Archiv für Januar 26th, 2010

26. Januar 2010

Hypnosepflaster

Einen Hobel habe ich gekauft und nicht nur das Kraut – nein, auch meinen Daumen gehobelt – und ganz schön tief.

Nach dem ersten Schreck ist mir Albrecht Schmierer eingefallen. Er ist Zahnarzt in Stuttgart und arbeitet mit Hypnose. Er ist Präsident und Ausbilder der DGZH (Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose e. V.)  Mir begegnete er in meiner Ausbildung für Medizinische Hypnose bei der MEG (Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose e. V.) Es hat mich immer fasziniert, wenn er während der Ausbildung erzählte, wie er unter Hypnoanästhesie Zähne zieht. “Und die Blutung bitte stoppen.” Das sei wie ein Befehl und das Blut hört sofort auf zu fliessen.  Die Erinnerung an seine Erzählung schien zu wirken. Ich schickte dem noch hinterher “Wenn alle Fremdstoffe aus der Wunde herausgeschwemmt wurden, dann kann die Blutung jetzt aufhören. Die Heilung hat bereits begonnen.” Ich machte weiter und wußte, mein Körper weiss was zu tun ist. Nach zwei Stunden war die Stelle zwar noch etwas empfindlich, aber auf den ersten Blick von einer Verletzung keine Spur mehr.

Hier noch der Link zur Homepage von Albrecht Schmierer und der DGZH und nochmals der Link zum Video mit der Zahnextraktion

26. Januar 2010

Wenn ich eine Krücke hätte…

Letzte Woche ärgerte ich mich darüber, dass mein Zahn, der eine Krone trägt eine immer noch größere Spannung zum Vorderzahn aufbaut. Zum Teil war die Spannung so groß, dass ich Schmerzen und Schwierigkeiten beim Kauen hatte. Gerade als ich zum Hörer griff, um den Zahnarzt anzurufen, hatte ich eine Idee – wozu habe ich Hypnose gelernt? Ich setzte mich am Abend hin, schloß die Augen und sprach zu meinem Zahn:

Wenn ich eine Krücke hätte, dann wäre ich zunächst sehr traurig, das Bein verloren zu haben. Wenn ich eine Krücke hätte, dann hätte das Bein ganz lange gebraucht, sich an den neuen Zustand zu gewöhnen. Wenn ich eine Krücke hätte, dann müßte mein Beinstumpf sich daran gewöhnen, die Bewegungen von damals ganz anders auszuführen als es dies bisher gewohnt war. Wenn ich eine Krücke hätte, dann müßte mein Beinstumpf lernen, über die Rückmeldung einer fremden Substanz zu spüren wo es anstößt. Wenn ich eine Krücke hätte, dann müßte mein Beinstumpf ausprobieren, wie es eine gewohnte Bewegung auf ganz neue Weise bewirkt. Wenn ich eine Krücke hätte, dann wäre das ganz sicher auch anstrengend. Wenn ich eine Krücke hätte, dann hätte ich vielleicht auch Schmerzen. Wenn ich eine Krücke hätte, dann müßte ich mich am Anfang mit ganz kleinen Fortschritten zufrieden geben. Wenn ich eine Krücke hätte, dann würde mein Körper sich immer besser an die neuen Umstände gewöhnen. Wenn ich eine Krücke hätte, könnte es sein, ich wäre eines Tages dankbar, die Krücke zu haben.

Ich ärgerte mich nicht mehr über den Zahn – schließlich hatte er es ganz schön schwer. Was für eine Leistung der in den letzten Jahren vollbracht hat. Schon am nächsten Tag war die Spannung verschwunden und ich kann heute schmerzfrei kauen. Natürlich habe ich jetzt auch einen Termin beim Zahnarzt. Das ist schließlich sein Fachgebiet.

Eine “was wäre wenn” Situation gehört zur Kunst des Geschichten erzählens und dies hat sich in der Hypnosetherapie als sehr wirksam erwiesen.

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