Archiv für ‘Hirnforschung’

18. März 2012

Buchrezension: codes – Die geheime Sprache der Produkte

Das menschliche Gehirn ist bestens dazu geeignet,
mehr als eine Sprache gleichzeitig zu sprechen.”
(Prof. Dr. Petra Schulz)

Schon als Kind faszinierten mich Geheimsprachen. Ich dachte mir immer noch kompliziertere Codes aus, die andere entziffern sollten. Ich lernte das Morse-Alphabet und litt ziemlich darunter, dass ich niemanden hatte, der bereit war, es mir gleich zu tun. Keiner wollte das auch lernen, damit wir uns verständigen konnten.

Sprachen lernen – ein Automatismus

In der Schule lernte ich dann andere Sprachen: Englisch und Französisch. Erst als ich meine erste Reise in die USA unternahm entdeckte ich den praktischen  Nutzen, eine Fremdsprache zu sprechen  - ich wurde verstanden und hatte meine Freude daran, mich in der Fremdsprache auszutauschen. Und während des Psychologie-Studiums lernte ich dann, dass mein Gehirn diese Fähigkeit – Sprache zu lernen – auch für ganz andere Verknüpfungen nützt. Heute ist diese Fähigkeit die Grundlage für meine therapeutische Arbeit. Das menschliche Gehirn lernt Regeln und kann diese auch wieder verlernen bzw. umlernen – ebenso wie es auch ganz automatisch sie Muttersprache gelernt hat. Alle Regeln haben wir im Kopf, wenden sie an – können sie jedoch nicht reproduzieren wenn wir danach gefragt werden. Das gute daran ist: Wir können diese Verknüpfungen nützen. Und genau davon handelt dieses Buch:

codes – Die geheime Sprache der Produkte

Es fällt ins Auge weil es in eine Signalfarbe gekleidet ist. In Signal-orange verpackte 215 Seiten Neuromarketing der Spitzenklasse. Es läßt sich leicht und spannend lesen – ein Fachbuch, bei dem das Lesen Spaß macht. Das Buch wurde bei Haufe verlegt und es kann hier direkt bestellt werden. Die zehn Kapitel bauen aufeinander auf und der Text ist immer wieder mit Grafiken, Bildern und Schaubildern aufgelockert. Wichtige Sätze sind schon gelb markiert – als ob sich jemand bereits mit Leuchtmarker für Sie durchs Buch gearbeitet hätte.

Multimediale Umsetzung: Buch, videos, App

Bei bloggdeinbuch habe ich mich für codes interessiert, weil es auch von Gehirnforschung handelt. Und so ist es voll gespickt mit Links zu kleinen Videos, in denen sich der Leser die Hintergründe aus der Hirnforschung ansehen kann. Mittels Link oder des abgedruckten QR-Codes wird der Leser auf die decode-Seite geleitet, die Videos bereitstellt. Hier finden Sie zum Beispiel das Video aus der Reihe Geist & Gehirn von Manfred Spitzer, wo er beschreibt, dass mentale Verknüpfungen bestehen zwischen Eigenschaften und mentalen Konzepten. Ganz konkret geht es um Experimente dazu, wie die Wärme eines Kaffees die Einschätzung von “psychischer Wärme” verändern kann..

Das gesamte Buch ist nun in zwei Teile gegliedert: Theorie und Praxisbeispiele. Zunächst handelt es davon wie so ein Produkt in den Kopf kommt. Dabei spielt die Verpackung eine wichtige Rolle, denn die wird ja wahrgenommen.

Was steht drin im Buch?

Das Buch ist thematisch in aufeinander aufbauenden Kapiteln gegliedert. Zunächst erfahren Sie von den Grundlagen aus der Hirnforschung. Dann etwas darüber, wie ein Produkt in unseren Kopf gelangt – nämlich über die Verpackung. Und schließlich verraten die Autoren (Christian Scheuer, Dirk Bayas-Linke, Johannes Schneider) das Geheimnis wie Sie Ihr Produkt mit den Zielen (also den Bedürfnissen) des Käufers verbinden können. Bei den Beispielen haben die Autoren darauf geachtet, nicht nur Erfolgsstories vorzustellen, sondern geben dem Leser auch die Möglichkeit, von Projekten zu lernen, die gescheitert sind und nennen die Hypothesen worauf das Scheitern beruhte. Viele Menschen sind an Geheimnissen interessiert. Und dieses Buch ist voll davon! Von 5 möglichen Sternen erhält das Buch von mir 5 (Aufmachung, Inhalt, Spannung, Sprache, Praxisbezug)

Und hier geht’s zur App zum Buch

Wer noch mehr Praxisbezug möchte, der findet bei Haufe auch noch eine App fürs iPhone. Hier können Sie ein virtuelles Auge auf Ihre Produkte richten lassen, um herauszufinden, was ein Käufer von Ihrem Produkt im ersten Moment wahrnimmt. Mein Fazit: Das Buch macht Spaß – und das ist ein ganz wichtiges Bedürfnis eines jeden Menschen.

Hier finden Sie das Buch bei Amazon: 

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19. Februar 2012

Schlaganfall einer Hirnforscherin – Faszinierende Erfahrung!

Wieso heißt es, wenn wir zu Gott sprechen,
dass wir beten – und wenn Gott zu uns spricht,
dass wir schizophren sind? (Lily Tomlin)

Ihr Wunsch, Forscherin zu werden entstand durch die Erkrankung ihres Bruders. Die Familie war hilflos seiner Schizophrenie ausgeliefert und Jill Bolte Taylor fragte sich, warum ihr Bruder nicht konnte was sie kann: Seite Träume wahr werden lassen? Seine Träume mit anderen Menschen zu teilen? Also befaßte sie sich beruflich viel mit Psychiatrischer Forschung.

Das Gehirn von innen entdecken

Sie kannte sich mit der Zeit sehr gut aus mit dem Gehirn. Dabei befaßte sie sich mit Lernmechanismen, die im Gehirn beobachtbar waren: Plastizität. Das ist die Tatsache, dass Gehirnzellen nicht ihr Leben lang für eine bestimmte Aufgabe verantwortlich sind. Fällt diese weg, stehen die Zellen für neue Aufgaben zur Verfügung. Oder anders ausgedrückt. Die Aktivität unserer Gehirnzellen ist ganz stark davon abhängig wie wir das Gehirn gebrauchen! Und am Abend engagierte sie sich bei einer Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Bevölkerung über psychische Krankheiten aufzuklären: die NAMI (National Alliance on Mental Illness) Im Inneren des Gehirns kannte sie sich also schon gut aus.  Jedoch sollte sie sich bald noch besser darin auskennen…

Ein einschlagendes Ereignis

Im Dezember 1996 hatte sie die Möglichkeit, eine schlagartige Einsicht zu erlangen: sie erlitt selber einen Schlaganfall. Sie sagt selber über sich, dass sie plötzlich zu einem Kind wurde, das in einem erwachsenen Körper steckte. In ihrer linken Gehirnhälfte platzte ein Blutgefäss. Sie sagt, an diesem Morgen habe sie etwas verloren. “Komisch sieht mein Körper aus.” waren ihre Gedanken als sie danach in ihrem Rudergerät trainierte. Aber sehen Sie selbst den Vortrag, in dem sie ihr Erlebnis erzählt.

Wieviele Hirnforscher haben die Möglichkeit, einen Schlaganfall am eigenen Leib zu erfahren?

Gewünscht hatte sie es sich sicherlich nicht – dass es ihr selber passieren würde. Aber seit es geschehen ist fasziniert sie mit ihren Erlebnissen das Publikum.

Sie war oft hin- und hergerissen zwischen dem was sie wußte und was sie durch ihren Schlaganfall erlebte: die Grenzen zwischen sich und der Umwelt lösten sich auf. Und wie wenn jemand eine Fernbedienung betätigt hatte war es plötzlich still in ihrem Kopf. Stille. Eins mit allem. Schönheit. Was war es nun, das sie verloren hatte? Oder hatte sie etwas gefunden? Sie nennt es Nirvana. Alles um sie herum war still. Absolute Stille. Im Kopf war es still. Was hatte sie gefunden? Sie erlebte sich eins mit allem um sich herum. Sie war hin- und hergerissen zwischen “Wow ist das cool! Was für ein Frieden!” und “He, wir haben ein Problem, das geht doch so  nicht! Ich habe jetzt keine Zeit für einen Schlaganfall” Der ganze Streß war weg, Jahre von emotionalem Ballast! Stille. Friedfertigkeit. “Toll, wieviele Forscher haben die Möglichkeit, einen Schlaganfall von innen her zu erforschen? Geht nicht, ich bin eine viel beschäftigte Frau.” Und selbst eine Telefonnummer zu wählen wird plötzlich zu einem Abenteuer, bei dem Sie schließlich mit einem Golden Retriever verbunden war.

Und das Fazit von Dr. Jill Bolte Taylor?

Ich merkte, dass ich nicht mehr der Regisseur meines Lebens war. Vom Leben hatte ich mich bereits verabschiedet und war sehr überrascht, als ich wieder aufwachte. Wie ein riesiger Wal glitt ich durch ein Meer stiller Freude. Ich hatte eine schlagartige Einsicht: Wenn ich das Nirvana gefunden habe und immer noch am Leben bin – dann kann das jeder! Ich finde, das ist eine Idee, die es wert ist, zu verbreiten!

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Bild: Kip May (c) thank you for permission to publish

28. Dezember 2011

Märchen sind doch Kinderkram!

Nicht die Kinder bloß
speißt man mit Märchen ab.
(Gottfried Ephrahim Lessing)

Durch meinen Beitrag über Märchen habe ich einige Anfragen erhalten und möchte das gerne als Anlass nehmen noch mehr darüber zu schreiben.

Ein Märchenbuch, das ich empfehlen kann

Märchen sind doch Kinderkram! Sehen Sie hier eine grimmige Geschichte, die den Namen auch verdient hat:

Definitiv nichts für Angsthasen. Eine Märchen-Sammlung, bei der die Helden nur aus Hänsel und Gretel bestehen.

Wie macht es unser Gehirn, aus Märchen zu lernen?

Schon immer hatte ich mich gefragt wie unser Gehirn es wohl macht, die Grammatik der Muttersprache zu lernen. Prof. Dr. Manfred Spitzer beantwortet es mir indem er mit erklärte wie das Gehirn Regeln lernt.

Und Regeln gibt es nicht nur in der Grammatik, sondern alle möglichen sozialen Beziehungen laufen durch mehr oder weniger bewusste oder unbewußte Regeln ab. In diesem Video geht er zuerst darauf ein, was Spuren im Schnee mit unserem Gedächtnis zu tun haben. Er erklärt dann die Müller-Lyer-Täuschung und wie man daran einen Automatismus erklären kann. Und schließlich erzählt er wie Kinder die Grammatik lernen – mit Beispiel, ich finde es sehr faszinierend!

Die Wiege der Märchen Erzähler?

Bild: Im Theater spielt man auch Märchen...

Viele Märchenerzähler kommen aus Persien. Als ich zum ersten Mal die Lesung eines echten Märchenerzählers erlebte war ich aufgeregt. Rafik Schami las  aus seinem neuen Buch – ich glaube es war das Geheimnis des Kalligrafen. Die Bücher und Hörbücher von ihm kann ich nur wärmstens empfehlen. Auch Nossrat Peseschkian ist persischer Herkunft und hat sich als Psychiater & Psychotherapeut dem Märchen Erzählen verschrieben. Damit begründete er eine therapeutische Richtung, die er Positive Psychotherapie nannte. In meiner Kindheit vergrub ich mich mit Vorliebe in die Märchenbücher von Elsa S. Kamphoevener. Sie erzählte orientalische Märchen so schön, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte mit Lesen. Und auch sie hat ihre Wurzeln im persischen Reich – Jahre ihrer Kindheit hat sie dort verbracht und ihr Vater führte sogar den Titel eines Paschas.

Welche Märchen sind empfehlenswert?

Ich möchte weniger die Märchen selber empfehlen. Sondern was ich wichtig finde ist, einen Märchenerzähler zu finden, der sein Fach wirklich liebt. Nur wer mit Begeisterung bei der Sache ist kann auch andere begeistern. Deshalb kann ich vorbehaltlos alle Bücher und Märchen von den vorgenannten Autoren empfehlen. Und noch ein weiteres Buch. Er läßt sich nicht in die persische Tradition einreihen, ist aber ein hervorragender Märchen-Erzähler: mein Kollege Stefan Hammel. Sein Buch Der Grashalm in der Wüste ist eine hervorragende Sammlung von Geschichten zum Vorlesen in allen Lebenslagen. Und in seinem Blog stellt er tolle Geschichten auch zum Download zur Verfügung.

Und das Fazit zu den Märchen?

Und? Sind Märchen Kinderkram? Wenn Sie davon überzeugt sind, dann lesen Sie nicht die folgenden Bücher. Denn wenn Sie es ohne Begeisterung tun, dann können Sie es sich sparen! Dann lesen Sie aber auch niemandem ein Märchen vor… die Zeit können Sie sinnvoller nützen – und die Kinder, die Ihnen zugehört hätten auch!

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Bild: National Library of Ireland (cc)

29. November 2011

So geht’s nicht mehr weiter – jetzt ändere ich was!

Viele Menschen möchten sich verändern. Das ist der Auftrag wenn jemand zu mir in die Praxis kommt. Die Spinnenangst soll weg, die Angst es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette zu schaffen soll weg, diese Wut soll verschwinden wenn ich im Kino oder im Bus sitze und höre wie jemand einen Kaugummi kaut oder die Eifersucht soll verschwinden. Die meisten wissen, dass es an ihnen liegt, etwas zu verändern, sie sind jedoch ratlos wie sie das machen sollen. Sie haben schon sehr viel unternommen, ihr Ziel jedoch nicht erreicht. Woran kann das liegen?

Aber Veränderung hat nicht nur mit Therapie zu tun – auch wenn Sie gerade eine Ausbildung machen, wenn Sie lernen sind Sie auf dem Weg der  Veränderung. Wenn ich es genau nehme, dann sind alle Menschen ständig im Veränderungsprozeß.

Denn unser Gehirn ist auf zwei Dinge spezialisiert: Zum einen, zu lernen, also Strukturen zu verändern – und zum anderen diese Strukturen dann ganz automatisch immer wieder abzuspielen. Sehen Sie dazu den Vortrag von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer mit dem Thema “Wie lernt das Gehirn?”

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Wunderbar! Nur was ist, wenn mein Gehirn nicht das speichert, was mir gut tun, sondern was mir schadet? Was wenn es Programme abspielt mit denen ich mich unwohl fühle? Also was wenn Sie die Programme und gespeicherten Strukturen ändern wollen? Dann ist es gut, sich in der Architektur der Seele und in der Architektur des Gehirns auszukennen. Dazu habe ich heute einige Links ausgesucht. Zum einen der Blog-Artikel von meinem Kollegen Roland Kopp-Wichmann, wo er von seiner ersten Radio-Sendung erzählt zum Thema: “Das Leben ändern – aber wie?” Hier lesen (oder hören) Sie die psychischen Faktoren der Veränderung.

Zum anderen zum Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther zum Thema “Der Mensch – so verändert sich unser Gehirn im Umfeld von Unsicherheit” Genießen Sie seine lebendige Art, vorzutragen!

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Und was wollen Sie verändern? Ich freue mich über Ihren Kommentar!

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20. November 2011

Schmerz lass nach!

Wenn zu mir jemand in die Praxis kommt mit dem Wunsch der Schmerzreduktion ist für mich eines wichtig: Es muss von einem Arzt abgeklärt sein, dass es keine aktuelle körperliche Ursache für den Schmerz gibt. Erst dann beginne ich damit, den Menschen darin zu unterstützen, seine Schmerzen zu reduzieren oder gar ganz auflösen. Dabei arbeite ich mit Hypnosetherapie.

Schmerz und Hirnforschung

Mein Ansatz dahinter ist einfach. Schon der Begründer der Psychoanalyse Siegmund Freud beobachtete, dass unbewältigte Erfahrungen sich in körperlichen Beschwerden niederschlagen können. Er hatte seine eigene Theorie wie dies von statten geht und nannte diesen Abwehrmechanismus Konversion. Von den Verhaltenspsychologen wurde er oft belächelt, da seine Annahmen reine Theorie waren und nicht mit harten Daten untermauert war. Die moderne Hirnforschung liefert heute Beweise, dass er so schlecht gar nicht lag. Freilich liefern die Forschungsergebnisse nicht den Beweis, dass seine Theorie richtig ist. Vielmehr kann die moderne Hirnforschung zeigen, dass emotionaler Schmerz (wie zum Beispiel auch Eifersucht) im selben Zentrum im Gehirn verarbeitet wird wie körperlicher Schmerz.

Die Signales des Körpers verstehen lernen.

Die meisten Menschen, die zu mir kommen weil sie unter Schmerzen leiden verstehen nicht, was ihr Körper ihnen durch den Schmerz sagen möchte. In einer anderen Situation wäre dies einfacher. Wenn dieselbe Person ihre Hand auf die Herdplatte legte wäre offensichtlich, dass der Schmerzreiz eine Schutzfunktion auslösen soll – nämlich, dass die Hand in Sekundenbruchteilen zurückgezogen wird, um Verbrennungen zu vermeiden.

Hier sehen Sie wie die Schmerzleitung funktioniert. Ich behaupte jetzt einfach, dass der Mechanismus bei seelischen Schmerzen genau gleich ist wie bei körperlichem Schmerz. Nur hier haben wir die Möglichkeit, uns den seelischen Schmerz auszureden, ihn herunterzuspielen oder auf alle erdenklichen Weisen umzuinterpretieren. Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass dieser Schmerz vorhanden ist. Vergeht dann noch ein wenig Zeit, sind wir nicht mehr in der Lage das auslösende Ereignis mit dem Schmerz in Beziehung zu setzen. Das Gehirn verarbeitet ihn und mit der Zeit zeigt er sich körperlich. Wir haben körperliche Schmerzen. Dieser Zusammenhang wird nicht gleich klar, weil oft die Ursache in der Vergangenheit liegt.

Den Schmerz auflösen.

Die gute Nachricht dabei ist, dass sich dieses Prinzip auch umkehren läßt: Löst sich der seelische Schmerz, reduzieren sich oder verschwinden auch die körperlichen Beschwerden. Aber zunächst noch mehr dazu: Schmerz ist subjektiv und es ist nicht möglich, ihn von außen zu messen. Er wird auch von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich empfunden. Was aber allen gemeinsam ist: Schmerz ist ein Notsignal, das den Organismus schützen soll. Laß das, es tut weh! Wenn jemand auf dieses Signal bei seelischem Schmerz nicht reagieren kann steckt meistens ein Konflikt dahinter. Denn der Schmerz wird in den überwiegenden Fällen von nahestehenden Menschen zugefügt. Manchmal absichtlich – dann fällt es leichter sich zu wehren. Meistens jedoch unabsichtlich – und die Betroffenen stehen vor der unlösbaren Aufgabe, den Schmerz loswerden zu wollen, aber den nahestehenden Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen. Oft stammt der Konflikt auch aus der Kindheit, aus einer Zeit als der Betroffene sich selber noch nicht schützen konnte und den Schutz von den Eltern nicht bekommen hat. Oft resultieret Schmerz auch aus traumatischen Erfahrungen und hilfreich ist Traumatherapie. Genauso wie eine Beziehung Schmerz zufügen kann ist es auch möglich, dass eine gute Beziehung hilft Schmerz zu reduzieren oder ganz zu bewältigen.

Der Schmerz läßt nach.

Es scheint, als ob das Gehirn solange in einer Schleife den ungelösten Konflikt immer wieder durchspielt bis er gelöst ist. Als Beispiel möchte ich von einer Frau schreiben, die Schmerzen empfindet beim Geschlechtsverkehr. Hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es unangenehme Erlebnisse gab aus der Vergangenheit, die ungelöst sind. Das kann ein körperlicher Missbrauch sein – muß aber nicht. Es reicht, wenn sie als Kind einen Vertrauensmissbrauch erlebte – es gibt irgendein Erlebnis in der Vergangenheit, bei dem ihr als kleines Mädchen seelischer Schmerz zugefügt wurde. Dieses Ereignis – das kann auch eine Enttäuschung durch den Vater sein – erzeugt eine emotionale Blockade und bevor die nicht gelöst ist bleibt der Schmerz.

Ein anderes Beispiel wäre eine Projektleiterin, die seit Jahren unter Schmerzen in der Schulter leidet. Gleichzeitig mit Schmerzbeginn hat sie ein Projekt übernommen, das ihr eigentlich zu viel ist, weil sie sich thematisch damit gar nicht ganz auskennt und noch immer dabei ist, sich einzuarbeiten. Sie fühlt sich überfordert und hat Sorge, ob sie der Verantwortung gerecht wird. Nach einem Gespräch mit ihrer Vorgesetzten, in dem ihr zugesichert wird, dass sie durch einen anderen Kollegen kollegiale Supervision erhält verschwinden ihre Schulterschmerzen – sie fühlt sich spürbar entlastet und hat jetzt die Einschätzung, der Aufgabe gewachsen zu sein.

Genauso ist meine Erfahrung in meiner täglichen Arbeit: löst sich der emotionale Schmerz aus der Vergangenheit, löst sich auch der körperliche Schmerz auf. Was für eine Erleichterung – der Schmerz  läßt nach!

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21. Oktober 2011

#solea11 – Die Social Learning Blogparade 2011

Zum ersten Mal mache ich bei einer Blogparade mit, der Social Learning Blog Parade. Die genauen Hintergründe erfahren Sie bei Julian Grandke aus Konstanz und Cornelie Picht aus Nürnberg. Entstanden aus einer Interaktion bei Twitter und dann per Email interessieren sich die beiden dafür, wie Soziales Lernen in der Anwendung heute aussieht. Ich beantworte dazu einfach die Fragen, die die beiden stellen:

Was ist aus meiner Sicht Social Learning?

Ich bin ja nun Diplompsychologin und habe einiges über das Lernen gelernt. Aus der Kommunikations-Forschung weiß ich: Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren (P. Watzlawick, 1. Axiom) Und die moderne Hirnforschung lehrt uns: Der Mensch kann nicht nicht Lernen (Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer). Unser Gehirn ist darauf spezialisiert zu lernen und das Gelernte ständig zu wiederholen. Aus meiner Sicht ist es wichtig zu wissen, was die optimalen Bedingungen für erfolgreiches Lernen sind, um das Soziale Lernen zu verstehen. Das sind meines Erachtens genau drei Kennzeichen:

1. Körperliche Grundlage: Wie unser Gehirn lernt

Die Forschung zeigt: Je weniger Streß wir haben, desto besser lernen wir. Stressoren kann niemand ganz ausschließen, das heißt es geht darum, seine persönlichen Stressoren zu kennen, um adäquat darauf reagieren zu können. Am besten ist es, dies auch den anderen mitzuteilen, damit diese sich darauf einstellen können.

2. Mentale bzw. ethische Grundlage: Bereitschaft zum Teilen von Wissen

Im Computerzeitalter ist Wissen längst frei verfügbar im Netz. Als im Jahr 2004 mein Studium beendete stand die Forschung erst am Anfang was das Thema „Teilen von Wissen“ betrifft. Damals hielt ich es nicht für möglich, dass Menschen einfach so bereit sind, ihr Wissen zu teilen. Heute ist es schon gelebte Realität. Noch nicht 100 %, aber wir sind ja noch beim Lernen. Da hilft es nichts, wenn einzelne noch zurückhaltend sind und denken, sie könnten es verkaufen. An anderer Stelle gibt es das längst umsonst. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der potenzielle Käufer die kostenlose Quelle entdeckt und schwups ist die Kundschaft weg. Was verkauft werden kann ist die Dienstleistung – also das Können. Und ich habe mich sehr gewundert, dass gerade die IT-Branche mit ihren open source Anwendungen uns vormachte wie es geht. Dieser Branche wurde bis dato ja eine mangelnde Soziale Kompetenz nachgesagt. Und genau diese Branche zeigt uns wie es geht und beweist der Welt das Gegenteil. Das hat mich beeindruckt.

3. Interaktive Grundlage: Die Beziehung zum anderen

Auch das wissen wir aus der Kommunikations-Forschung: Der Inhalt, den wir transportieren kommt an auf der Grundlage wie gut die Beziehung zum anderen ist. Doch was ist das, diese ominöse Beziehung? Woraus besteht sie? Und vor allem woraus besteht sie, wenn ich im Netz kommuniziere? Es ist das Vertrauen, das ich zum anderen habe (die Nähe, die ich aufgrund dessen zulasse) und die Hierarchie, die zwischen uns besteht (bestenfalls Augenhöhe). Je sympathischer unser Gegenüber ist, von dem wir lernen, desto besser lernen wir. Spätestens seit der Entdeckung der Spiegelneurone dürfte klar sein, dass Lernen kein isoliertes Geschehen darstellt, sondern vielmehr interaktiv stattfindet. Wertschätzung, Empathie, Autentizität und Transparenz sind hier die Zauberworte. Meine Prognose lautet also: Die Erfolgreichen im Netz werden die sein, die eine hohe Soziale Kompetenz besitzen und für die Gesamtheit nützlich sind!

Welche Tools und Methoden haben mich begeistert?

Es sind weniger Tools, die mich hier begeistern, sondern vielmehr Menschen, die eine gewisse Grundhaltung mir gegenüber zeigen. Diese ermöglicht mir, einen schnellen und nachhaltigen Lernerfolg zu erreichen. Diese Haltung ist geprägt von Offenheit, Wertschätzung, Empathie und Authentizität. Aus meiner Sicht sind die Tools selber eher ein Ergebnis des Social Learning. Diese werden ja ständig weiter entwickelt.

Wie sieht meine ideale persönliche Lernumgebung aus?

Meine Umgebung muss ästhetisch sein und ruhig. Störquellen tun mir beim Lernen gar nicht gut. Ich bin eher introvertiert und brauche Pausen und Rückzug zum Aufladen meiner Batterien. Dann brauche ich Menschen, mit denen ich mich austauschen kann und die mir ehrlich ihre Meinung sagen. Von den Tools nütze ich Webseite, Blog und Twitter. In den sozialen Netzwerken (Google+ oder facebook) bin ich geschäftlich noch nicht so viel unterwegs.

Wie weit ist ein Mentalitätswandel hin zu kooperativem Lernen im Netz schon verwirklicht?

Im Netz beobachte ich immer mehr, dass Menschen mit ihrem echten Namen auftreten, das gehört für mich zur Grundlage, Transparenz ist wichtig. Eine tragfähige Beziehung – auch im Netz – kann ich nur durch Transparenz aufbauen. Menschen sind in einem ganz hohen Maß bereit, ihr Wissen kostenlos mit anderen zu teilen. Gleichzeitig werden die Tools des Web 2.0 von immer mehr Menschen angewendet und auch verstanden. Für mich selber war zum Beispiel ein Blog bisher einfach nur ein Tagebuch, in dem ich Artikel veröffentlichte. Mir war nicht klar, was für ein mächtiges Kommunikations-Instrument es darstellt, mich damit auch mit anderen zu vernetzen.

Wie könnte/sollte sich Social Learning in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich beobachte eine ganz große Offenheit und so gehe ich davon aus, dass die gegenseitige Unterstützung noch mehr zunehmen wird. Jemand hat eine Frage, ein Problem – stellt sie ins Netz – und dort schlagen andere eine Lösung vor. Aus meiner Sicht wird es eine bedürfnisorientierte bzw. interessenorientierte Bildung von sozialen Gemeinschaften geben. Denn auch das soziale Lernen muss sich ja am Menschen orientieren. Das Internet verbindet. Und was uns Menschen verbindet, was allen gemeinsam ist, sind Bedürfnisse. Wie das konkret in der Zukunft aussehen wird, davon habe ich noch keine Vorstellung.

Die Blogparade läuft bis zum 27.10.2011

Was sind Ihre Erfahrungen zum Social Learning?

Ich freue mich Über Ihren Kommentar oder wenn Sie diesen Artikel weiterempfehlen. Hier der Short-Link: http://tiny.cc/8vtu4

Ich möchte noch zwei Bücher empfehlen, die aus meiner Sicht mit dem Social Learning zu tun haben:

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