Archiv für September 11th, 2011

11. September 2011

Wer hat Angst vor kleinen Spinnen?

Die Gartenparty war in vollem Gange, als sie bemerkte, dass zwischen Dachrinne und dem Busch neben der kleinen Laube eine Spinne ihr handtellergroßes Netz gespannt hatte. Mittendrin saß sie, die großartige Architektin. Das Bier in ihrer rechten Hand war kühl, ebenso kühl war ihre Emotion. Überrascht – so kann sich das anfühlen. Fasziniert von der filigranen Bauweise des Netzes. So genau konnte sie sich das bisher nicht ansehen. Nein, es wäre immer noch nicht angenehm, sich vorzustellen, dass das Getier über ihren Körper krabbelt. Aber es ist vollkommen in Ordnung hier stehen zu bleiben und sich in die Schönheit des Spinnennetzes zu vertiefen, während das kühle Bier ihre Lippen benetzt. Wie sich das ändern konnte blieb ihr ein Rätsel.  Bis tief in die Nacht genoß sie es, mit ihren Freunden am Lagerfeuer im Gras zu sitzen. Noch zwei Wochen davor hätte sie sich nach Anbruch der Dunkelheit nicht auf den Balkon getraut und nun saß sie im Gras wo sie nicht wußte welches Insekt ihr als nächstes zu Lebe rücken konnte.

Zum Glück hatte die Therapeutin sie nach dem Traum gefragt.

Ob es etwas mit diesem Traum zu tun hatte? Der Traum, in dem diese schlimmste Nacht ihrer Kindheit ganz anders verlaufen war. Als sie die Bettdecke zurückschlug, um drunter zu schlüpfen sah sie  es sitzen: das schwarze Tier mit den acht Beinen. In ihrer Erinnerung war sie viel größer gewesen. Fast so als ob sie die Hälfte von ihrem Lebensraum eingenommen hätte. Und nun saß sie da, in einer Ritze des Balkens der Zimmerdecke. Sie sahen sich an. “Mama”, schrie sie. “Da sitzt eine Spinne über mir an der Decke.”  Die Mutter wußte wie sehr sie sich vor den Tierchen fürchtete und rückte an – bewaffnet mit einem Glas und einer Postkarte, um sie dingfest zu machen. Ein bißchen mußten die beiden jagen, aber bald hatten sie die Spinne im Glas. Der einzige Fluchtweg abgeschlossen durch die Postkarte wirkte das Tier noch kleiner als es tatsächlich war. Wenn sie sich nicht bewegen konnte wirkte sie gar nicht mehr gefährlich. Eigenartig wie viel Sicherheit es ihr gab, wenn ihre Mutter zu Hause war. Sie blickte auf das Glas und ihr war, als ob sie darin die Ereignisse ablaufen sah. Die Ereignisse dieser schlimmsten Nacht ihrer Kindheit. Ihre Mutter war arbeiten wie jeden Abend. Alleine für ein Kind zu sorgen war ja auch nicht gerade leicht. Da war sie froh, dass sie die Stelle als Serviererin gefunden hatte. Abends konnte sie ihre Kleine gut alleine lassen. Nur ein einziges Mal wurde sie von ihrer Tochter bei der Arbeit angerufen. Weil eine Spinne sie bedrohte. So ein Schmarrn. Als ob es in unseren Breiten Taranteln gäbe. Ich konnte sie überzeugen, in meinem Bett zu schlafen. Und danach hat sie mich nie wieder bei der Arbeit angerufen. Das war wie ihre Mutter es sah. Als sie sie entdeckte saß die Spinne auf dem Holzbalken. Sie blickte ihr direkt in die Augen. Starr vor Schreck konnte sie sich erst gar nicht rühren. “Mama!” Doch schreien machte keinen Sinn – sie war ja allein. Außer der Spinne und ihr gab es sonst nichts in dem Raum. Sie wußte dass es anders war. Aber ihre Wahrnehmung schien ihr einen Streich zu spielen. Sie konnte daran nichts ändern, so sehr sie sich auch bemühte. Und das machte sie nur noch hilfloser. Bei jeder Bewegung schien sie dem Tier ausgeliefert, schien sie angreifbarer zu sein als vorher. Irgendwie schaffte sie es nach einer gefühlt unendlichen Zeit, die Tür zu erreichen und diese von außen zu schließen. Dort sackte sie erstmal in sich zusammen und weinte. “Die Spinne ist jetzt da drin.” Das machte die Bedrohung kleiner. Aber verschwunden war sie nicht. Sie griff zum Telefonhörer und rief ihre Mutter an. “Deine Tochter hat Besuch vom Ungeheuer von Lochness.” Der Chef ging zu dieser Zeit ans Telefon und das waren die Worte mit denen er  ihr den Hörer in die Hand drückte. Die Stimme ihrer Mutter machte die Spinne noch etwas kleiner. So konnte sie sich etwas beruhigen. Als die Mutter ihr dann erlaubte, für diese Nacht in ihrem Bett zu schlafen fühlte sie sich auch noch etwas wärmer und es wurde heller um sie.

Je älter sie wurde, desto ausgeprägter wurde ihre Spinnenphobie.

Mit den Jahren wurde sie größer. Und mit ihr die Angst vor den kleinen Spinnen. Und obwohl sie wußte, dass diese ihr nichts tun konnten, war es unmöglich ein Fenster offen zu haben, ohne dass ein Fliegengitter dran war. Sie mußte die Tür zum Balkon nach den Tierchen absuchen wenn sie sie öffnete. Es war undenkbar, nach Anbruch der Dunkelheit auf dem Balkon zu sitzen – geschweige denn die Füße unter einen nicht vorher untersuchten Tisch zu strecken. Und das alles nicht wegen einer Spinne – sondern wegen einer nicht daheim gewesenen Mutter – wegen einer nicht empfundenen Sicherheit. Das wußte sie jetzt, wo die Farbe der Postkarte so viel Wärme in das Licht zaubern konnte. Das faszinierte sie.  Das Licht war genauso warm wie das Bauchgefühl das der Traum ihr schenkte.

Es war gar nicht die Spinne, vor der sie sich immer gefürchtet hatte.

Wie wohl sie sich fühlte und das obwohl sie gerade die Spinne beobachtete. Sie genoß es, dass ihr Gefühl ihr sagte was auch ihre Gedanken wußten: Die Spinne ist klein und nebensächlich. Es war gar nicht die Spinne vor der sie sich immer gefürchtet hatte. Es war die fehlende Sicherheit wenn ihre Mutter nicht da war. Und die Wärme des Lagerfeuers ließ sie die Sicherheit noch mehr spüren. Jeden einzelnen Schluck von ihrem Bier konnte sie genießen.

Die Geschichte ist natürlich frei erfunden. Aber sie hätte sich so zutragen können.

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Welche Erfahrungen haben Sie mit Spinnen?

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11. September 2011

Unterschied zwischen Informatikern und Psychologen

Wieviele Psychologen braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln? Einen. Aber die Glühbirne muss wirklich wollen!

Wie viele hübsche Informatikstudentinnen braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln?  Alle beide!

11. September 2011

Kann die Psyche wirklich Einfluß auf eine Blasenentzündung haben?

Sie können diese Geschichte auch anhören (Info dazu weiter unten)

Dieses Mal konnte sie ihren Urlaub genießen. Ihr Blick streifte auf der rechten Seite das Kaisergebirge. Schon auf der Höhe von Innsbruck war sie und nur noch wenige Kilometer bis sie zu Hause war. Die Fahrt hinunter zum Gardasee war ihr länger vorgekommen als die Rückfahrt. An was das wohl lag? So einen Urlaub hatte sie noch nie erlebt. Wenn sie anderen das erzählte, kam denen das ganz normal vor: Ein Urlaub ohne Blasenentzündung. Keine stechenden Schmerzen, nicht Stunden auf dem stillen Örtchen verbracht, keine verpassten oder verschobenen Ausflüge. Nein – dieses Mal hatte sie jede einzelne Stunde genossen: die Sonne, den See, die Menschen, das Eis, die Ausflüge. Sie fühlte sich wohl in ihrem Körper während sie die schönen Erlebnisse Revue passieren ließ.

Jetzt geht es so nicht mehr weiter – ich ändere was!

Das war nicht immer so. Und dieses Mal sollte es anders werden. Sie hatte Vertrauen gefast zu ihrer Therapeutin. Im Wartezimmer lag dort eine Informationsbroschüre, in der stand, dass auch chronische Blasenentzündungen behandelbar seien. Sie hatte schon vieles versucht. Von der Ärztin bekam sie Medikamente und zusätzlich trank sie Cranberrysaft. Der schaffte ihr Erleichterung, die Medikamente halfen.  Aber eben immer erst als die Entzündung schon da war. Die Schmerzen waren erstmal unerträglich. Sie hatte zwar keine Ahnung, was die Psychologin dazu beitragen könnte. Aber die Aussicht auf weniger Schmerz oder gar Schmerzfreiheit genügte für eine Entscheidung.

CranberriesEin Ausflug in meine Vergangenheit bringt mich ins Jetzt.

Das Prozedere kannte sie schon. Die Psychologin versetzte sie in Trance. Die vertraute, warme Stimme und die langsamen Worte ließen sie tief entspannen.  Ehe sie sich versah war sie in ihrer Kindheit gelandet. In einer Zeit, an die sie nicht gerne zurückdachte. Ihre Mutter war damals schwer krank, Brustkrebs. Sie war viel im Krankenhaus, dann wieder zu Hause. Das war eine schwierige Zeit. Gerade mal 8 Jahre alt, in der Schule ging es grade so gut. Traurig war sie, wenn sie zur Tür reinkam.  Die Mutter lag auf dem Sofa, die Oma hatte gekocht. Früher öffnete sie mir die Tür und empfing mich mit offenen Armen, wirbelte mich einmal durch die Luft, drückte mir einen Kuß auf die Wange und sagte, ich soll meinen Schulranzen dieses Mal nicht mitten in den Weg, sondern ordentlich neben meinen Schreibtisch stellen. Die Träne, die meine Wange herunterkollerte beweinte die tiefe Sicherheit, die mir eine gesunde Mutter gegeben hatte. Die Sicherheit war weg. Das konnte ich jetzt spüren. Damals wußte ich nicht was mir fehlte.  Und ich war gemein zu ihr gewesen. Ich war wütend und gemein und schämte mich dafür. Mama war ja krank und brauchte ihre Ruhe. Und nicht so eine miesepetrige Jammer-Tochter, der niemand etwas recht machen konnte. Ja, ich hatte mich damals nicht getraut zu sagen, dass ich mir wieder eine Mama wünsche, die mich in der Luft herumwirbelt. Eine Mama, die mich schimpft, weil ich zu lebendig bin. Weil ich vor lauter Unternehmungslust alles um mich herum vergaß. Eine Mama, die mir einfach zuhört. Eine Mama, die mir bei den Hausaufgaben auf die Sprünge hilft.

mit jeder Träne klarer und klarer...Heraus aus dem Gefühlskorsett in emotionale Freiheit.

Die Angst, dass sie Schuldgefühle hat ließ mich stumm bleiben. Ich sagte es nicht, ich sagte überhaupt immer weniger. War unsicher was ich noch sagen darf, was sie nicht belastet. Ich wollte nicht gemein zu ihr sein, wollte sie nicht belasten. Ich weinte. Die ganze Wut von damals verwandelte sich in einen Bach aus Tränen und wurde aus mir heraus geschwemmt. Der aufgewühlte Bach wurde klarer und klarer. Ehe ich mich versah hatte ich meine Augen geöffnet. Mir war wohl ums Herz. Und ich freute mich auf meinen Urlaub. Mit durchaus etwas mulmigem Gefühl fuhr ich am Abend gen Süden. Das Kaisergebirge funkelte im Abendlicht und ich konnte es kaum erwarten, am nächsten Morgen zum Frühstück echten italienischen Capucchino zu schlürfen.

Die Geschichte ist natürlich frei erfunden. Aber sie hätte sich so zutragen können.

Sie können die Geschichte auch im Veränderungspodcast anhören und herunterladen. Unverändert dürfen Sie die Datei auch gerne weiterverbreiten.

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