiedet und war sehr überrascht, als ich wieder aufwachte. Wie ein riesiger Wal glitt ich durch ein Meer stiller Freude. Ich hatte eine schlagartige Einsicht: Wenn ich das Nirvana gefunden habe und immer noch am Leben bin – dann kann das jeder! Ich finde, das ist eine Idee, die es wert ist, zu verbreiten!

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Bild: Kip May (c) thank you for permission to publish

9. Januar 2012

Wozu soll das gut sein? Zwang

Die Freiheit spürt nicht,
wer niemals unter Zwang gelebt hat.
(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe) 

“Jeder Schritt darf nur auf die Mitte der Platten auf dem Gehsteig fallen. Sobald ich auf eine Fuge trete gelingt es mir heute nicht meine Mutter davon zu überzeugen, dass ich am Sonntag schwimmen gehen möchte.” Was in der Kindheit eine normale Spielerei darstellt kann für manche schnell eine tagesfüllende nervende Aktivität werden – die aber willentlich nicht beendet werden kann. Ein Zwang kann das Leben bestimmen.

Zwangs-Rituale bestimmen das Leben

Ein Zwang ist wie eine Zwickmühle

Wer unter Zwang leidet ist dem ausgeliefert. Es muss schrecklich sein, den Herd auszuschalten und genau zu wissen, dass er aus ist. Dennoch gibt es einen inneren Drang, der die Betroffenen dazu bringt, es immer wieder zu überprüfen. “Kein gutes Gefühl es sein zu lassen” – so beschreiben es die Betroffenen. Und das Wissen, dass der Herd aus ist macht die innere Unruhe noch viel größer – denn hier ist was der Verstand weiß und was das Gefühl meldet nicht in Einklang miteinander.

Ein Ritual hilft den Alltag und das Leben zu gestalten

Eine Angst ist ein ganz normales Gefühl, das dem Menschen eigentlich dienen soll, um zu spüren wann er Sicherheit braucht. Genauso hat ein Ritual seinen Sinn. Es ist eine Strategie, um Sicherheit zu vermitteln. Jede Mutter weiß, dass es den Kindern Sicherheit gibt, bestimmte Erfahrungen immer zur selben Zeit zu etablieren: Vor dem zu Bett gehen ein Buch lesen, nach dem Essen gibt es eine kleine Süßigkeit, gegessen wird immer um dieselbe Zeit, und, und, und, und… Rituale spielen nicht nur bei Kindern eine Rolle, sondern auch bei der Gestaltung von Übergängen. Es soll die Sicherheit schaffen, die alte Phase gut abzuschließen und die neue sicher zu beginnen. So gibt es in einigen Kulturen Initationsrituale, um zum Beispiel Jugendlichen den Übergang ins Erwachsenenleben zu erleichtern und ganz klar zum Ausdruck zu bringen: Jetzt gehörst Du zu uns Erwachsenen! Das Ritual an sich ist also nicht das Problematische wenn es um Zwänge geht.

Und was soll jetzt das Gute daran sein?

Bei dem ganzen Zwang haben Sie sich sicher schon gefragt, wofür das jetzt gut sein soll? Therapeuten, die systemisch ausgebildet sind drücken es so aus: Das Symptom ist nicht das Problem – es ist die Lösung! Aber wofür soll eine Zwangshandlung die Lösung sein? Die Antwort kann Ihnen ein Betroffener geben. Was passiert denn, wenn eine Zwangshandlung nicht ausgeführt wird? Die Betroffenen haben “kein gutes Gefühl” – sie fühlen sich unangenehm. Meist ist es eine Angst. Und was fehlt wenn unser Organismus Angst verspürt? Sicherheit!

Praktische Tipps dagegen

Für Kinder gibt es jetzt ein Computerspiel, das eigens dafür entwickelt wurde, Zwang zu überwinden. Im Dezember 2012 hat das Forscher-Team der Universität Zürich das Computer-Programm veröffentlich. Hauptdarsteller im Spiel ist der Marienkäfer, der seine Punkte zählt. Naja, der seine Punkte zählen muss – er hat einen Zählzwang. Vertrieb und Verkauf sind noch nicht angelaufen. Jedoch können sich Psychotherapeuten bereits hier anmelden, damit zu arbeiten und dadurch Kinder zu unterstützen ihre Zwänge zu überwinden.

Und plötzlich glaubte ich mir –  ein Buchtipp

Franziska Hötzel hat Zwänge überwunden und ein Buch darüber geschrieben. OK, ein Büchlein. Es hat 80 Seiten und trägt den Titel … und plötzlich glaubte ich mir! Sie können darin Frau Hötzel begleiten auf ihrem Weg aus den Kontrollzwängen.

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Foto: Pitopia

4. November 2011

zu Gast bei mojo4you

Ab heute bin ich zu Gast bei Mojo 4 you – dem deutschsprachigen online-Magazin aus Chiang Mai in Thailand. Der Autor JoJo lebt seit 20 Jahren im Norden Thailands und veröffentlicht in seinem Reiseblog viele nützliche Informationen aus seiner Wahlheimat. Von traditionellen Festen über Politik, Geschickte, das Leben in Thailand bis hin zu Natur- und Reiseberichten ist alles mit dabei. Lesen Sie hier meinen Gastbeitrag zum Thema Flugangst.

 

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15. Oktober 2011

Wenn es erst vorbei ist, ist das Fliegen wunderbar…

… so ist das für viele Menschen mit Flugangst. Aviophobie heißt die unangenehme Krankheit in der Fachsprache. Immer mehr Menschen leiden darunter. Manche halten die unangenehmen Gefühle lange aus bevor sie den Weg zum Therapeuten gehen – oder lassen sich vom Arzt Tabletten verschreiben, um wenigstens etwas über die Runden zu kommen.

Ohne Vorfreude ist es kein richtiger Urlaub

“Wenn ich Angst hätte vor einem Hund, weil er mich gebissen hat, dann könnte ich das nachvollziehen. Aber ich hatte ja noch nie ein schlechtes Erlebnis mit einem Flugzeug und kann deshalb nicht verstehen, warum ich solche Angst vor dem Fliegen habe.” Diesen oder einen ähnlichen Satz höre ich immer, wenn jemand mit Flugangst sich bei mir meldet. Die Symptome fangen meist schon vor der Reise an. Je näher der Flug rückt, desto angespannter sind die Betroffenen. “Vorfreude auf den Urlaub kenne ich schon lange nicht mehr. Beim Packen schwitze ich und muss mir Wochen vorher schon einen Plan erstellen. An den halte ich mich, damit ich vor lauter Aufregung auch ja nichts vergesse.” Das ist die Angst vor der Angst wenn Sie schon vor der Reise unter diesen oder anderen Symptomen leiden. Vermeidungsverhalten gehört auch dazu. Aus Angst vor der Angst wird alles vermieden, das mit dem Flug zusammenhängt: Gespräche darüber, Sonnencreme einkaufen, die Route am Urlaubsort planen und so weiter…

Die Auslöser für Flugangst liegen im Unbewussten.

Die eigentliche Angst tritt dann auf, wenn Sie im Flugzeug sitzen und die Symptome sind immer die gleichen. Denn Menschen reagieren ähnlich auf Stressoren:

  • Schweißausbrüche
  • feuchte oder kalte Hände
  • Herzrasen
  • das Gefühl, keine Luft zu bekommen
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Durchfall

Die Angstauslöser sind so unterschiedlich wie die Menschen, die darunter leiden. Und was ganz besonders ist: meistens liegen die Auslöser für die Angst ganz weit in der Vergangenheit zurück. “Sobald die Tür zu ist, fühle ich mich so eingesperrt.” Während  der Therapiesitzung wird klar: In der Pubertät hat der Vater nicht akzeptiert, dass seine Tochter beginnt eigene Entscheidungen zu treffen. Wenn sie nicht nach seiner Pfeife tanzte, hing der Haussegen schief. Sie wußte zwar, was sie wollte, konnte sich ihm gegenüber aber nicht durchsetzen. “Ich fühlte mich so eingesperrt.”  Eine andere Patientin sagte mir, dass sie Angst empfinde, weil sie “keinen Boden mehr unter den Füßen” habe. In der Sitzung wird ganz schnell klar, dass sie sich genauso “bodenlos” fühlte, als sie mit 14 Jahren ihren Vater nach einer schweren Krebs-Erkrankung verlor. Die alte Hilflosigkeit kann sich in der Therapiesitzung lösen und beide können sich plötzlich – oh Wunder – vorstellen, ganz ruhig in einem Flugzeug zu sitzen. Beide können sich dann auch vorstellen, voller Vorfreude den Urlaub vorzubereiten.

Unbelastet von der Vergangenheit den Flug genießen.

Die Flug-Situation wird nicht mehr von alten Gefühlen, von alten Gefühlsblockaden überlagert. Meistens wirkt sich die Behandlung auch auf andere Bereiche ihres Erlebens aus, was sie jedoch erst nach der Behandlung spüren können.

So kann das dann aussehen, den Flug zu genießen.

Schönen Urlaub/ schöne Geschäftsreise für Sie!

Was sind Ihre Erfahrungen mit Flugangst?

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15. Oktober 2011

Gesund geschrieben…

…das ist der Titel des Buches meiner Kollegin Sigrid Schwarz aus Düsseldorf. Sie beschreibt darin den Behandlungsverlauf einer Patientin, der beinahe nur per Email stattfand.

Beziehungsunfähig und noch nie Sex gehabt

Laura Weiß (Pseudonym) war eine Frau Mitte Zwanzig, die unter Angst vor Nähe litt, noch nie Sexualität mit einem Mann erlebte und ziemlich gut darin war, alle Männer wieder in die Flucht zu schlagen. Das ist natürlich nicht das angemessenen Verhalten, um den Wunsch nach einer eigenen Familie wahr werden zu lassen. Mit diesem Anliegen meldete sich Lara Weiß im Jahr 1996 bei Sigrid Schwarz. Drei Jahre, einige persönliche Kontakte und vielen, vielen Emails später hat Laura etwas erreicht, von dem sie nicht einmal zu träumen wagte: sie hat eine tragfähige Beziehung zu einem Mann aufgebaut und sie ist schwanger.

“Gesund geschrieben” Dokumentation einer Verwandlung per Email

Die gesamte Zeit dazwischen, den ganzen Email-Verkehr können Sie in dem Buch “Gesund geschrieben” nachlesen. Bisher kenne ich es so, dass Therapeuten Behandlungsverläufe aus ihrer Sicht beschreiben und veröffentlichen. Wahrscheinlich ist es ein Novum, die Veröffentlichung der Veränderung des Erlebens und Verhaltens aus Sicht der Therapeutin und der Patientin nachlesen zu können. Und zwar nicht retrospektiv – sondern es sind die Original-Emails, die über drei Jahre hin- und hergesendet wurden. Sigrid Schwarz hat auf ihrer Homepage eine Leseprobe und noch andere Texte darüber eingestellt. Das Buch ist im Selbstverlag erschienen. Sie können es bei ihr per Email bestellen oder bei Amazon. Falls Sie das Thema interessiert – ich würde sagen: das lohnt sich!

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Ich spürte ganz deutlich, dass da ein Zwilling war.

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11. September 2011

Wer hat Angst vor kleinen Spinnen?

Die Gartenparty war in vollem Gange, als sie bemerkte, dass zwischen Dachrinne und dem Busch neben der kleinen Laube eine Spinne ihr handtellergroßes Netz gespannt hatte. Mittendrin saß sie, die großartige Architektin. Das Bier in ihrer rechten Hand war kühl, ebenso kühl war ihre Emotion. Überrascht – so kann sich das anfühlen. Fasziniert von der filigranen Bauweise des Netzes. So genau konnte sie sich das bisher nicht ansehen. Nein, es wäre immer noch nicht angenehm, sich vorzustellen, dass das Getier über ihren Körper krabbelt. Aber es ist vollkommen in Ordnung hier stehen zu bleiben und sich in die Schönheit des Spinnennetzes zu vertiefen, während das kühle Bier ihre Lippen benetzt. Wie sich das ändern konnte blieb ihr ein Rätsel.  Bis tief in die Nacht genoß sie es, mit ihren Freunden am Lagerfeuer im Gras zu sitzen. Noch zwei Wochen davor hätte sie sich nach Anbruch der Dunkelheit nicht auf den Balkon getraut und nun saß sie im Gras wo sie nicht wußte welches Insekt ihr als nächstes zu Lebe rücken konnte.

Zum Glück hatte die Therapeutin sie nach dem Traum gefragt.

Ob es etwas mit diesem Traum zu tun hatte? Der Traum, in dem diese schlimmste Nacht ihrer Kindheit ganz anders verlaufen war. Als sie die Bettdecke zurückschlug, um drunter zu schlüpfen sah sie  es sitzen: das schwarze Tier mit den acht Beinen. In ihrer Erinnerung war sie viel größer gewesen. Fast so als ob sie die Hälfte von ihrem Lebensraum eingenommen hätte. Und nun saß sie da, in einer Ritze des Balkens der Zimmerdecke. Sie sahen sich an. “Mama”, schrie sie. “Da sitzt eine Spinne über mir an der Decke.”  Die Mutter wußte wie sehr sie sich vor den Tierchen fürchtete und rückte an – bewaffnet mit einem Glas und einer Postkarte, um sie dingfest zu machen. Ein bißchen mußten die beiden jagen, aber bald hatten sie die Spinne im Glas. Der einzige Fluchtweg abgeschlossen durch die Postkarte wirkte das Tier noch kleiner als es tatsächlich war. Wenn sie sich nicht bewegen konnte wirkte sie gar nicht mehr gefährlich. Eigenartig wie viel Sicherheit es ihr gab, wenn ihre Mutter zu Hause war. Sie blickte auf das Glas und ihr war, als ob sie darin die Ereignisse ablaufen sah. Die Ereignisse dieser schlimmsten Nacht ihrer Kindheit. Ihre Mutter war arbeiten wie jeden Abend. Alleine für ein Kind zu sorgen war ja auch nicht gerade leicht. Da war sie froh, dass sie die Stelle als Serviererin gefunden hatte. Abends konnte sie ihre Kleine gut alleine lassen. Nur ein einziges Mal wurde sie von ihrer Tochter bei der Arbeit angerufen. Weil eine Spinne sie bedrohte. So ein Schmarrn. Als ob es in unseren Breiten Taranteln gäbe. Ich konnte sie überzeugen, in meinem Bett zu schlafen. Und danach hat sie mich nie wieder bei der Arbeit angerufen. Das war wie ihre Mutter es sah. Als sie sie entdeckte saß die Spinne auf dem Holzbalken. Sie blickte ihr direkt in die Augen. Starr vor Schreck konnte sie sich erst gar nicht rühren. “Mama!” Doch schreien machte keinen Sinn – sie war ja allein. Außer der Spinne und ihr gab es sonst nichts in dem Raum. Sie wußte dass es anders war. Aber ihre Wahrnehmung schien ihr einen Streich zu spielen. Sie konnte daran nichts ändern, so sehr sie sich auch bemühte. Und das machte sie nur noch hilfloser. Bei jeder Bewegung schien sie dem Tier ausgeliefert, schien sie angreifbarer zu sein als vorher. Irgendwie schaffte sie es nach einer gefühlt unendlichen Zeit, die Tür zu erreichen und diese von außen zu schließen. Dort sackte sie erstmal in sich zusammen und weinte. “Die Spinne ist jetzt da drin.” Das machte die Bedrohung kleiner. Aber verschwunden war sie nicht. Sie griff zum Telefonhörer und rief ihre Mutter an. “Deine Tochter hat Besuch vom Ungeheuer von Lochness.” Der Chef ging zu dieser Zeit ans Telefon und das waren die Worte mit denen er  ihr den Hörer in die Hand drückte. Die Stimme ihrer Mutter machte die Spinne noch etwas kleiner. So konnte sie sich etwas beruhigen. Als die Mutter ihr dann erlaubte, für diese Nacht in ihrem Bett zu schlafen fühlte sie sich auch noch etwas wärmer und es wurde heller um sie.

Je älter sie wurde, desto ausgeprägter wurde ihre Spinnenphobie.

Mit den Jahren wurde sie größer. Und mit ihr die Angst vor den kleinen Spinnen. Und obwohl sie wußte, dass diese ihr nichts tun konnten, war es unmöglich ein Fenster offen zu haben, ohne dass ein Fliegengitter dran war. Sie mußte die Tür zum Balkon nach den Tierchen absuchen wenn sie sie öffnete. Es war undenkbar, nach Anbruch der Dunkelheit auf dem Balkon zu sitzen – geschweige denn die Füße unter einen nicht vorher untersuchten Tisch zu strecken. Und das alles nicht wegen einer Spinne – sondern wegen einer nicht daheim gewesenen Mutter – wegen einer nicht empfundenen Sicherheit. Das wußte sie jetzt, wo die Farbe der Postkarte so viel Wärme in das Licht zaubern konnte. Das faszinierte sie.  Das Licht war genauso warm wie das Bauchgefühl das der Traum ihr schenkte.

Es war gar nicht die Spinne, vor der sie sich immer gefürchtet hatte.

Wie wohl sie sich fühlte und das obwohl sie gerade die Spinne beobachtete. Sie genoß es, dass ihr Gefühl ihr sagte was auch ihre Gedanken wußten: Die Spinne ist klein und nebensächlich. Es war gar nicht die Spinne vor der sie sich immer gefürchtet hatte. Es war die fehlende Sicherheit wenn ihre Mutter nicht da war. Und die Wärme des Lagerfeuers ließ sie die Sicherheit noch mehr spüren. Jeden einzelnen Schluck von ihrem Bier konnte sie genießen.

Die Geschichte ist natürlich frei erfunden. Aber sie hätte sich so zutragen können.

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8. März 2011

Procrastination oder wie man Schönes hervorbringt

Sie mögen keine Fremdwörter? Aufschieberitis hätte ich auch sagen können… Oder von der Kunst, den ganzen Tag mit Tätigkeiten auszufüllen, die zwar nützlich jedoch nicht wirklich wichtig waren und ich mir am Abend ein schlechtes Gewissen machen , weil ich nicht das getan habe, was ich mir vorgenommen hatte.

Genau dieses Phänomen wurde von den Autoren im folgenden Video in einer Metapher umgesetzt. In der Hypnotherapie arbeiten wir viel mit Bildern, deshalb gefällt mir das Video besonders gut.

Und was kann ich tun, wenn ich unter Prok… ach unter Aufschieberitis leide? Hypnosetherapie kann helfen, dass in Zukunft das Papier nicht mehr weiss bleibt…

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15. Juni 2010

Unterstützung zum Abnehmen?

Sie möchten gerne Gewicht reduzieren – schaffen es alleine nicht? Es gibt entweder die Möglichkeit, sich Begleitung zu holen in Form von Beratung oder Therapie. Eine andere Möglichkeit bietet die Internet-Platform “meiga“.

Unter dem Slogan gemeinsam.einfach.abnehmen. besteht dort die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und Erfolgsgeschichten anzusehen. Sie können im Forum diskutieren, an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen, oder einfach Rezepte nachkochen. Das Motto “Gemeinsam geht es einfacher” gefällt mir sehr gut und ich empfehle diese Platform.

21. April 2010

mentale Herz-OP?

Zur Vorbeugung gegen Herzbeschwerden oder zur Behandlung gleichermaßen geeignet ist das Buch Revolution in der Herztherapie von Dr. Dean Ornish. Er zeigt einen Weg auf, wie vollkommen ohne Medikamente sogar wieder verschlossene Herzkranzgefäße geöffnet werden können.  Aber auch für Gesunde ist es hilfreich, um das Herz zu stärken. Das Buch ist gleichermaßen für den Anwender oder für Therapeuten und Ärzte geeignet. Jeder, der gerne mit Bildern und Visualisierungen arbeitet wird dabei auf seine Kosten kommen.

Ornish leitet in Kalifornien ein Institut für Präventivmedizin und hat mehrere Bestseller geschrieben.  Hier der Link zu einer Rezension bei Amazon und hier geht’s direkt zum Buch:

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10. April 2010

Deprimierende Neuigkeiten über Antidepressiva

Bei Newsweek online habe ich einen sehr kontroversen Artikel über den Effekt von Antiepressiva gefunden. Er ist in englischer Sprache, deshalb schreibe ich hier ein wenig über den Inhalt.

Studien legen nahe, dass die derzeit verwendeten Medikamente gegen Depression nicht viel wirksamer seien als Placebos. Tatsächlich könne es sogar sein, dass diese als Nocebo wirken.

Der Autor folgert böse, dass es sich bei den derzeit verschriebenen Medikamenten einfach nur um teure Bonbons handeln könnte. Daraus folgert er ein moralisches Dilemma, da die Wirksamkeit auf Glaube, Erwartung und Hoffnung beruhen könnte.

Es ist immer schwierig, aufgrund einer einzigen Studie eine Aussage auf die Wirkung der untersuchten Thematik zu treffen. Wenn jedoch dies stimmt, dann ist das ein Skandal. Dann wären vom selben Artz oder Therapeuten verordnete Kräuterbonbons genauso wirksam – und nicht so belastend.

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